"Wenn ein Patient ungeklärte Kniebeschwerden hat, können sich die Kosten für Diagnostik und Therapie leicht auf 3.000 Euro addieren. Wenn es aber um die schwerwiegenste Diagnose geht – um den Tod – lassen wir uns das gerade einmal 50 Euro kosten und übertragen die Aufgabe Ärzten, die dafür meistens keine Experten sind", zeigt der Hamburger Professor Klaus Püschel, Leiter der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf auf.
Püschel möchte die Aufgabenbereiche seiner Branche erweitern und ihre Methoden verändern. Untersuchungen mit Computer- und Magnetresonanztomografie (CT und MRT) sollen künftig die bisherigen Möglichkeiten bei der Feststellung der Todesursache erweitern und weitere Eingriffe unnötig machen. Virtopsy – so wird die postmortale Bildgebung in Fachkreisen genannt, welche äußerst hilfreich für die forensischen Ermittlungen seien, so Püschel. Im Interesse der Lebenden, welche dann von seinen Erkenntnissen profitieren würden, will er „die Toten eben nicht in Ruhe lassen, sondern genau hinsehen".
Vorteil der Neuerungen in der Rechtsmedizin sei vor allem, dass die Mediziner schon viel mehr Informationen hätten, bevor sie zum Skalpell greifen. "Zum Beispiel bei Schussverletzungen", so Püschel. "Wir wissen, wo das Projektil liegt, und im Bild ist fixiert, wie der Schusskanal verläuft, auch wenn man die Kugel entfernt hat." Hilfreich seien die neuen Methoden auch bei Frakturen: Nicht selten gehe es um die Frage von Misshandlungen.
Püschel, Jahrgang 1952, ist verheiratet mit einer Gynäkologin; zusammen haben sie drei Kinder. Neben seiner normalen Tätigkeit erforscht er auch diverse Moorleichen um publiziert seine Untersuchungsergebnisse.
Virtopsy ist ein forensisches Verfahren zur Rekonstruktion und Dokumentation von Verletzungen am menschlichen Leichnam, das 2007 an der Universität Bern entwickelt wurde. Spezialisierte Verfahren ermöglichen auch die Untersuchung am lebenden Körper.
Link: http://www.virtopsy.com
Quellen: http://www.welt.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Virtopsy




