Rituale haben eine wichtige Funktion in unserem Leben. Sie markieren Höhepunkte und Zeiten der Veränderung, gleichzeitig helfen sie dabei, diese Veränderung im Leben bewusst wahrzunehmen und auch anzunehmen.
Besonders im Trauerfall ist ihre Wirkung heilsam: Sie unterstützen das heilsame Aufbrechen von Trauergefühlen und kanalisieren diese starken Gefühle gleichzeitig. Dadurch wird die Überwältigung in einem bewältigbaren Ausmaß gehalten, Emotionen können kontrollierter abfließen, was Angehörigen, die häufig unter dem Eindruck von Kontrollverlust leiden, Sicherheit vermittelt.
Durch die bewusste Verlangsamung reduzieren Rituale die typischen nach einem Todesfall auftauchenden Belastungsreaktionen wie Schreckhaftigkeit, Nervosität und Schlafstörungen. Rituale stärken außerdem den Zusammenhalt der Angehörigen und vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit.
Das „Netzwerk Rituale Österreich“ wurde von Johanna Neußl und Martina Steiner gegründet: Aufgabe des Netzwerks ist es, die Kultur von Ritualen zu pflegen und Rituale für Feste und Wendepunkte im Leben zeitgemäß und den Bedürfnissen der jeweiligen Menschen entsprechend zu entwickeln. Dabei werden sowohl auf tradierte Rituale der unterschiedlichsten Kulturen zurückgegriffen als auch neue Rituale erarbeitet.
Weltweit haben Übergangsrituale, zu denen auch Trauerrituale zählen, 3 Themen:
- Der Rückblick auf die Vergangenheit, die Verabschiedung von diesem Abschnitt und der Dank dafür.
- Der Blick auf die gegenwärtige Situation, die Bewusstwerdung der Veränderung und die Verwandlung.
- Das Vorausschauen in die Zukunft, die Neuorientierung und die positive Anbindung an das Neue.
Richtig ist, was hilft: Wenn ein Ritual für eine Trauerfeier entwickelt wird, dann beinhaltet ein hilfreiches Ritual diese 3 Themen und es werden Symbole und symbolische Handlungen gefunden oder entwickelt, die zum Leben des Verstorbenen und der Angehörigen passen und ihren Bedürfnissen gerecht werden.
Das dreitägige Treffen 2011 des Netzwerks Rituale Österreich widmete sich dem Themenbereich „Tod, Abschied und Beerdigung“. Einen ganzen Tag verbrachten wir im TrauerHilfe Krematorium Kramsach, entwickelten zu Beispielen aus der Praxis Abschiedsrituale und übten diese vor Ort im Abschiednahmebereich des Krematoriums. Die TeilnehmerInnen konnten ihre eigene Berührungsangst vor dem Thema Tod, Abschied und Bestattung deutlich reduzieren, kehrten in ihre jeweiligen Bundesländer zurück und nahmen einen Schatz an Wissen, neuen Ideen und Anregungen mit.
Link: www.ritualnetz.at






