Hl. Notburga - Frau Holle von Tirol

images/stories/dsc_1514.jpgAm 6. Jänner, dem Fest Epiphanias, besuchten wir mit unserer Selbsthilfegruppe „Trauernde Eltern nach Unfall, Krankheit und Suizid“ den Achensee. Wir wählten den Tag der Frau Holle und Perchta, weil sie beide altgermanische Schutzpatroninnen der Hausfrauen und Mütter waren: Diese Weißen Frauen kamen in der letzen Rauhnacht am 6. Jänner aus ihren Gewässern und waren unter anderem dafür zuständig,  die Seelen verstorbener Kinder in ihren schönen Garten in der Anderswelt mitzunehmen, hatten aber auch die Aufgabe nachzusehen, ob die Hausfrauen in den Rauhnächten Ruhe gaben, um Kraft zu schöpfen für den Neubeginn, den Frühling, den neuen Zyklus von Werden und Vergehen.

Ich verweise dazu an dieser Stelle auf den ausführlichen Artikel „Weiße Frau, schwarzer Tod: Frau Holle kommt am 6. Jänner“:

http://www.aspetos.at/news/index.php/bestattungsformen/727-weisse-frau-schwarzer-tod-frau-holle-kommt-

Nicht zufällig fällt das Fest „Epiphanias“ oder „Erscheinung des Herrn“ auf den 6. Jänner: „Dreikönig“ war in vorchristlicher Zeit der Tag, an dem das Licht wieder Übermacht über die Dunkelheit gewinnt – der neue Jahreskreis konnte beginnen. Und wir haben es ja selbst gesehen, am 6. Jänner war es das erste Mal wirklich sichtbar: Es wird wieder heller! Schon im hellenistischen Ägypten wurde in der Nacht vom 5. zum 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore gefeiert.

Der 6. Jänner ist also ein bedeutungsvoller Tag, er steckt voller Symbole des Lebens und des Todes! Ein guter Tag für einen Ausflug mit einer Trauergruppe also.


Warum aber besuchten wir den Achensee und was wollten wir bei der Hl. Notburga?

Den Achensee wählten wir für unseren Ausflug, weil auch in den Sagen rund um das Rofangebirge und den Achensee von Weißen Frauen erzählt wird. In Eben am Achensee steht die Notburgakirche und auch die Hl. Notburga ist eine Art „Weiße Frau“.

In vielen Kulturen, darunter auch in der vorchristlichen germanischen Kultur, war der Tod weiblich und - weiß:  Nicht das „Ende“ war die Domäne dieser Frauen-Gestalten, sondern die Initiation, die Wandlung und Veränderung und als solche waren sie Helferinnen beim Aussäen und Ernten sowie beim Gebären und Sterben. Aus ihnen wurde das Entstehen auf der Erde und auch das Vergehen erklärt. Sie standen vor allem für Krisen- und Umbruchszeiten im Leben und waren als Helferinnen positive und trostreiche Figuren.

Auch in Tirol wurden in vorchristlicher Zeit Weiße Frauen verehrt: Die Fee vom Sonnwendjoch und die  „Frau Hertha“ vom Rofangebirge oder Achensee waren die Tiroler Parallelgestalten zur Frau Holle und Perchta – auch sie verkörperten die germanische Gottheit Nerthus.

Nicht zufällig wohnt die Fee in einem unterirdischen See auf dem "Sonnwend"joch, dort versorgt sie die Fische, die der Sage nach die Seelen der Verstorbenen in sich tragen. In vorchristlicher Zeit, aber auch in der Sagenwelt gelten Kröten, Fische und Mäuse als „Seelentiere“. Von Frau Hertha wird erzählt, dass sie im Frühling mit einem von Ochsen gezogenen Wagen vom Sonnwendjoch kommend durch den Achensee fährt und Leben und Fruchtbarkeit zurückbringt. Ganz ähnlich wie Nerthus, Holla und Perchta, die auch mit ihren Wagen aus dem Wasser kommen, um Leben zu bringen.

Dass die Hertha und ihre deutschen Kolleginnen heute nur mehr in der Sagenwelt existieren und keine Kultfiguren mehr sind, hat mit der Christianisierung zu tun. Mit dem Christentum mussten die germanischen Göttinnen weichen, aber so einfach war das natürlich nicht: Alteingeführtes kann man nicht von einem Tag auf den anderen verwerfen, schon gar nicht wenn Hertha für Fruchtbarkeit, Leben und Tod im Tiroler Unterland zuständig war. Damit war sie eine überaus wichtige Kultfigur und eine Hürde für das Christentum. Die Weißen Frauen waren so unausrottbar und stark, dass man ihnen einen christlichen Mantel umhängte. Unter dem Mantel einer Heiligen, leben sie bis heute weiter fort.

