Aspetos Trauerforum - Reden Sie mit!

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karola

Neues Mitglied

Beiträge: 7

Geburtstag: 23.07.1966 (48)

Wohnort: freital

Beruf: Angestellte

1

02.12.2008, 00:03

Mein Vati ist verstorben

Hallo zusammen, und besonders an Linda.

Hatte gar nicht gewusst, dass ich die Nachricht schon abgesandt hatte. Ich wollte ja schon am Samstag mehr von der Seele schreiben, aber da kam dann erst ein Anruf und als nächstes mein Sohn nach Hause und dem musste ich auch erst mal erklären, was passiert ist. Ja und ab dann bin ich eigentlich mehr oder weniger in Funktion gegangen, weil sich alles verselbständigte. Ich hatte Leute zu benachrichtigen, meinen Bruder noch mit abzuholen, zum Bestattungsunternehmen zu fahren, dort Reglungen und Entscheidungen zu treffen, die ja für alle mehr oder weniger neu waren. Danach was gegessen und meine Tochter mit zum Adventsturnier abholen lassen. Die Karten dafür hatten wir schon vor Wochen gekauft. Wir gehen schon mehrere Jahre wenigstens einen Tag lang "Pferde gucken". Ich hatte erst mal Pause gemacht und bis abends geschlafen. Dann bin ich doch auch noch nachgefahren. Vati hätte nichts dagegen gehabt. Er mochte auch Pferde. Und es war gut so, weil ich langsam den Boden unter meinen Füßen wieder hatte.

Tja und wie das überhaupt alles so war, ist eine Geschichte, die sich leider über eine lange Zeit gezogen hat. Nur, dass es ihm jetzt doch vergönnt war, so schnell nach seiner erneuten schweren Erkrankung gehen zu dürfen, hatte ich zwar irgendwie gehofft, aber nicht für möglich gehalten. Entschuldigt die Ausdrucksweise, doch er hat sich an keine Regel gehalten. War immer das Stehaufmänchen und hat die Ärzte in Kopfschütteln versetzt. Bis zuletzt hat er sich keine Entscheidung wirklich aus der Hand nehmen lassen, obwohl wir manchmal schon feststellen mussten, dass er mit seinen 78 Jahren nicht immer klar bei Verstand war. Er wollte so selbständig wie möglich und in seiner im Mai bezogenen behinderten gerechten Wohnung bleiben. Nach künstlichem Knie und Hüftgelenk, Herzinfarkten, Prostatakrebs, Schlaganfall, schwerer Diabetis, dadurch offene Unterschenkel und Füße, die nicht mehr zu retten waren weil er zu lange gewartet hatte, Magenkrebs und Magenentfernung ist es irgendwann mal genug. Nun waren aber keine Kraftreserven mehr da, die ihm hätten noch helfen können. So musste er mit Verdauungsproplemen vor drei Wochen wieder ins Krankenhaus. Jeden Tag wurde er weniger und als dann festgestellt wurde, dass der Krebs wieder da war und er für ne Chemo zu schwach war, schickte man ihn nach Hause. - Keiner wusste, wie viel Zeit uns noch bleibt. Es konnten Tage oder Monate sein. Völlig unmöglich ihn über den Tag viele Stunden allein zulassen, trotz Pflegedienst. Daher mussten wir ihn in ein Pflegeheim bringen. Ich glaube, als er dafür dann doch sein Einverständnis gab, hat er abgeschlossen. Er wollte nicht undankbar erscheinen u. hatte sich bei uns noch mal für die Mühe bedankt und meinte aber, dass er dort nicht lange mitmachte. Es wäre wie ein Gefängnis. Gott, es tat uns so leid, aber eine Rundumpflege durch einen von uns Geschwistern war nicht machbar. 6 Tage war er dort, dann ging alles ganz schnell. Mein Bruder mein Freund unser Hund und ich wollten Ihn besuchen und da ging es ihm schon nicht gut. Er wollte nur seine Ruhe und einfach schlafen. Das war aber in seiner Verfassung nicht unnormal und schon mehrfach so abgelaufen. Also beließen wir es dabei und fuhren heim. Keine Stunde später kam der Anruf, dass derr Notarzt gerufen wurde, weil er nicht mehr ansprechbar war. Kurze Zeit später ein erneuter Anruf und die Mitteilung, dass man nichts mehr für ihn tun könne und er im sterben liege, bereits in einer Art Koma. Es kann 10 Minuten oder eine Stunde dauern. Also alle so schnell es ging zu Paps, aber er war schneller. Er lag ganz friedlich, wie schlafend in seinem Bett. Für mich war es das erste mal, dass ich einen toten Menschen sah. Es war überhaupt nicht so furchtbar, wie ich befürchtete. Sogar gestreichelt hab ich ihn noch. (Ich hatte damals bei meiner Mutti zu viel Angst und wir konnten sie auch erst bei der Aufbahrung wieder sehen. Ich dachte ich würde dann nur von diesem Bild träumen und hab nicht hingeschaut.) Es war einfach in Ordnung auch wenn es so traurig machte. - Bis eben hab ich alles ohne weinen geschrieben, aber jetzt seh ich kaum was. Sobald ich nur an die letzten Berührungen denke, kann ich nicht anders. Oh gott und wie soll das erst zur Beisetzung werden!? Ich habe in den letzten 3 Tagen mit so vielen Leuten über Vatis letzten Weg geredet und ich habe den Eindruck, dass es mir wirklich beim verarbeiten hilft. Ich fühl mich zeitweise jetzt schon freier als Jahre nach dem Tod meiner Mutti, an dem ich irgendwie immer noch knabbere. Vielleicht kann ich jetzt auch sie los lassen. Tja und nun lass ich das erst mal so stehen, weil ich ehrlich gesagt zweifele,ob ich das schaff, aber es ist auch schon spät und morgen muss ich erst mal wieder auf Arbeit. Ihr habt also ganz schön was zu lesen gehabt und ich habe versucht mich auf das wesentliche zu beschränken. Danke schon jetzt für die Zeit, die Ihr Euch dafür genommen habt.

