Drucken

Mit den Verstorbenen via QR-Code interagieren - über den Tod hinaus

Geschrieben von Jörg Bauer am . Veröffentlicht in Friedhof/Krematorium

Internetgrabsteine mit QR-Code ohne Sicherheitslücken

QR-Code ASPETOS.atDie QR-Codes sind los. In Deutschland haben einige Bildhauer einen regelrechten Boom ausgelöst. In den Medien fanden sich in den letzten Wochen immer wieder Berichte über Steinmetze, die Grabmale mit QR-Code-Gravuren anbieten und die Homepage gleich dazu. Angebote jenseits der 500 Euro-Grenze und laufende Gebühren sollen hier wohl die Kassen füllen. Vertreter der Kirche und Datenschützer schlagen durchaus berechtigt wegen Missbrauchs auf den Friedhöfen Alarm. ASPETOS, dass soziale Trauernetzwerk http://www.aspetos.at spricht sich trotzdem für mehr Zeitgeist aus und will Maßstäbe setzen.

Wer kennt sie noch nicht? Die kleinen weißen Fenster mit schwarzen Punkten, die auf den ersten Blick beliebig erscheinen. In Wirklichkeit geben diese Anordnungen kodierte Daten binär wieder. Man kann also diverse Informationen wie zum Beispiel einen Link hinterlegen und diesen mittels Smartphone auflösen. Und genau hier setzen auch die Kritiker an. Verwechslungen oder mutwillige Weiterleitungen auf pietätlose Angebote im Web werden befürchtet.

"Die Sorgen sind durchaus berechtigt", meint Jörg Bauer vom sozialen Trauerportal ASPETOS. "Einerseits besteht die Gefahr, dass, sollten die QR-Codes nur am Grab abgelegt werden, diese mit anderen vertauscht werden, oder aber, dass unpassende Inhalte hinterlegt werden könnten. Um dem vorzubeugen müssen die Codes und die Inhalte sicher verwahrt werden, um sicher zu stellen, dass nur Berechtigte Zugang erhalten."

Kritik kommt auch vom Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. Dort befürchtet man die Störung der BesucherInnen durch lärmende Inhalte. "Auch hier sind die richtigen Lösungen entscheidend. Wir schlagen hier einheitliche Richtlinien für Betreiber vor. Diese sollten die Themen Datenschutz, Inhaltsvorgabe und Sicherheit bei der Übertragung von Daten beinhalten."

ASPETOS hat sich nun - bestärkt von den vielen Diskussionen - entschlossen, schon in diesem Jahr für sämtliche Trauerprofile kostenfrei QR-Codes zur Verfügung zu stellen. Die auf ASPETOS hinterlegten Bilder, der Nachruf oder die Grabrede können dann direkt am Grab abgerufen werden. Die Zeiten, in denen man am Friedhof nur den Namen und das Sterbedatum erfuhr, gehören dann der Vergangenheit an.

Bei diesem Vorhaben wenden die Betreiber höchste Sicherheitsmerkmale an. So können Trauerprofile nur von Angehörigen verwaltet werden. Dabei ist der interne Bereich 256 Bit verschlüsselt. Außerdem sind die von den Angehörigen hinterlegten Inhalte komplett gesperrt und nur von diesen einsehbar. Angehörige können diese Inhalte für einzelne Personen freischalten oder bei Bedarf auch veröffentlichen. Komplexe Einstellungen wird es nicht geben.

Zusätzlich wird dann im Herbst dieses Jahres eine eigene App zur Verfügung gestellt, mit der man die Codes scannen kann und die Inhalte empfängt. Natürlich nur, wenn man dazu berechtigt ist. Ansonsten führt der Link lediglich auf die Traueranzeige der Verstorbenen.

"Wir bieten dieses System als Alternative zu einer eigenen Homepage. Diese ist nicht nur sehr aufwendig zu bearbeiten, sondern auch sehr unsicher und teuer. Außerdem würden im Laufe der Jahre unkontrolliert viele nicht betreute Webseiten im Netz stehen. Die Wahrscheinlichkeit für gehackte Seiten steigt exponentiell an und das Ergebnis will ich mir gar nicht ausmalen.", so Bauer abschließend.

Im Spätherbst 2012 ist der Launch in Deutschland geplant.

Trauerprofile auf ASPETOS
ASPETOS bietet für Trauernde einen Ort der Erinnerung. Es geht aber keineswegs um einen virtuellen Friedhof, sondern um einen sinnvollen Dienst, der einen Teil der Trauerarbeit und vor allem den Kontakt zu anderen Betroffenen ermöglichen soll.

Seit drei Jahren wird das Angebot in Österreich gerne angenommen. Allein im letzten Jahr besuchten mehr als 2 Millionen ÖsterreicherInnen den virtuellen Ort der Trauer. Monatlich werden über 1.000 Kondolenzen abgegeben und mehr als 35.000 Kerzen entzündet.

Eines der Alleinstellungsmerkmale des Portals ist die Trauerpädagogische und Trauerpsychologische Begleitung im angeschlossenen Forum. Dort treffen sich tausende Betroffene um sich auszutauschen oder einfach nur mitzulesen. Geleitet wird das Forum von Dr. Christine Pernlochner, die in den letzten Jahren in Österreich, im Bereich der Trauerhilfe zunehmend an Popularität gewann.

Powered by Aspetos