Winterdepression: Ein Schlachtplan gegen Melancholie und inneren Schweinehund

duerer-melancholia-624.jpgGlühwein, Punsch, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, fettige Krapfen mit Sauerkraut oder Preiselbeeren … wer all dem etwas abgewinnen kann, der hat wahre Lichtblicke in einer Zeit, in der die Tage immer kürzer und dunkler werden. Für viele ist der Advent eine Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Familie … und die Schi- und Snow-Board-Saison. Ja, es soll sie geben, die Winter-Typen, denen Kälte, Eis und Schnee nichts ausmachen, ja sogar lieber sind als Sonne, Sand und Wasser.

Aber ich gehör ganz sicherlich nicht dazu, ganz im Gegenteil. Seit ich mich erinnern kann, hasse ich Schneematsch und Schifahren und ich habe das Pech, dass ich weder Glühwein noch in Fett herausgebackene Germteigwaren mag. Wenn ich nur an den Christkindlmarkt denke, stellen sich Gänsehaut und Übelkeit ein. Ich kann der Menschenmenge und der Vermischung von Bosna- und Zuckerwatte-Mief einfach nichts abgewinnen. Ich weiß nicht, ob es an der Winterdepression liegt, dass sich all diese typischen weihnachtlichen Dinge so dermaßen negativ für mich einfärben, aber all der Deko-Kitsch und die Weihnachtsbeleuchtungen wirken auf mich schmuddlig und irgendwie falsch. Blöd für mich und ich meide also alles, was glitzert und glänzt, wie der Teufel das Weihwasser.

Fakt ist, je dünkler es wird, desto müder und griesgrämiger werde ich. Ich hocke am Fenster oder Soafa und kann mich zu gar nichts aufraffen, alles nervt – vor allem das Familiäre, das Weihnachtliche, das Zusammengehocke vor dem Ofen, das Harmoniesüchtlerische. Ich bin ein richtiger Giftzwerg.

Noch vor 200 oder 300 Jahren hätten mir die Ärzte den Lehren von Hippokrates und Galen folgend eine „Melancholia“ diagnostiziert, die sie auf ein Übermaß an schwarzer Galle zurückgeführt hätten und als Therapie hätten sie mir zum Beispiel Brunnenkresse verodnet: Die schwarze Galle trocknet aus - also muss man was Nasses essen.

Hippokrates (ca. 460 v. Chr.) und Galen (2. Jh. n.Chr.) lehrten, dass 4 Körpersäfte für unser Temperament ursächlich sind und dass die Zusammensetzung der 4 Säfte jahreszeitlich und entwicklungspsychologisch schwankt: Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim bestimmen Körper und Psyche.

  • Der Schleim enpricht dem Element des Wassers, ist am kältesten und er überwiegt im Winter. Der Winter ist die Zeit des Phlegmatikers und entwicklungspsychologisch des neugeborenen und des alten Menschen.
  • Das Blut nimmt als Luft-Elemet infolge des Regens und der wärmeren Tage im Frühling zu, der Sanguiniker und das Kind verfügen über ein Übermaß an Blut.
  • Im Sommer steigt beim Choleriker und beim jungen Erwachsenen die gelbe Galle als Feuerelement im Körper an.
  • Der Herbst ist die Zeit des Melancholikers, hier gewinnt die schwarze Galle (das Erdelement) die Oberhand, entwicklungspsychologisch trifft das auf die Mitte des Lebens zu.

Passt also alles wunderbar auf mich: Mit knapp 40 in der Midlife-Crisis und im Spätherbst des Jahres bin ich kein netter Zeitgenosse: Ich spucke Gift und (schwarze) Galle.

Heute führen wir die Melancholie nicht auf ein Übermaß an schwarzer Galle zurück. Wer in der dunklen Jahreszeit über Energielosigkeit, Traurigkeit und ein übermäßiges Schlafbedürfnis klagt, der leidet an einer saisonalen Depression, zumindest aber an einem "Winter-Blues". Die verminderte Lichtintensität zusammen mit den kürzeren Tagen und den abfallenden Temperaturen gelten als Auslöser. Interessant ist auch, dass die Winterdepression in südlicheren Ländern viel seltener auftritt als bei uns und am Mittelmeer kennt man diese Krankheit fast gar nicht. In Skandinavien hingegen ist sie deutlich häufiger als in Österreich.