Gruß Karola :S
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Linda

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Geburtstag: 01.06.1965 (49)

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2

02.12.2008, 06:17

Hallo liebe Karola!

Ganz lieb von dir, dass du uns so daran teilhaben lässt. Da hat dein Vati und ihr damit ganz schön was durchmachen müssen. Ja, wenn es absolut nichts mehr gibt, "gönnt" man ihnen den Heimgang wirklich. Man vermisst den lieben Angehörigen natürlich gleich stark, aber man ist froh, wenn sie nicht mehr leiden müssen. Gut, dass du dich noch richtig von ihm verabschieden konntest.

Ja, das war gut so, dass ihr "Pferde gucken" gegangen seid. Die Pause hat dir gutgetan.

Wünsche dir viel Kraft für die Trauerfeier.

Melde dich wieder!

Alles, alles Liebe

Linda
Immer in meinem Herzen, oft in meinen Gedanken!

http://www.youtube.com/watch?v=TPLSMvfviBo
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Markus

Administrator

Beiträge: 839

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Geburtstag: 26.03.1972 (42)

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Beruf: Thanatologe & Trauerpädagoge

3

02.12.2008, 07:32

Liebe Karola,

herzlich willkommen hier bei uns und danke, dass Du uns so ausführlich Deine Geschichte, bzw. die Geschichte Deines Vaters erzählt hast. Für mich klingt in Deinen Zeilen sehr viel Liebe und Verständnis für Deinen Vater mit und auch Deine Verarbeitung finde ich gut - auch wenn Du vor Tränen dann manchmal kaum etwas siehst... ;-) Tränen des Schmerzes, des Loslassens, Tränen des Abschieds von Deiner Kindheit, weil Deine Eltern nun tot sind - sie gehören dazu und sie sind hilfreich. Ich mache mir mehr Sorgen um Menschen, die versteinern und die keine Tränen zu haben glauben!

Ich wünsche Dir viel Kraft für die Trauerfeier von Deinem Vater!

Liebe Grüße,
Markus
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kate

Moderator

Beiträge: 719

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4

02.12.2008, 20:40

Liebe Karola!

Von mir ein stilles Willkommen hier bei uns!
Es tut mir sehr leid, dass Du Deinen Papa gehen lassen musstest!

Lese ich richtig, dass es erst 3 Tage her ist? Wenn ja, dann hab'
ich echt Hochachtung davor, dass Du uns hier Deine Geschichte so
erzählen kannst!
Du hast eine schwierige Zeit hinter Dir und vor Dir....wann findet
die Beerdigung statt?
Ich finde es auch sehr gut, dass Du Dich noch von Deinem Papa verabschieden
konntest und auch, dass Du Deine Gefühle so zulassen kannst.

