"Am heiligen Abend geht der einfach...und ich dachte der schafft den 200. auch noch", schreibt eine meiner Facebook-Freundinnen. Er schien wirklich nicht umzubringen sein, der gute alte Jopie Heesters. Kurz vor seinem 107. Geburtstag hat er das Rauchen aufgegeben - "aus Liebe zu meiner Frau" - wie er selbst angab. Den Auftritt an seinem 108. Geburtstag musste er absagen und seither hörte man immer wieder, dass es nicht gut um seine Gesundheit stand. Die letzten Tage verbrachte er in einer Klinik am Starnberger See, wo er am Vormittag des 24. Dezembers infolge eines Schlaganfalles im Beisein seiner Eherfrau und seiner beiden Töchter verstarb. Heesters war der älteste aktive Schauspieler und Sänger der Welt und der zweitälteste Mann Deutschlands.
Der gebürtige Niederländer Johannes Heesters war Kaufmannssohn und absolvierte auch eine dementsprechende Lehre. Mit 16 Jahren beschloss er allerdings Schauspieler zu werden. Seinen Spitznamen „Jopie“ erhielt er später vom Publikum in Berlin, wo er von 1936 an auf der Bühne stand. Seine Paraderolle, den Grafen Danilo in der Lustigen Witwe, sang er erstmals 1938 und behielt sie 35 Jahre lang.
Obwohl in Deutschland und Österreich bis heute beliebt, wurde Heesters von den niederländischen Bühnen jahrzehntelang boykottiert und ist in seiner Heimat immer noch kein Publikumsliebling: Er konnte den Ruf, aus Karrieregründen Mitläufer des NS-Regimes zu sein, nie ganz loswerden. Man warf ihm vor, dass er in deutschen Diensten gestanden hatte, als sein Heimatland von der Wehrmacht besetzt war. Dass Adolf Hitler mehrere seiner Aufführungen besucht hat, verschärfte seine politisch zweifelhafte Rolle. In den 1990er Jahren wurde zudem bekannt, dass Joseph Goebbels ihn 1944 auf die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste der unverzichtbaren Schauspieler“ gesetzt hatte.
Heesters hatte nie die Deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, er war nie NSDAP-Mitglied und es sind auch sonst keine Sympathiebekundungen für den Nationalsozialismus bekannt. Aufruhr bewirkte er zuletzt als 102-Jähriger als er in einem Interview Hitler als einen „netten Kerl“ bezeichnete. Das Interview fand zwar im Rahmen einer Satire-Sendung statt, warf aber dennoch wieder ein schräges Licht auf seine Vergangenheit. Dem Vorwurf, dass er sich nie klar vom Regime distanziert hatte, begegnete Heesters immer mit der Begründung, dass er nie an Politik interessiert gewesen sei und versucht habe, seine Familie herauszuhalten und zu schützen.
Seine Beisetzung findet am Freitag, den 30.12. auf dem Münchner Nordfriedhof statt. Die Trauerfeierlichkeiten beginnen um 11.00 Uhr. Geplant ist eine große Trauerfeier, es wird wohl Heesters letzter großer Auftritt.
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