Ein Mangel an Tageslicht führt nicht zur Produktion von mehr Gallenflüssigkeit, sondern zu einer ungebremsten Ausschüttung von Melatonin, einem Hormon, das unter anderem für die Aufrechterhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich ist. Die Folge der übermäßigen Melatoninkonzentration im Gehirn ist, dass wir müde, schlapp und übellaunig werden.

Es ist außerdem sehr wahrscheinlich, dass der Neurotransmitter Serotonin am Mechanismus beteiligt ist, der zur Winterdepression führt. Dem Gehirn fehlt Serotonin, und es versucht den Mangel auszugleichen, was bei vielen Patienten zu einem Heißhunger auf Süßes führt (was wiederum den Erfolg der Christkindlmärkte und das zwanghafte Keksbacken erklärt). Bestimmte Antidepressiva, nämlich die Gruppe der  Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), welche die Serotoninwirkung im Gehirn steigern, können eine Winterdepression bessern.

Also ist bei mir alle Jahre wieder ein Anti-Melancholie-Programm nötig: Folgenden Plan habe ich mir gemacht: Meine Winterdepression habe ich personifiziert, sie  heißt „Tante Melancholia“. Sie ist ein ungeliebtes Familienmitglied, das sich alle Jahre wieder vor der Weihnachtszeit ankündigt und sich ungeladen in meine gute Stube hockt. Und jetzt geht es darum, dass ich es ihr in meiner Stube so ungemütlich wie möglich mache, dass sie in einem Eck bleibt und sich nicht weiter ausbreitet:

Als erstes wird Tageslichtlampe ausgemottet. Sie war zwar eine Investition, aber eine die sich ausgezahlt hat. Sie steht schon auf dem Schreibtisch und ich sitze soeben vor ihr. Jeden Tag eine halbe Stunde Minimum. Licht, das mag Tante Melancholia nämlich gar nicht!

Ganz wichtig ist die Überwindung des "inneren Schweinehundes", auch er ist ein ungeliebtes Familienmitglied von mir: Ich hab zwar nicht jeden Tag Zeit, aber mindestens 2-3mal die Woche werde ich sie mir nehmen, die Zeit für einen Spaziergang. Und wenn zufällig die Sonne scheint, ist er sowieso ein Muss, denn sobald ich draußen bin, bleiben der Schweinehund und die Kollegin Melancholia zuhause.

Frau Melancholia ist mit dem inneren Schweinehund dick befreundet. Zu zweit haben sie sich gegen mich verbündet. Melancholia meldet sich vor allem nach dem Mittagessen besonders dreist, gerade dann also, wenn es draußen am hellsten ist und unterstützt den Schweinehund: Sie will mit uns ins Bett. Im Mittelalter nannte man diese Trägheit „den Mittagsdämon“. Da gilt es einen Schlachtplan zu haben. So ein Power-Nap oder Energie-Nickerchen ist zwar ein super Kick, um dann wieder fit zu sein, aber wenn man ausgerechnet immer dann schläft, wenns draußen Taglicht hat, dann ist das natürlich im Winter gar nicht gut. Also gibt es den Powernap erst nachdem ich draußen war. Bevor ich das Haus verlasse, dreh ich mich um und zeige dem Schweinehund und der Tante *ätschibätschi* die Zunge. 3mal die Woche gibt es außerdem ein jeweils einstündiges Fitnessprogramm – halbe Stunde Ausdauer, halbe Stunde Muskeltraining bzw. Pilates.

Gut, dass ich keine fettigen Krapfen mag, das ist schon mal ein Vorteil. Dafür freue ich mich schon sehr auf die Keksberge von Schwiegermutter. Die lasse ich mir auch nicht nehmen! Was freut mich aber sonst noch? – Gutes Essen, guter Wein, aber halt eben grad so viel, dass es nicht wieder faul und depressiv macht und wenn möglich, dann regelmäßig mit Freunden, denn die sorgen automatisch dafür, dass ich auch lachen muss. Gelächter mag die Tante übrigens nicht, sie steht dann meist auf, nimmt ihre Apokalypse und den Schweinehund und geht in ein leeres Zimmer.

Und wenn das alles nicht helfen sollte, dann scheu ich sicher nicht den Gang zum Onkel Doktor und frag mal nach, ob es nicht Sinn macht, die Serotonin-Produktion medikamentös etwas anzukurbeln.

www.netdoktor.de

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Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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