Ich wünsche Dir für die kommende Zeit einfach nur viel Kraft und
schreib' wenn Du kannst, wie es Dir geht!

Alles Liebe!

Kate
Jan *03.08.2002 +13.03.2007
Ich darf sein der ich bin, und werden der ich sein kann!
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chris

Treues Mitglied

Beiträge: 423

Wohnort: Innsbruck

5

03.12.2008, 00:17

Liebe Karola

Auch von mir ein stilles Willkommen im Forum und mein tiefstes Beileid zum Tod deines Vaters.

Zur Trauerarbeit gehört ganz viel reden mit dazu (oder auch darüber schreiben) vielleicht ist es das "bewusst machen"?
Das "bewusst den Tod miterleben"?
Hast du für die Beerdigung etwas bestimmtes geplant?
Hatte dein Vati Wünsche?

Karola, danke für dein Vertrauen, du hast deinen Vati so liebevoll beschrieben, er war ein Kämpfer!! Ein toller Mann!
viel Kraft für die Beerdigung,
meine Gedanken sind bei dir
deine Chris
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DarkAngel

Sehr treues Mitglied

Beiträge: 606

Danksagungen: 930 / 182

6

03.12.2008, 00:35

Liebe karola,

zuerst einmal herzlich willkommen bei uns. Ich möchte Dir mein
aufrichtiges Beileid aussprechen und Dir ganz viel Kraft, für die
Beerdigung und die, Dir bevorstehende Zeit, wünschen.

Es wird
nicht leicht! Ich weiß es leider aus eigener Erfahrung meine
über alles geliebte Mama mußte am 17.03.2008 diese Erde im Alter von 54 Jahren leider für
immer verlassen und ich vermisse sie unendlich!

Du wirst sehen das die richtige schwere Trauer erst kommt wenn du etwas
zur Ruhe kommst .Ich kann dir nur das so sagen den ich weiß genau das
alle lieben Worte und gute Ratschläge im Moment dir auch nicht helfen .


Ich hoffe nur das du jemand zum Reden hast denn das hilft am meisten
.Du kannst aber auch jeder zeit hier im Forum schreiben und du wirst
sehen du bist nicht alleine mit deinem Schmerz .Wir alle verstehen dich
und wissen wie es dir geht .

Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft um alles zu überstehen.

Alles liebe Manu
Das Sichtbare ist vergangen - es
bleibt nur die Liebe und die Erinnerung!!!
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karola

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Beiträge: 7

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Wohnort: freital

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7

03.12.2008, 00:55

Hallo und vielen Dank an Euch alle für die lieben Wünsche.

Ich hatte es gerade geschafft die Grabrede, die mein Bruder geschrieben hat mit durch zu arbeiten. Ja, mein Bruder hat schon vor zwei ,drei Wochen angefangen alles mögliche zusammen zu tragen. Er hatte es für sich als Hilfe gefunden, diese schwere Zeit zu verarbeiten und durch zu halten. Vati war ein besonderer Mensch und so wollen wir ihn auch besonders verabschieden. Gunter will sie auch selber vortragen. Wir haben also keinen Redner bestellt und machen das auch mit der Musik in Eigenregie. Er hat die Walzermusik von Rieu so gemocht. Die Beisetzung findet am 12.12.08 um 11.00 statt. Vielleicht scheint sogar die Sonne an dem Tag. Vati war gern draussen und kein Kind von Traurigkeit. Das wird noch mal ne riesen Herausforderung aber er hat es verdient, dass auch wir tapfer sind. (und schon tropft es wieder). Als ich heute wieder auf Arbeit ankam, wussten meine Kollegen ja auch schon Bescheid und es war ganz rührend, wie sie mich alle in den Arm nahmen und Kraft wünschten. Nur war das eben auch gleich wieder die Öffnung für meine Tränenschleusen. Hab ne ganze weile gebraucht, bis es wieder auf normalem Level ging. Ja, ich weis, es ist normal und mir macht auch niemand einen Vorwurf. Aber so gut wie es ist Emotionen zu haben und diese auch raus zu lassen. Es ist so furchtbar kraftraubend und ich fühl mich eigentlich gar nicht wirklich besser dadurch. - Seh auch nicht so aus. Werde mich jetzt lieber ins Bett scheren, sonst sitze ich früh um 3 noch hier. Werde ganz schön zu tun haben um 6.00 aus dem Bett zu krabbeln.