In Rattenberg gab es im 13. Jh. eine starke Frau, die sich im Volk zu Lebzeiten einen Namen gemacht hatte und wunderbar dafür geeignet war, als Heilige die Rolle der heidnischen Weißen Frauen zu übernehmen: Die Hl. Notburga von Rattenberg. In Tirol, Bayern und der Schweiz ist Notburga als Heilige nach wie vor sehr prominent. Das liegt sicherlich daran, dass sie schon zu Lebzeiten über Verstand, Herz, Mut und Durchsetzungskraft verfügte und einen guten Ruf hatte, allerdings kann man davon ausgehen, dass sie zudem noch den Ruhm der alten Weißen Frauen im Schlepptau hat.

images/stories/News/dsc_1512.jpgNotburga kam 1265 als Tochter eines Hutmacherehepaares auf die Welt und machte Karriere: Mit 18 kam sie als Magd auf die Rottenburg zu Graf Heinrich I., Hofmeister von Tirol und war in kürzester Zeit beim Grafen, der Gräfin und dem Gesinde beliebt. Sie wurde Chefköchin und Türbeschließerin der Burg. An die Armen verteilte sie, was bei Tisch übrig blieb und was sie sich selber vom Mund absparte. Nach dem Tod des Grafen übernahm Sohn Heinrich II. die Grafschaft und heiratete die „geizige Ottilie“, welche die Armen samt Notburga von Burg verwies. Notburga wurde Magd bei einem Bauern in Eben, wo sie sich für die Einhaltung der Sonntags- und Feierabendruhe einsetzte (eine ähnliche Aufgabe hatten auch Perchta und Holla, die für die Ruhezeiten in den Rauhnächten Sorge trugen!) wovon das Sichel-Wunder berichtet:

„Notburga hatte sich beim Bauern das Recht erbeten, beim ersten Glockengeläut am Abend die Arbeit niederzulegen, um zu beten. Eines Nachmittags drohte das Wetter umzuschlagen, und der Bauer befahl, dass niemand die Arbeit niederlege, bevor nicht alles Getreide eingeholt sei. Beim ersten Glockengeläut legte Notburga wie immer die Arbeit nieder. Der Bauer jedoch wollte sie nicht gehen lassen. Der Legende nach warf Notburga ihre Sichel in den Himmel, wo diese an einem Sonnenstrahl hängen blieb. Der Bauer erschrak und ließ Notburga ziehen.“

Nach dem Tod der geizigen Burgherrin kam sie auf die Burg Rottenstein zurück und übernahm dort die Buchführung, – wurde also eine Art „Geschäftsführerin“ der Burg, wo sie  bis an ihr Lebensende blieb. Heinrich II. und seine zweite Frau erlaubten ihr wieder das Versorgen und Pflegen der Armen und Kranken auf der Burg.

images/stories/News/dsc_1529.jpgVor ihrem Tod äußerte Notburga den Wunsch, dass man ihren Leichnam auf einen Karren mit zwei Ochsen legen solle und dort begraben solle, wo der Karren stehen blieb. Der Legende nach sollen die Ochsen den Karren von der Rottenburg durch den Inn hindurch hinauf bis nach Eben am Achensee gezogen haben (Ich erinnere: Frau Hertha fuhr durch den Achensee, der ebenso von Ochsen gezogen wurde). An der Stelle, an der die Ochsen angeblich stehen geblieben sind, steht heute die Kirche von Eben, die rasch zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort wurde. Am 22. August 1718 wurde Notburga exhumiert. Ihr Skelett ist bis heute als Ganzkörperreliquie stehend in der Retabel des Hochaltars der Kirche zu sehen: Sie trägt mittlerweile ein weißes Brokatkleid und als Attribute  trägt sie einen Schlüsselbund (Geschäftsführerin und Burgbeschließerin), drei Kornähren oder eine Ährengarbe, Brot, ein Wasserkrug und eine Sichel.

