Abzocker oder Helden des Alltags
Fast ganz Europa ehrte Anfang November seine Toten. Medial genoss Allerseelen höchste Aufmerksamkeit. Doch wie so oft blieb es nicht bei positiver Berichterstattung und in das Fadenkreuz der Journalisten gerieten einmal mehr die Bestatter.
Da war die Rede vom Geschäft mit dem Tod. Millionen würden umgesetzt und selbstverständlich sei die Branche ohnehin finanziell abgesichert.
Es stimmt, der Tod ist sicher und damit scheint auch die kommerzielle Seite kein Thema zu sein. Doch diese vermeintliche Einkommenssicherheit wird einem Bestatter keineswegs geschenkt und trifft, wie unsere Geschichte noch aufzeigen wird, gar nicht zu.
Bestatter-Millionäre, die sich an den Plätzen der Schönen und Reichen aufhalten, gibt es in Österreich mit Sicherheit nicht. Bestatter ist nämlich einer der härtesten Berufe der Welt. Neben körperlichen Anstrengungen wie der Tatsache, dass der Tod keinen Feierabend und kein Wochenende kennt, kommen immense psychische Belastungen hinzu, die sich auf das gesamte Leben eines Bestatters auswirken. Schließlich gehen schwere Verkehrsunfälle, verstorbene Kinder und die damit verbundenen familiären Tragödien an Bestattern, wie auch an anderen Einsatzkräften keineswegs spurlos vorbei.
„Es wird immer wieder vergessen, dass hinter jedem Bestattungsunternehmen Menschen mit Gefühlen und Emotionen stecken. Die meisten Bestatter sind mit dem Beruf aufgewachsen, was zwar eine gute Voraussetzung ist, mit diesen Erlebnissen besser fertig zu werden, aber dennoch bleiben tiefe Narben zurück.“, so Dr. Markus Ploner.
Um den Alltag eines Bestatters unseren geschätzten Lesern anschaulich zu machen, beschreibt ASPETOS einen Tagesablauf von Josef S., seit 17 Jahren selbständiger Bestattungsunternehmer.
„Es ist 10 Uhr am Morgen. Ich bin noch etwas angeschlagen. Die letzte Nacht hatte es wieder in sich. Ich versuche die Ereignisse abzuschütteln, putze mir die Zähne und begebe mich in mein kleines Empfangsbüro. Es ist noch ruhig und ich beeile mich, mir eine Tasse Kaffee zu bereiten.
Es wird ja nicht regelmäßig gestorben. Manchmal sitze ich 14 Tage in meinem Büro und habe schon fast Angst, wie ich am Ende des Monats meinen Mitarbeiter bezahlen soll. Zu anderen Zeiten sollte ich wieder 12 Hände gleichzeitig haben und gestern war so ein Tag. In diesem ruhigen Moment muss ich mich daran erinnern, wie wahrscheinlich so oft an so viele Nächte der Vergangenheit.
Der erste Anruf in der vergangenen Nacht erreichte mich um 23.30. Es war Frau K., deren Mann zuhause verstorben ist. Es war schwer, Frau K. am Telefon klar zu machen, dass ich ihren Mann erst abholen kann, wenn der Beschauarzt da war, und dass ich ihn davor nicht wegbringen kann. Wie so oft, ist der Beschauarzt erst in der Früh gekommen und ich habe Herrn K. dann abgeholt. Um 9.00 sollte ich Frau S. in die Gerichtsmedizin zur Obduktion bringen, was fast etwas knapp war - Frau K. konnte ihren Mann schwer loslassen und es dauerte eine Stunde, bis wir ihn aus dem Haus tragen konnten.
Dazwischen hat um 4.45 das Telefon geklingelt. Es war die Verkehrspolizei Ost, die mich zu einer Unfallstelle gerufen hat. Bei solchen Anrufen beschleicht mich immer ein ungutes Gefühl. Tja, irgendwie wird man mit den Jahren nicht härter, sondern eher dünnhäutiger. Am Anfang meiner Berufslaufbahn war ein Polizei-Einsatz vielleicht noch etwas Spannendes, heute könnte ich gerne darauf verzichten, und bin froh über jede Nacht, in der ich durchschlafen kann, ohne dass schwere Unfälle, Suizide oder plötzliche Kindstode meinen Einsatz erforderlich machen.