Grüße an Euch alle

Karola :S
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Linda

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8

10.12.2008, 17:24

Liebe Karola!

Viel Kraft für euren letzten Gang mit eurem Vati und für den Abschied!

In Verbundenheit

Linda
Immer in meinem Herzen, oft in meinen Gedanken!

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Tina

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Geburtstag: 03.02.1978 (36)

Wohnort: Steiermark

9

11.12.2008, 08:04

liebe karola,

ich wünsche euch von ganzem herzen viel viel kraft.

Tina
Wenn die Liebe einen Weg zum Himmel fände und Erinnerungen zu Stufen würden, dann würde ich hinaufsteigen um Dich zurückholen.
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karola

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Wohnort: freital

Beruf: Angestellte

10

13.12.2008, 00:53

der letzte Weg ist gegangen

Hallo Ihr Lieben,

ich bin wohl doch ganz schön fertig, da ich so eben eine fast fertige Nachricht durch ein blödes Tastenirrtum wieder gelöscht hab.

Also noch mal von vorn. Die Nacht war nicht besonders und ich hab immerzu daran denken müssen, was wir hätten noch tun und vorbereiten müssen um alles noch besser zu machen. Also bin ich heute morgen doch ziehmlich gerädert und Schlaf im 2Stundentakt aufgewacht und war schon sehr angespannt. Ich hatte Angst, nicht vor den ersten Trauergästen auf dem Friedhof zu sein. Bei uns hatte es wunderschön geschneit, aber der Schnee war sehr nass und fing im Laufe des Vormittags in der Stadt an zu tauen. Es war also schön nasskalt und egal welche Schuhe man trug, kalt wurde fast jedem mit der Zeit.

Ich war aber pünktlich und hatte auch meine nötige Ruhe gefunden um mich um die ankommenden Gäste zu kümmern. Blumen abnehmen und untereinander vorstellen, da manche sich nicht persönlich kannten. Sorgen machte ich mir auch sehr um meine beiden Kinder (14 und 18). Für die war solche Feier das erste mal. Wie kommen die klar mit soviel Traurigkeit. Mit meinem Bruder zusammen sprachen wir mit dem Bestatter den Ablauf und die Musik noch mal durch und dann wurde es ernst. Ich hatte ja versprochen, dass ich beim Vorlesen der Rede für meinen Bruder einspringe, wenn ihm doch die stimme versagt. Also musste ich mich soweit unter Kontrolle bringen, dass ich nicht schon bei der Anfangsmusik, die wirklich feierlich aber nicht traurig war, im Wasser versinke. Leute, meine absolute Hochachtung für meinen Bruder! Er hat mit sich gekämpft und hat es wirklich geschafft, die Trauerrede selbst und ohne stocken vorzutragen. Ich hätte es vielleicht noch sprechen können, aber nur mit vielen Tränen und sehr wackliger Stimme. Ich war sehr froh, dass ich nicht einspringen musste. Es war auch sehr schön, weil wir lauter kleine Begebenheiten aus seinem Leben erzählt haben, die durchaus auch zum schmunzeln waren. Vati war ein lebensfroher sehr hilfsbereiter Mensch und hatte eben auch manchmal verrückte Lösungen für die verschiedensten Probleme. Da ihn alle Anwesenden auch schon sehr lange kannten,wusste auch jeder damit was anzufangen und im Nachhinein haben alle die Rede gelobt und bestätigt, dass Vati genau so war. In dem Festraum, wo wir uns danach noch getroffen hatten, stellten wir einen großen Bilderrahmen auf mit vielen Fotos aus Vatis Leben. Alle fanden sich irgendwo mit wieder oder waren bei verschiedenen Anlässen dabei und konnten sich erinnern. Es tut so gut zu wissen, etwas so Wichtiges richtig gemacht zu haben.

Wisst ihr was für mich auch schön war? Es waren bis auf eine Ausnahme auch nur Leute da, die auch in seiner letzten Lebensphase immer mal da waren und Kontakt hatten. Ganz anders war es damals bei meiner Mutti und das fand ich so furchtbar. Zu jedem noch so runden und einzigartigen Geburtstag oder Anlass waren Ausreden da, die ein Kommen unmöglich machten, und bei der Beerdigung sind sie auf einmal alle da gewesen. Das hat niemandem was genutzt. Am wenigsten meiner Mutti. Da wurden dann die Verwandtschaften aufgefrischt und jeder erzählte sein bisheriges Leben um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. War das bei Euch auch so? Oder seh ich das zu negativ?

