Sterben muss nicht immer sterbenslangweilig abgehandelt werden. Das Portal www.aspetos.at führt vor, wie man sich dem Tod informativ, berührend und doch unterhaltsam nähern kann.
Es ist keine umwerfend neue Erkenntnis, dass wir uns bemühen, den Tod zu verdrängen. Auch nicht, dass er sich nicht verdrängen lässt – je älter man wird, desto weniger: Nicht nur der Umstand, dass man mit Fortdauer der Jahre immer häufiger zu Begräbnissen muss, macht einem die Hinfälligkeit des eigenen Lebens bewusst – und das, wenn unvorbereitet, ziemlich schockhaft.
Das Problem war bislang, dass Versuche, sich in publizistischer Form mit dem Tod auseinanderzusetzen – etwa in Form von Ratgebern oder in triefenden Geschichten zu Allerheiligen – buchstäblich sterbenslangweilig waren. Das zu ändern hat sich das Portal www.aspetos.at auf die Fahnen geschrieben. Und der wachsende Zuspruch – derzeit hält man bei über 3000 Zugriffen täglich – zeigt, dass die User das Angebot goutieren.
Seit Juni ist das Portal online. Für Programmierung, Layout und Design zeichnet die Wiener Agentur 11media verantwortlich. Entscheidende Starthilfe hat der Wiener Verein geleistet. Die aktuellen Sponsoren – mehr als 40 – kommen ebenfalls aus der Bestattungsbranche, wobei den größten Teil die Bestattung Wien trägt. Noch sind auf Aspetos als Werber die Sponsoren unter sich. Für die Zukunft ist aber durchaus geplant, thematisch passende Berufsgruppen – etwa Steinmetze, Floristen oder Kunstschmiede – zur Schaltung von Anzeigen zu bewegen. Das dreiköpfige Redaktionsteam wird von der Innsbrucker Psychologogin, Bestatterin, Trauerbegleiterin und Thanatologin Christine Pernlochner-Kügler geleitet. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Trauerhilfe, um mithilfe von akademisch ausgebildeten Psychologen Menschen im Verlustschmerz beizustehen. Durch den Zuspruch der User ist das Portal aber auch zur echten Hilfe-zur-Selbsthilfe-Plattform geworden: Im stark genutzten Forum herrscht reger Austausch der Trauernden untereinander. Diese Entwicklung schreibt Pernlochner-Kügler in erheblichem Ausmaß auch dem Medium Internet zu: „Nehmen wir den Suizid eines Kindes. Da jemanden privat zu finden, um darüber reden zu können, ist nahezu unmöglich. Im Netz, unter dem Schutz der Anonymität, ist es sehr wohl möglich.“
Weiters bietet Aspetos die Möglichkeit, kostenlos Traueranzeigen aufzugeben (wofür, wie auch beim Trauerforum, eine kostenlose Anmeldung notwendig ist), ein Verzeichnis der österreichischen Friedhöfe mit Skizze des jeweiligen lokalen Anfahrtswegs und (be)rät zur Vorsorge.
In vielfältiger und tatsächlich auch unterhaltsamer Form nimmt sich ein Magazinteil des Themas Tod an. Bestattungsrituale und -formen werden vor- und zur Diskussion gestellt (etwa Öko-Bestattung); Gesundheitsthemen erörtert, philosophische Fragen aufgeworfen. Berichte über eine Kaninchen-Plage am Friedhof in Halle an der Saale, der die Stadt mit Jagdmaßnahmen (außerhalb der Öffnungszeiten) Herr zu werden versucht, einen (schon vor der Europa-League-Schlappe gegen Rapid eröffneten) Friedhof ausschließlich für Anhänger des Hamburger Fussball-Vereins HSV und Schlagzeilen wie „Altern ist geil!“ oder „Was ist falsch am Hirschgeweih auf dem Sarg des Jägers?“ zeigen, dass man sich dem Tod nicht immer todernst nähert. Da stellt sich die Frage, ob nicht schon mancher User Humor in diesem Kontext deplatziert fand. „Wir hatten bislang nicht eine einzige negative Kritik“, dementiert Chefredakteurin Pernlochner-Kügler. „Es ist einfach mein Stil, mich bestimmten Themen mit Humor zu nähern. Und es ist so, dass üblicherweise gerade Berufsgruppen, die viel mit toten Körper konfrontiert werden, und dazu gehören neben Pflegern oder Bestattern u. a. auch die Jäger, viel Humor haben.“




