Zum 120. Todestag von Joseph Merrick, dem „Elefantenmenschen“

Joseph Merrick 1887 im London HospitalJoseph Carey Merrick wurde am 5. August 1862 in Leicester geboren, seine Krankheit, das Proteus-Syndrom, führte zu starken Deformationen am ganzen Körper.

Merrick wurde im Viktorianischen Zeitalter als Elefantenmensch bekannt, da die Ärzte irrtümlicherweise annahmen, dass er an Elefantiasis litt, einer Erkrankung bei der durch einen Lymphstau Körperteile abnorm vergrößert sind. 

Nicht selten landeten Menschen mit Deformationen oder anderen körperlichen Besonderheiten zu Lebzeiten unfreiwillig als Schaustücke in Panoptiken, Wanderzirkussen und nach ihrem Tod in Anatomiemuseen.


Schon immer Spott und Hohn ausgesetzt, begab sich Merrick freiwillig in einen Wanderzirkus, der Englands und Belgiens Jahrmärkte bereiste, und trat dort im Rahmen einer Freak-Show als „Monster“ auf.

Nachdem er von seinem Manager um Geld gebracht wurde, erlitt er einen Zusammenbruch und kehrte im Jahr 1886 zurück nach London. Dort irrte Merrick vermummt durch die Straßen und wurde Opfer eines Überfalls. Nachdem Merrick im London Hospital aufgenommen wurde und dort ein Zimmer bekam, wurde er zunächst zum reinen Untersuchungsobjekt, dem man mehr tierische als menschliche Eigenschaften zuschrieb. „Cretins“ und andere „Missgeburten“ galten den Medizinern der damaligen Zeit generell als Mischung zwischen Tier, Mensch und Pflanze. Bei Joseph Merrick kam dazu, dass er krankheitsbedingt für die Ärzte nur unverständliche Laute von sich geben konnte. Nachdem sich sein Arzt, Dr. Treves, näher mit ihm beschäftigte, konnte dieser aber die Laute allmählich verstehen und stellte fest, dass Merrick ein sensibler und intelligenter Mensch war und bemühte sich ihn in die Londoner Gesellschaft zu integrieren.

28 Jahre alt, verstarb Joseph Merrick völlig unerwartet am 11. April 1890 in seinem Zimmer im London Hospital - vermutlich an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.

1980 verfilmte David Lynch Joseph Merricks Leben in „Der Elefantenmensch“ mit John Hurt in der Hauptrolle. Der Film zeigt Merrick als Außenseiter und Opfer von Sensationsgier, Abscheu und Lust am Grausen. Sein Arzt Treves ermöglicht ihm zwar die Eingliederung in die Londoner Gesellschaft und ein menschenwürdigeres Dasein, bis zuletzt wird Merrick aber immer wieder zum Opfer und Monster.

Für ASPETOS: Dr. Christine Pernlochner-Kügler 


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