Meine Kinder scheinen es auch ganz gut zu verkraften. Wir haben danach noch zusammen darüber geredet und jeder hat erzählt, wie er den Ablauf empfunden hatte und es ihm dabei ging. War echt in Ordnung. Dann hab ich die Beileidskarten gelesen und die lösten dann bei mir das angestaute Wasser aus und ich merkte, wie kaputt und traurig ich war. Da bin ich noch mal für eine Stunde im Bett verschwunden und seit dem geht es mir ganz gut.

Vielleicht kommt noch ein dicker Knoten, aber vielleicht hab ich diesmal nur alles richtig gemacht und komm tatsächlich besser klar. Die Woche über hab ich manchmal gedacht, dass mein Akku gleich ganz leer ist und des öfteren geweint. Eben auch beim ausfeilen der Rede.Ihr glaubt gar nicht, wie erleichtert ich bin, dass ich mich heute nicht so furchtbar fühle, wie ich erwartet hatte.

Meine lieben, ich danke euch noch mal für die Wünsche, die Ihr mir mit auf den Weg gegeben hattet. Es muss geholfen haben!

In diesem Sinne kann ich Euch nur ebenfalls von ganzem Herzen wünschen, dass auch Ihr Licht am Ende des Tunnels sehen könnt und die ganz schlimmen Zeiten möglichst bald vorbei gehen. Ich drück euch alle. Karola
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Linda

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11

13.12.2008, 07:50

Liebe Karola!

Danke für die Schilderung! Ihr habt das sehr, sehr liebevoll gemacht! Hochachtung! Auch deinem Bruder für die Rede. Dein Vati wird stolz sein auf euch und sich über eure Bemühungen und Liebe gefreut haben.

Dir weiterhin alles Liebe!

Linda
Immer in meinem Herzen, oft in meinen Gedanken!

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chris

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12

13.12.2008, 10:24

Liebe Karola

Du warst gestern ganz tapfer... hast deinem Vati eine würdevolle aber nicht übertriebene Verabschiedung gestaltet!
Die Idee mit dem Bilderrahmen mit den vielen Fotos ist großartig! Ich kann mir richtig vorstellen wie die Menschen um den Rahmen gestanden haben und die Bilder betrachtet haben... wie sie über deinen Vati erzählt haben!
Echt ein toller und berührender Einfall!
Ich finde es immer so schön wenn in der Rede nicht nur ein Lebenslauf, sondern auch persönliche Erlebnisse und Begebenheiten vorkommen.
Man darf sich auch auf einer Beerdigung mit einem Schmunzeln an den Verstorbenen erinnern.
Das macht die Erinnerung noch intensiver!

Leider ist es tatsächlich so das manchmal Menschen nur auf Beerdigungen zusammenkommen.
Wie du schon schreibst, das ist zwar schade... aber man kann niemanden dazu zwingen. Vielleicht lernen diese Menschen durch so ein Erlebnis das man sich um die Lebenden kümmern soll...
Es heißt ja .... nur auf Hochzeiten und Beerdigungen kommen die Menschen zusammen...
In Südtirol habe ich gelernt das es auch anders gehen würde... die machen Verwandtentreffen, Cousinentreffen, Jahrgangstreffen, Sternzeichentreffen, Klassentreffen und was weiß ich noch was alles...
Aber da muss natürlich immer eine Person da sein die das organisiert und arrangiert.

Karola, du hast bei der Beerdigung deine ganze Liebe zu deinem Vati gezeigt und gelebt.
Danke das du uns erzählt hast wie du es gestaltet hast! Es hat sicher die Menschen die anwesend waren unglaublich berührt!
Du hast auch deine Kinder bewusst an der Trauer teilhaben lassen, hast nichts verheimlicht oder verschönt.
Ich denke so können auch Kinder besser damit umgehen.

Ich wünsche dir das dein Wellenmeer so friedlich bleibt
mit ganz vielen lieben Gedanken
deine Chris
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elisabeth65

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13

13.12.2008, 12:21

Hallo,liebe Karola!
Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass man(?) eigentlich für Beerdigungen immer Zeit findet.

