Wie kürzlich im Artikel „Erde weicht dem Feuer: Wandel in der Bestattungskultur“ berichtet, ergab eine österreichische Online-Befragung, dass 68 Prozent der Befragten für sich eine Feuerbestattung einer Erdbestattung vorziehen und nur mehr 20 Prozent zu einer Urnenbeisetzung am Friedhof tendieren. 32 Prozent wünschen sich alternative Bestattungsmöglichkeiten, wie die Beisetzung unter einem Baum, das Verstreuen der Asche in der Natur oder eine Seebestattung. 11 Prozent möchten die Urne mit nach Hause nehmen.
Interessant ist die jüngste Entwicklung in Vorarlberg: War das saubere Ländle immer schon Spitzenreiter bei der Kremationsrate in Österreich, so hat die Anzahl der Feuerbestattungen in Vorarlberg im Vorjahr mit mehr als 75 Prozent den historischen Höchststand erreicht.
Ganz anders als die österreichische Vorhersage durch die Ergebnisse der Online-Befragung liegen derzeit allerdings die Vorarlberger, was alternative Beisetzungen angeht:
Das neue Vorarlberger Bestattungsgesetz, welches seit Juni 2009 in Kraft ist, erlaubt nun, Leichenasche mit nach Hause zu nehmen. Dafür muss eine handschriftliche Verfügung des Verstorbenen vorliegen, in der angeführt wird, wer die Urne mit seiner Asche erhalten soll. Ein kleiner Teil der Asche muss allerdings auf einem Friedhof beigesetzt werden, dass weiterhin alle Trauernden einen Beisetzungsort des Verstorbenen besuchen können. Laut Claus Kergel, dem Geschäftsführer des Krematoriums Hohenems, wurde diese Beisetzungsart erst zweimal gewählt. Häufiger wird die Urne ganz traditionell am Friedhof beigesetzt und Angehörige nehmen lediglich ein wenig Asche mit nach Hause: Die Asche kann in kleine Erinnerungsurnen oder Amulette zum Tragen als Schmuckstück abgefüllt werden.
In der Schweiz und in Deutschland gibt es sie schon lange, die Möglichkeit der Baumbestattung. Die Idee wurde 1993 vom Schweizer Ingenieur Ueli Sauter entwickelt und kommerzialisiert. Die Bezeichnung für sein Konzept „Friedwald“ ist als Marke eingetragen.
In Österreich entwickelt sich das Projekt „Baumbestattung“ eher zögerlich: Die Landeshauptstadt Salzburg war die erste Gemeinde, welche seit 2009 die naturnahe Bestattung anbietet. Der Friedhofszwang wird durch die Möglichkeit zur Naturbestattung jedoch nicht aufgehoben. Baumbestattungen sind außerdem in Graz auf dem „Platz der Ruhe“ am Friedhof der Altkatholischen Kirchengemeinde möglich. Die Asche wird in einer biologisch abbaubaren Urne rund um die Wurzeln einer Jahrhundert-Buche beigesetzt. Möglich ist auch die Pflanzung eines eigenen Familienbaumes: Birkenwäldchen, Buchenhain, Eichenwald oder Ginkgobaum stehen zur Auswahl. In Wien Mauerbach befindet sich der "Wald der Ewigkeit", er ist privates Eigentum der Naturbestattung GmbH.
In Kärnten ist ein Friedensforst in Planung, er soll im Laufe des nächsten Jahres in einem Waldstück in Klagenfurt eröffnet werden. Ein interessantes "Stadtgespräch" mit Friedhofsreferenten Wolfgang Germ und Andreas Waldher (GF der Bestattung Kärnten) über dieses Projekt können Sie unter folgendem Link sehen:
http://www.kt1.at/stadtgespraech/video/die-letzte-ruhestaette/
In Vorarlberg bemühte sich Claus Kergel um die Baumbestattung im "Wald des Friedens" in Feldkirch-Nofels. Nach Anrainer-Protesten, ist man nun auf der Suche nach einem anderen Standort. Die Suche ist noch nicht abgeschlossen und man hoffe schlussendlich doch noch auf eine Einigung mit den Anrainern in Feldkirch, so Kergel.
Quelle:
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