Die hoch verschuldete Stadt Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen ergreift seit 2007 Einsparmaßnahmen im Hinblick auf die Bestattung ihrer ärmsten Bürger: Diese finden seither im ca. 150 Kilometer entfernten Braubach-Dachsenhausen in einem Urnengrab ihre letzte Ruhe.
Während der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) den Export der Leichen für „unethisch und unseriös“ hält und erklärt, man solle die Beisetzung nicht „zu einer Omnibusfahrt ins Nirwana werden lassen“, hat der Bund der Steuerzahler NRW grundsätzlich keine Bedenken: Gebührenreferent Harald Schledorn versteht, dass „die Kommune alle Möglichkeiten, die das Bestattungsgesetz bietet, nutzt, um den kommunalen Haushalt zu entlasten." Er bittet Grevenbroich jedoch, auch über Einsparungen bei der örtlichen Beerdigung nachzudenken.
Grevenbroichs Stadtsprecher Andreas Sterken verweist auf 39.000 Euro, die durch die Verbrennung im Krematorium Taunus und die Beisetzung in Breubach-Dachsenhausen seither gespart wurden. – Die dortige Einäscherung und Beerdigung kostet nur die Hälfe der am Niederrhein regulären 3.000 Euro. Über ein eigenes Krematorium verfügt die 65.000-Seelen-Stadt Grevenbroich nicht. Weiters versichert Sterken, dass die Toten der Würde des Menschen angemessen und in einer attraktiven „Wald- und Wiesenlandschaft“ bestattet werden. Bei den meisten Verstorbenen handle es sich um Menschen ohne familiäre oder soziale Bindung und sollte ein Verstorbener vor seinem Ableben den Wunsch ausgedrückt haben, im städtischen Friedhof begraben zu werden, so wird das natürlich auch beachtet.
Für ASPETOS: Florian Gostner
Quelle: 10. 3. 2010, Financial Times Deutschland: http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:totentourismus-grevenbroich-bestattet-arme-in-der-fremde/50086496.html