Bei meiner besten Freundin, weiß ich, da hbe ich bei der Taufe ihrer Kinder gedacht: "So, Elisabeth, du hattest Zeit für die Beerdigung ihres Georg, also bitte, nimm dir auch Zeit für die Taufe." Es ist schlimm, dass genau dann auf einmal Zeit genug da zu sein scheint. Sind wir echt so?

Auch zu einer befreundeten Gastfamilie aus Deutschland habe ich aufgrund eines Jubiläums, an dem sie nicht sicher teilnehmen wollten, gesagt:"Es ist eure entscheidung, ob ihr kommt. Aber dann zur Beerdigung seid ihr sicher da!"
Frage nicht, ob sie auch zur "normalen" Feier gekommen sind.

Karola, es ist toll, dass ihr das alles geschafft hat. Aber man hat so viel Liebe und Kraft in sich, dass es einfach geht. Und was man im Leben für die Lieben getan hat, dass will man dann halt an diesem, für uns leider Gottes so schlimmen Tag, auch noch machen.
Ich finde euch super, dich und deinen Bruder.

Ganz liebe Grüße
Elisabeth
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sili

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14

13.12.2008, 12:45

hallo karola

mein beileid und ein sehr herzliches wilkommen,,wen mann einen elternteil verliert ist es sehr ,wünsche dir das du alles bald verarbeitest,jetzt ist es besonders schwer da auch noch weihnachten vor der türe steht.wünsche dir viel kraft,,liebe grüße sili
Arme kleine Seele leid und Schmerz warn diese Welt.

Kommt ein Engel nun vom Himmel,sanft im Arm,er dich jetzt hält.
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karola

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Beruf: Angestellte

15

14.12.2008, 21:46

Hallo Ihr Lieben, danke für Eure netten und auch nachdenklichen Zeilen.

Chris, der Hinweis mit den Cousinentreffen ist fabelhaft. Ich muss dass unbedingt im Auge behalten und mal später organisieren. In unserer Familie sind leider schon einige unserer Eltern gestorben. Meine Eltern hatten fast nur ältere Geschwister , sodass auch deren Kinder zum großen Teil viel älter sind als ich. Da hatte sich eine Zeit lang sowas wie ein Generations- bzw. Interessenkonflikt ergeben. Die einen schon sehr erwachsen mit eigenen Kindern und die andren gerade mal im Teeniealter. Jetzt sind wir da alle weit drüber raus und wir könnten es doch noch mal versuchen. Aber mir fallen dabei auch zwei drei ein, die in meine Altersgruppe reinpassen und mit denen ich als Kind viel Spaß hatte. Schön Chris, das ist doch ne Aufgabe, die ich gern angehe. Vati hat eben nicht übertrieben, als er sagte, dass wir auch bald wieder schöne Zeiten erleben werden.

Na Elisabeth, ich möchte doch gern fragen, ob deine Freunde damals gekommen sind. Das war ja ein direkter Wink mit dem Zaunspfahl und hätte auch von mir sein können. Es ist wohl schon so, wie du sagst. Wir verdrängen bei guten Dingen, dass es die letzten sein können. Es ist sicher so was wie Selbstschutz.: Es kommt noch ne Gelegenheit, uns geht es doch prima. Die Beerdigung ist nun mal das letzte Ereignis was uns mit dem jeweiligen Menschen verbindet aber eben nichts schönes.

Liebe Sili, ach ja Weihnachten. Es ist bei mir ja nun leider nicht mehr nur ein Elternteil, den ich verloren habe. Am 5.1. werden es 17 Jahre da meine Mutti gestorben ist. Mit nicht mal 57 Jahren. Damals war ich 25 und hatte gerade meinen 1 1/2 -jährigen Sohn. Es war ne furchtbare Zeit und die ging auch im September los und gab uns in den paar Monaten einen Genickschlag nach dem anderen. Ich werde niemals vergessen, wie ich mich gefühlt hab, als ich meine Mutsch am 6.12. auf ihrer letzten Fahrt zum Krankenhaus im Transport begleitet hab. Immer in dem Wissen, dass sie nie wieder nach Hause kommen wird. Es ist immer noch furchtbar und ich möchte sie immer noch umarmen und sagen, geh nicht. Sie hatte auch Krebs bzw. einen inoperablen Tumor im Kopf. Vati hat sie so lange es ging zu Hause behalten, aber sie wäre uns erstickt, weil das Wasser in der Lunge zu viel wurde und die Schmerzen wieder kamen. Damals war auch von Pflegebetten und Diensten zu Hause noch keine Rede. Vielleicht wollte das mein Paps damals auch nicht. Leider ist das ein nicht aufgearbeitetes Kapitel und deshalb bin ich auch im Moment so froh darüber, dass es mir dieses Mal möglich war aktiv zu sein und mich zu kümmern etwas beizutragen. Damals war ich starr vor Angst und Vati war auch der Meinung, dass Mutti nicht mit der direkten Diagnose konfrontiert werden drürfte. Im Nachhinein denke ich zwar schon dass Mutti Bescheid wusste aber sie hat auch nie gejammert oder ein Wort des Abschieds gesprochen. Sie wollte auch niemandem Umstände machen.

