„Ich hab mich frisch und munter gefühlt. Zu Bewusstsein kam ich wieder durch die Reifengeräusche am Rumpelstreifen der Autobahn.“ Beim Sekundenschlaf taucht der Schlaf plötzlich auf, man ist von einer Sekunde auf die andere weg, er kann auch auftreten, wenn man sich relativ frisch und fit fühlt. Wie sich der Sekundenschlaf anbahnt oder genau aufbaut, darüber herrscht aber noch weitgehend Unklarheit, so Prof. Dr. Gerhard Klösch, Vorstand des Instituts für Schlaf-Wachforschung an der Universitäts-Klinik für Neurologie in Wien.
Bereits am frühen Nachmittag lässt die Konzentration von Autofahrern nach. Wenn keine Pausen gemacht werden bzw. zwischendurch nicht geschlafen wird, dann wird man immer müder. Ein absolutes Leistungstief erreichen Menschen in der Regel zwischen 2 und 4 Uhr in der Früh. Die meisten Verkehrsunfälle geschehen auch zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh. Übermüdung ist auch häufig die Ursache für tödliche Unfälle, wobei es noch keine verlässlichen Zahlen gibt, denn die Dunkelziffer bei Unfällen durch Sekundenschlaf dürfte hoch sein.
Das Wiener Institut für Schlaf-Wachforschung hat im Auftrag des ÖAMTC und der ASFINAG eine Studie zum Sekundenschlaf durchgeführt. 59 Testpersonen wurden mit Elektroden bestückt, ihre Augenbewegungen und auch die Bewegungen der Autos wurden genauestens registriert. Die Studie kam zu folgenden Ergebnissen:
- Kurze Schlafpausen zahlen sich aus: Sowohl subjektiv wie auch objektiv verbessern sich Aufmerksamkeit und Konzentration.
- Morgenmenschen, welche in der Nacht fahren müssen, starten am besten ab 3 Uhr früh, Abendmenschen sind am sichersten zwischen 23 und 2 Uhr früh.
- 41% der männlichen Testpersonen gaben an, besonders gerne in der Nacht zu fahren. Bei den Frauen war der Anteil viel geringer: Nur 4% erklärten sich als begeisterte Nachtfahrerinnen.
- Die weiblichen Testpersonen empfanden die Fahrtests anstrengender als ihre männlichen Kollegen. Allerdings: Nur 4% der Frauen waren bei Autofahrten schon einmal eingenickt. Von den Männern hatten bereits 25% Sekundenschlaf-Erfahrung.
- Höchste Alarmstufe herrscht, wenn der Beifahrer bemerkt, dass der Fahrer zwischen aktiven Bewegungen und längerer Starre wechselt.
Kurz: Genügend Schlaf und kurze Nickerchen machen Sinn, auch wenn man das Gefühl hat,noch einigermaßen fit zu sein. Wenn man todmüde einen Unfall verursacht, kann man wegen fahrlässiger Körperverletzung, fahrlässiger Tötung und Gemeingefährdung verurteilt werden. Die Versicherung steigt hier meist aus. Und nicht zuletzt - man setzt sein und das Leben anderer auf das Spiel.
Quelle: Autotouring. Das ÖMTC Magazin 3/2011