Attribute von christlichen Heiligen oder vorchristlichen Göttern, stehen nicht nur symbolisch für Ereignisse in deren Leben, sondern sind auch universelle Sinnbilder für unsere „Lebensthemen“ und wurden nicht zufällig gewählt. Sie haben die Aufgabe, wichtige Inhalte zu vermitteln:

Die Sichel galt in der vorchristlichen Zeit in vielen Kulturen als Symbol des Mondzyklus und des Zyklus der Frau, sie stand für Fruchtbarkeit und Ernte, für Entstehen und Vergehen. Die Sichel war Werkzeug der Frauen, nicht der Männer. Sicheln wurden Toten mit ins Grab gegebene, um bei der Ablösung vom Leben zu helfen, um es „abzuschneiden“. Auch Kornähren haben eine universale Bedeutung. Sie stehen für das Mysterium von Entstehen und Vergehen: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Johannesevangelium 12,24). In der griechischen Antike wurde Demeter als Göttin der Fruchtbarkeit und Ernte verehrt, auch sie hatte die Kornähre als eines ihrer Attribute und auch sie hatte einen engen Bezug zum Hades, der Unterwelt: Sie trauerte um ihre Tochter Persephone, die in den Hades entführt wurde so sehr, dass alles, was auf der Erde wuchs, sterben musste. (Nicht zufällig wird an wichtigen Demeter-Kultstätten in Griechenland heute der Hl. Dimitrios verehrt)

Der Leichnam der Notburga wurde in der Barockzeit auf vielen Hausaltären abgebildet und diente als „Memento Mori“, so hatte Notburga als Bauersmagd nicht nur etwas mit dem Säen und Ernten und als Burgmanagerin mit dem Nähren der Hungrigen zu tun, sondern behielt als „Skelett mit Sichel“ auch die Funktion der Schnitterin, der Tödin. Das Brot, das Notburga in ihrer Schürze vor dem Bauch trägt und der Wasserkrug, stehen für die Speisung der Armen, andererseits sind diese Attribute auch alte Symbole für Fruchtbarkeit und Leben.

Mit Notburga war eine im Volk beliebte Rattenbergerin gefunden, die dem Christentum dabei half, die Weißen Frauen in die Welt der Sagen zu verbannen; insgeheim trägt die Heilige aber die germanische Symbolik der Weißen Frauen weiter.

images/stories/News/dsc_1535.jpgDer 6. Jänner ist also der Tag, an dem das Licht die Dunkelheit besiegt. Am 6. Jänner 2011 fuhren wir bei Sonnenschein und einem Hauch Frühlingswärme Richtung Eben am Achensee, wo uns der Perchten-Wind ordentlich das Hirn durchblies. Ein superschöner Tag für so einen Ausflug! (Schade, dass doch einige von uns krank oder eingegipst waren und nicht mitkonnten!) Vor der Kirche von Eben wartete schon Sr. Konstanzia Auer auf uns. Sie ist Gründerin der Notburga-Gemeinschaft und Barmherzige Schwester in Eben und hat sich angeboten uns die Kirche und vor allem auch die Hl. Notburga zu zeigen. Wir hatten eine anregende Diskussion mit einer emanzipierten Ordensfrau und es war sehr interessant die Geschichte der historischen Notburga und die Legenden, die sich um sie ranken, aus ihrem Mund zu hören. Anders als im Freien war es in der Kirche allerdings furchtbar kalt, daran konnte auch der Tee, den Patrizia mitgebracht hatte, nichts ändern. Deshalb lud uns Sr. Konstanzia in die schöne und warme Klosterkapelle ein, wo wir unser Gedenkritual für unsere verstorbenen Kinder gestalten konnten. An dieser Stelle noch einmal unser herzlicher Dank dafür! Weils dort so angenehm war, konnten wir uns die Zeit geben, die wir dafür gebraucht haben!

Anschließend fuhren wir noch direkt zum Achensee und schickten bunte Papierschiffchen über den See mit Wünschen und Gedanken, welche die Frau Hertha vom Achensee unseren Kindern überbringen sollte. Und dann fielen wir in ein Gasthaus ein, weil so ein symbolträchtiger Tag macht hungrig und durstig.

Link zur Notburga-Gemeinschaft in Eben:

http://www.dibk.at/index.php?id=45&portal=9

Quelle und Buchtipp, sehr empfehlenswert:

Erni Kutter: Schwester Tod. Weibliche Trauerkultur, Abschiedsrituale, Gedenkbräuche und Erinnerungsfeste

http://www.amazon.de/Schwester-Tod-Abschiedsrituale-Gedenkbr%C3%A4uche-Erinnerungsfeste/dp/3466368774/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1293989338&sr=8-1

Und außerdem:

http://de.wikipedia.org/wiki/Notburga_von_Rattenberg


Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


mehr Termine