Tja und irgendwie hat sich Weihnachten dadurch sehr verändert. Die ersten Jahre versuchte ich noch die Familie dann bei uns zusammen zu bringen, aber als ich merkte, dass es nicht wirklich angenommen wurde, zog ich mich zurück und ging mehr in die Richtung meiner Schwiegereltern. Mein Vati hatte später auch noch eine liebe neue Lebensgefährtin. Die hatte aber auch um die Weihnachtszeit ihren Mann verloren und bekam um diese Zeit ein absolutes Tief. Es war von niemandem ein rankommen. Daher blieb Vati mit ihr allein zu Hause und schloss sich aus allem aus. Ja und so feier ich Weihnachten schon seit vielen Jahren ohne meine Eltern. Es wird also nicht wirklich anders als sonst . Klingt ganz schön herzlos, oder?

Ich wünsche Euch alles Liebe. Gruß Karola
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chris

Treues Mitglied

Beiträge: 423

Wohnort: Innsbruck

16

14.12.2008, 22:22

Liebe Karola

Nein, das klingt nicht herzlos! Du hast einen Weg gefunden, der dir hilft ... und das finde ich ganz groß und ganz besonders!

Du hast beim Abschied deines Vatis auch einen Teil von deiner Mutsch mitverarbeitet.
Alles was du damals anders machen wolltest, hast du diesmal so gemacht wie du es für richtig gehalten hast!
Mütter sind schon besondere Frauen... sie wollen niemanden Umstände machen und sind doch immer für alle da!
Deine Mutsch ist vor 17 Jahren gestorben... ich denke man war damals noch nicht so weit das man auch über das Sterben gesprochen hätte...
das war früher einfach ein "Tabuthema"
Du hättest damals auch nie so eine berührende Abschiedsfeier gestalten können.

Ja, solche Treffen sind immer sehr nett. Man sagt zwar immer "die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen" ... aber man sollte sie doch wenigstens kennen lernen! Je älter die Menschen werden, umso mehr sind sie an ihrer Vergangenheit interessiert.

Karola, ich wünsch dir heute eine friedliche Nacht
ich bin noch immer ganz berührt von der Idee mit den vielen Fotos
deine Chris
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sili

Sehr treues Mitglied

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Geburtstag: 11.06.1965 (49)

Wohnort: österreich

17

14.12.2008, 22:34

liebe karola

deine zeilen haben mich traurig gemacht,meine tochter sabine ging am 10.11.1985 von mir meine mutter am 30.11.1998,,mein sohn michael währe am 27.10,2008.er währe22 geworden,,alles vor weihnachten meine tante verstarb 2007, 2 tage vor weihnachten,,auch ich hätte grund das fest weniger zu feiern,aber ich liebe es dennoch,,erstens weil michael weihnachten liebte,2 wen die strassen häuser so geschmückt sind,die hoffnung das das leben schöner wird,die weihnachtsfilme,die augen meiner enkerln an heilig abend...leider ist es auch traurig da wie wir wissen sehr viele arme menschen unter uns sind,und kranke,aber es solte das fest der liebe sein und ich möchte so gerne daran teilhaben,und darum versuche ich es jedes jahr so schön wie es nur geht schön zu machen,und das leid und die traurige welt für stunden zu vergessen,,liebe karola ich verstehe deinen schmerz zu gut,,möchte dich umarmen silvia(sili)
Arme kleine Seele leid und Schmerz warn diese Welt.

Kommt ein Engel nun vom Himmel,sanft im Arm,er dich jetzt hält.
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