Drei Jugendliche sind gegen einen Baum geknallt - klar, zu schnell und wahrscheinlich alkoholisiert. Während einer davon in die Klinik transportiert wird, lade ich die anderen beiden Opfer in mein Auto. Die Angst, jemanden persönlich zu kennen, fährt dabei immer mit. Allerdings lässt der Zustand der Opfer im Augenblick der Bergung nicht zu, dass ich mir sicher sein könnte, sie nicht zu kennen - die Namen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Als ich um kurz vor 09:30 die automatische Tür der Gerichtsmedizin beim Zugehen beobachte, weiß ich, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Eine kurze Dusche, ins Büro und dann den Tag vorbereiten. Mein Mitarbeiter war schon letzte Woche stark erkältet. Hoffentlich fällt er heute nicht aus. Zwei große Beerdigungen stehen am Nachmittag auf dem Programm, fast zeitgleich auf zwei Friedhöfen, die 12 KM auseinander liegen.
Na, ja, irgendwie wird es schon gehen - es ist noch immer gegangen... Gefreut habe ich mich, als mir die Eltern des kleinen Marcel eine Flasche Wein vorbei gebracht haben und sich für meine Mühe beim Abschied bedankt haben.
Schön, für jemanden etwas zu tun, wenn er in Trauer ist und trotzdem, in solchen Momenten quält auch mich die Frage, warum ein Kind so früh gehen musste. Jetzt muss ich die Gedanken und die Bilder an Marcel, wie er aufgebahrt in seinem Bettchen liegt, verdrängen, denn morgen soll ich für eine Krankenpfleger Klasse einen Vortrag über meinen Beruf vorbereiten. Ich mache mich also an die Arbeit.“
Ein realer Arbeitsaltag. Solche Ereignisse sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber sie kommen mehrmals im Jahr vor. Viele Menschen würde bereits eine solche Nacht komplett aus der Bahn werfen. Natürlich verdienen Bestatter Geld. Und ja, es ist richtig, dass es sich um einen sicheren Markt handelt. Allerdings wird ignoriert, dass es für einzelne Bestatter keineswegs Sicherheit gibt. Seit vier Jahren gibt es keinen Berufsschutz mehr. Es handelt sich um ein gebundenes Gewerbe, welches jeder ausüben kann, der über eine Bestatter Ausbildung und entsprechende Praxis verfügt – mehrere Konkurse die letzten Jahre in einer kleinen Branche sprechen eine deutliche Sprache.
Doch gerade in diesem Gewerbe verheißt der ansteigende Konkurrenzdruck nichts Gutes. Es handelt sich nämlich um einen weitgehend gleichbleibenden Markt. Seit Jahren ist die Sterblichkeitsrate in Österreich unverändert. Die kaufmännische Rechnung ist also einfach. Je mehr Bestattungsunternehmen, umso weniger Bestattungsfälle für Einzelne. In Zukunft wird das auch zu Preisdruck führen. Die Konsequenz daraus wäre Qualitätsverlust.
Wie sich dieser wachsende Konkurrenzdruck auswirkt, kann man bei unseren Nachbarn in Deutschland beobachten. Diskounter und Unternehmen, die mit fragwürdigen Slogans und tatsächlich pietätlosen Angeboten versuchen auf sich aufmerksam zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele über keinerlei Ausbildung verfügen.
Hohe Kammerumlagen und der Umstand, dass zwei Drittel der Beerdigungskosten nicht beim Bestatter verbleiben und für Grab, Grabgestaltung und Gebühren abfließen, findet in der medialen Berichterstattung keine Beachtung. Auch nicht die Tatsache, dass man in Österreich Möglichkeiten hat, eine Bestattung durchaus finanziell verträglich durchzuführen. Da in Österreich die Bestattung vorgeschrieben ist und diese nur durch einen Bestatter vorzunehmen ist, kommt man an der Kremation nicht vorbei. Allerdings kann man aus der Asche einen oder mehrere Diamanten pressen lassen, um ein Andenken, auch ohne Grab zu bewahren. Die Kosten beim Bestattungsunternehmen sind in diesem Fall marginal.
Diese Möglichkeiten oder die so genannten „No Name“ Gräber werden allerdings nur selten genutzt und wenn, dann meist von Menschen in finanzieller Ausnahmesituation.
Die bessere Möglichkeit ist die Verfügung der eigenen Bestattung und der maximal anfallenden Kosten. Dies ist am besten über eine Sterbeversicherung zu erreichen, da man beim Versicherer die exakten Wünsche deponieren kann und sich dieser dann auch um die Umsetzung kümmert. Was eine solche Versicherung kostet, hängt vom Einstiegsalter ab. Auf ASPETOS können die Kosten unter nachstehendem Link online ermittelt werden.
In jedem Fall wäre es von Vorteil, in Österreich die Gepflogenheit zu ändern, mit halben Fakten an Dinge und vor allem an gesellschaftliche Themen heranzugehen und ganze Geschäftszweige oder Randgruppen in ein schiefes Licht zu rücken. Es würde uns gut stehen, zuerst alle Fakten abzuklären um dann einen offenen Diskurs anzustrengen. Und das trifft keineswegs nur auf die Bestattungsbranche zu.




