Der österreichische Arzt und Psychotherapeut Alfred Adler starb am 28. Mai 1937 während einer Vortragsreise in Aberdeen in Schottland. Die Familie des Verstorbenen reiste damals zwar zur Trauerfeier an, die Asche blieb aber in Schottland. John Clifford, österreichischer Honorarkonsul in Schottland, entdeckte nach langwieriger Durchforstung der Archive die Urne Alfred Adlers im Warriston Krematorium in Edinburgh. 74 Jahre nach seinem Tod kehrt Alfred Adler nun nach Österreich zurück und soll noch im April in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt werden.
Begründer der Individualpsychologie
Adler studierte Medizin an der Universität Wien, arbeitete zunächst als Augenarzt und eröffnete kurz darauf eine Praxis für Allgemeinmedizin nahe dem Wiener Prater. Von 1902 an nahm Adler an den Diskussionsrunden der Mittwochabendgesellschaft von Sigmund Freud teil, entwickelte jedoch schon bald eine von der Psychoanalyse abweichende, eigenständige Lehre, nach der der Mensch nicht hauptsächlich von Trieben gesteuert wird. Adler sah als menschliche Grundantriebe das Streben nach sozialer Anerkennung, Macht und Überlegenheit und die Entfaltung des Gemeinschaftsgefühls. 1911 kam es aufgrund dieser Differenzen zum Bruch mit Sigmund Freud.
Adler gründete darauf eine eigene Gesellschaft für freie Psychoanalyse, den späteren Verein für Individualpsychologie. Nach seiner Lehre ist jeder Patient als Individuum einmalig und als Ganzheit körperlich zu behandeln und psychisch zu verstehen. Adler wollte eine lebensnahe Psychologie schaffen, die es dem Menschen ermöglicht, seine Mitmenschen aus deren jeweils individuellen Lebensgeschichte heraus zu verstehen. Seine bewusst in schlichtem Stil gehaltenen Bücher und seine Vorträge sollten seine Psychologie jedermann zugänglich und zum Allgemeingut machen. Im Rahmen der Wiener Schulreform konnten Adler und seine Mitarbeiter rund dreißig Erziehungsberatungsstellen in Wien eröffnen. 1920 wurde Adler Direktor der ersten Klinik für Kinderpsychologie in Wien. Von 1926 an übernahm Adler regelmäßig Lehraufträge in den USA. Mit dem Aufkommen des Faschismus zog er nach New York, unternahm aber weiterhin Vortragsreisen nach Europa. Auf seiner Reise 1937 durch Schottland verstarb Alfred Adler an Herzversagen.
Quellen: www.orf.at




