Islam: Bestattung ohne Sarg

images/stories/friedhof von monastir by_matthias-loehr_pixelio.de.jpg

... nur im Tuch.

In Hamburg ist es seit 15 Jahren möglich, Muslime ohne Sarg zu beerdigen, in Berlin wird derzeit darüber diskutiert, das Gesetz ebenfalls dahingehend zu ändern. Das Vorhaben ist Teil des neuen Integrationsgesetzes, nach dem „Leichen aus religiösen Gründen auf von Friedhofsträgern bestimmten Grabfeldern in einem Leichentuch ohne Sarg erdbestattet werden können“, welches dieses Jahr noch verabschiedet wird.

Die Berliner Bestatter kritisieren die geplante Gesetzesänderung heftig. Der Sprecher der Berliner Bestatter-Innung Fabian Lenzen gibt zu bedenken, dass in der Türkei ein Verwandter bei der Beerdigung in das Grab steigt, dort den Leichnam übernimmt und  ihn nach Mekka ausrichtet. Bei der in Deutschland üblichen Grabtiefe von etwa 1,80 Meter sieht Lenzen hier Schwierigkeiten für die Praxis. Wenn außerdem Körperflüssigkeiten austreten, bestünden zudem Risiken für alle Beteiligten. „Für derartige Probleme gilt es Lösungen zu finden, ehe ein Gesetz in Kraft tritt“, sagt Lenzen.

Von Beginn kommenden Jahres an könne es auf Friedhöfen mit einem muslimischen Grabfeld Bestattungen ohne Sarg geben, so der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats, Günter Piening. Die Bedenken der Berliner Bestattungsunternehmen gegen die Neuregelung weist der Integrationsbeauftragte zurück. Piening glaubt, dass die Zahl der Bestattungen ohne Sarg nach in Kraft treten des neuen Gesetztes in Berlin "dramatisch" zunehmen wird. Laut Piening ist der Sargzwang Grund dafür, dass 90 Prozent aller muslimischen Einwanderer sich in ihren Heimatländern beerdigen lassen. „Die Beerdigung ohne Sarg gehört zu den notwendigen religiösen Riten“, bekräftigt außerdem Bekir Alboga, Sprecher der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), die geplante Gesetzesnovelle.

Ganz anderer Ansicht ist dagegen Volkan Coskun: Er ist Alevit und Direktor der islamischen Abteilung des größten deutschen Bestattungsunternehmens „Ahorn-Grieneisen“ und spricht sich deutlich gegen eine Bestattung nur im Tuch aus: „Wir sind ja nicht im Mittelalter“, meint er und begründet seine Sichtweise durch ein islamisches Rechtsgutachten aus dem Jahr 1985, das gläubigen Muslimen die Bestattung auch in einfachen Särgen erlaubt. Ahorn-Grieneisen wird im Jahr mit 300 islamischen Beerdigungen beauftragt, bis dato kam noch keine einzige Anfrage, ob man eine Bestattung ohne Sarg durchführen könne.

Ein Blick nach Hamburg zeigt, dass der drastische Anstieg von Bestattungen ohne Sarg nicht zu erwarten ist: In den ersten drei Jahren nach Einführung der Tuch-Bestattung wollte kein einziger Muslim ohne Sarg beigesetzt werden. 2008  wurden dann 59 Beisetzungen ohne Sarg in Auftrag gegeben, die große Mehrheit entscheidet sich aber nach wie vor für eine Beisetzung im Sarg. Viele Muslime sind hier aufgewachsen und sozialisiert und haben sich an die westlichen Riten und Traditionen angepasst, ohne dabei aber ihren Glauben zu verlieren.

Ich möchte hier eine Anekdote anbringen, welche die Situation gut auf den Punkt bringt. Es ist eine wahre Geschichte, die sich in einem Altersheim zugetragen hat:

Eine Altenpflegerin bringt einer türkisch-stämmigen Frau Oliven und Ziegenkäse zum Frühstück, weil sie in einer Fortbildung gelernt hat, dass man in der Türkei und in Griechenland Oliven und Käse frühstückt. Sie selbst war in der Türkei im Urlaub und sah tatsächlich Oliven und Feta am Frühstücksbuffet. Jeden Morgen brachte die Pflegerin der alten Frau stolz Käse und Oliven. Nach etwa zehn Tagen sagte die Frau zu ihr, sie wisse es sehr zu schätzen, dass sie ihr ein türkisches Frühstück bringe, nach über 30 Jahren in Österreich allerdings habe sie sich aber an Semmel mit Marmelade gewöhnt und wolle gar nichts mehr anderes.

Die Islamwissenschafterin Rifa’at Lenzin reflektiert unsere stereotype Wahrnehmung und die Situation muslimischer Einwanderer wie folgt:

„Mit Muslimen, die aus über fünfzig Nationen stammen, ist die kulturelle Vielfalt, die sich in den unterschiedlichsten Sitten und Bräuchen manifestiert, außerordentlich groß. Und längst nicht alles, was ein Muslim oder eine Muslimin tut, ist islamisch. (…) Dennoch neigt man dazu, Muslime als monolithischen Block zu sehen, in welchem alle gleich glauben, gleich denken und gleich handeln. Muslime sind so verschieden wie Christen.“

Der Kreuzberger Bestatter Bahri Deniz ist Sunnit und will sich nach seinem Tod in der Türkei bestatten lassen: „Mit der Zeit werden viele hier bleiben“, meint er. „Was meine Kinder machen, weiß ich nicht.“ Und was meint er zur Gesetzesänderung in Berlin? - „Als Bestatter mit Sarg, als Muslim ohne Sarg“, sagt er, denn: „Wir leben in einem modernen Land.“

Im nächsten ASPETOS-Artikel geht’s weiter: „Aber bitte mit Sarg“ erklärt, warum es bei uns überhaupt „Sargpflicht“ gibt und dass diese Pflicht bei uns gute Gründe hat.


Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/leben/berlin-sargzwang-aufgehoben-bestattung-nach-koran-erlaubt-1.984372

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1363299/Innung-wehrt-sich-gegen-Bestattung-ohne-Sarg.html

Rifa’at Lenzin: Sterben und Tod aus der Sicht des Islam. In: Daniel Wyler (Hrsg.): Sterben und Tod. Eine interprofessionelle Auseinandersetzung. Zürich (Careum) 2009.

Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


mehr Termine