In Österreich gibt es wenige muslimische Friedhöfe, das wird sich im Laufe der Zeit ändern müssen, denn viele Muslime sind hier aufgewachsen und haben als voll integrierte österreichische Staatsbürger auch das Bedürfnis in ihrem Heimatland - also Österreich - ihre letzte Ruhestätte zu finden.
Vorarlberg bekommt jetzt seinen ersten muslimischen Friedhof: In Altach sind auf 8.400 Quadratmetern rund 700 Gräber geplant. Der Spatenstich erfolgte bereits im Juli 2010, Baubeginn war im März 2011.Der Bauplatz musste wegen des ungünstigen Torfbodens zunächst mehrere Monate mit einer Erdaufschüttung belastet werden. Nach einer entsprechenden Setzzeit konnte die erste Phase der Bauarbeiten beginnen. Im Herbst 2011 soll der Friedhof in Betrieb gehen.
Architekt Bernardo Bader hat den Friedhof offen und übersichtlich konzipiert: Geplant sind von niedrigen Mauern begrenzte Gräberfelder, ein Parkplatz und Räumlichkeiten für rituelle Waschungen, Andacht und Verabschiedung.
Das Grundstück ist Eigentum des Vorarlberger Gemeindeverbandes. Die Projektleitung teilen sich die Gemeinde Altach und der Verein „Islamischer Friedhof“. Die Gemeinde wird die Anlage auch im Sinne des Bestattungsgesetzes betreiben, wobei sich laut Bürgermeister Brändle die Islamischen Gemeinschaften in rituellen Belangen einbringen werden. Von muslimischer Seite muss man einige Kompromisse eingehen, um den österreichischen Gesetzen gerecht zu werden. So werden die Vorarlberger Muslime auf diesem Friedhof nicht wie vom Islam her vorgeschrieben ewige Ruhe finden, sondern vorläufig für 15 Jahre - mit Verlängerungsoption. Zudem werden die Toten in Särgen und nicht wie in den islamischen Heimatländern in Leichentüchern bestattet. Ein islamisches Rechtsgutachten aus dem Jahr 1985 erlaubt gläubigen Muslimen allerdings inzwischen auch die Bestattung in einfachen Särgen. Zentral ist nur die Ausrichtung der Gräber und des Verstorbenen nach Mekka, und dass die Bestattungen nebeneinander und nicht übereinander erfolgen. Kremierungen sind für Muslime aus religiösen Gründen nicht möglich.
Attila Dincer, Sprecher des Islamischen Trägervereins rechnete damit, dass rund 80 Prozent der in Vorarlberg lebenden 33.000 Muslime durch den Friedhof angesprochen werden. Der Friedhof hat eine große Bedeutung für die Vorarlberger Muslime, denn Verstorbene können ab jetzt in der Nähe ihrer Familie bleiben, freut sich Dicer. Muslime können in Vorarlberg leben und finden auch im Tod eine Heimat.
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