Drucken

Deutsche Bestatter empört: Städte verdienen am Zahngold von Toten

Geschrieben von Jörn Brien am . Veröffentlicht in Ausland

Mit dem Metall, das in den Körpern von Verstorbenen enthalten ist, lässt sich sehr viel Geld verdienen. Zu den wertvollen Stoffen in den Leichen gehören neben dem Zahngold auch künstliche Gelenke und Prothesen. Normalerweise werden z.B. die Goldzähne mit der Asche in die Urne gegeben und bestattet. Größere Metallteile wie Hüftprothesen werden allerdings immer entfernt. Sie passen nicht in die Urne.

Systematische Verwertung


Während viele deutsche Städte und Gemeinden auf eine systematische Verwertung verzichten, werden in einigen deutschen Städten Metalle, die nach der Einäscherung übrigbleiben, offenbar dazu genutzt, um die Stadtkasse aufzufüllen. Angeblich können bei der Metall-Verwertung jährlich schnell sechsstellige Summen zusammenkommen, die zwar oft für soziale Zwecke gespendet werden, in einigen Fällen aber auch direkt in den Haushalt fließen.

Der Bundesverband deutscher Bestatter ist verständlicherweise nicht sonderlich erfreut und kritisiert das Vorgehen dieser Städte heftig. Präsident Christian Streidt sprach gegenüber deutschen Medien sogar von einem „Ausschlachten des Menschen“. Es müsse eine Grenze geben, an der der Mensch sich von einem alten Fernseher oder Handy unterscheide.

250.000 Euro Erlös


Allein die Stadt Nürnberg soll mit dem Altgold jährlich rund 250.000 Euro verdienen. In Karlsruhe immerhin 90.000 Euro, in weiteren Städten mehrere Zehntausend Euro. In vielen anderen Städten – etwa in Sachsen – wird das Zahngold in jedem Fall mit der Asche in die Urne gefüllt. Anders sieht es natürlich mit künstlichen Gelenken aus.

Das erlöste Geld fließt in einigen Fällen zwar in die Stadtkasse, wird dann aber dazu genutzt, die Bestattungskosten niedrig zu halten, verwahrloste Gräber zu pflegen oder Trauernde zu begleiten. Einige Städte haben die Verwertung von Zahngold und Co. übrigens komplett untersagt, weil immer wieder Krematoriums-Mitarbeiter in Verdacht geraten sind, die Metalle zu stehlen.

Hinterbliebene: Recht auf Zahngold


Das erste Recht auf die Metalle in den Körpern der Verstorbenen haben eigentlich die Hinterbliebenen. Sie müssten aber z.B. das Zahngold vor der Verbrennung von einem Pathologen oder Zahnarzt entfernen lassen, was Vielen zu Recht als pietätlos erscheint und wohl auch selten vorkommt. Darüber hinaus gelten in den meisten deutschen Kommunen unterschiedliche Vorgaben. Wer in München will, dass sein Zahngold nicht mit in die Urne, sondern seinen Hinterbliebenen zugutekommt, muss das vor seinem Ableben bestimmt haben.

Powered by Aspetos