Wer früher stirbt, der bringt mehr Geld
Medizinischer Fortschritt und ein gesünderer Lebensstil erschweren es den Pensionsanbietern immer mehr, die Lebenserwartung vorauszuberechnen. Jedes zusätzliche Jahr an Lebenserwartung erhöht die zukünftigen Pensionsleistungen um bis zu vier Prozent.
Aus diesem Grund haben Pensionsfonds und Rentenversicherungsanbieter Interesse, sich gegen das Geschäftsrisiko der Langlebigkeit ihrer Kunden abzusichern. Ein neues Geschäftsfeld von Investmentbanken sind nun "Wetten auf die Lebenserwartung", auch "Second-Hand-Lebensversicherungen" genannt: Banken bieten Derivate an, die dieses Risiko in Wertpapieren verbriefen. Die Versicherungsprämie beruht darauf, dass die Kunden ein bestimmtes Alter erreichen. Leben diese länger als erwartet, muss der Gegenpart die Kosten für die Versicherung tragen, sterben die Kunden früher, so profitiert er.
Ein Beispiel: Einem Arzt aus Deutschland wurde von einem Unternehmen eine "profitable Geldanlage" für 20.000 Euro angeboten. Das Unternehmen bot ihm eine Lebensversicherung eines an Krebs erkrankten Patienten an, welcher eine geschätzte Lebenserwartung von 26 Wochen hatte. Das Geschäft: Der Krebskranke hat seine Lebensversicherungspolice gegen Bargeld an eine Firma verkauft, wodurch er etwas mehr Geld bekommt als wenn er die Lebensversicherung auflösen würde. Die Firma hat ihm das Geld ausgezahlt und spekuliert nun auf den frühzeitigen Tod des Sterbenskranken.
Die Unternehmen, welche also die Policen kaufen, bezahlen die Beitragssätze der Lebensversicherung ganz regulär weiter. Je früher der Klient stirbt, umso weniger Beiträge haben sie zu zahlen und der Profit ist natürlich dementsprechend hoch. So zumindest lautet die Theorie.
Es gibt 2 Typen von Second-Hand-Lebensversicherungen:
- Policen von Erkrankten
- Policen von Versicherten mit einem Alter von über 65 Jahren
Firmen müssen keine ganze Police ankaufen, es können auch Fondsanteile erworben werden. Das nennt sich dann "Investition in Kompass-Life-Fonds", klingt völlig unbedenklich, ist aber als Geschäft mit dem Leiden und Sterben von Menschen ethisch bedenklich. Wenn auch der Leidtragende selbst davon ein wenig profitiert, so spekulieren die Anleger ja immerhin auf seinen frühen Tod.
Probleme in der Praxis: Den Käufern wurden die Kompass-Life-Fonds bisher als Bomben-Geschäft angepriesen, der Fonds hat bisher aber noch kein einziges Mal ausgezahlt und die Investoren gingen bis dato leer aus, denn die Fondsmanager haben die Lebenserwartungen der Betroffenen falsch berechnet, weil sie sich in ihren Schätzungen auf Statistiken beriefen und diese falsch interpretiert hatten …
Mittlerweile stellt sich heraus, dass es generell Schwierigkeiten gibt, Kunden zu gewinnen, die den Gegenpart bei den Wetten auf den Tod übernehmen wollen, denn wenn die Annahmen – wie es die Praxis zeigt - falsch sind, sind auch die Kosten hoch. Mittlerweile gibt es schon eine Homepage von Investoren, die sich von Kompass-Life-Fonds betrogen fühlen:
http://www.db-kompass-anlegerschutz.de
Wenn es stimmt, dass die Nachfrage das Angebot regelt, dann wird sich dieses makabere Geschäft hoffentlich nicht lohnen und bald von selbst erledigen. Allerdings gibts ja offensichtlich genügend Klientel, das gerne wettet: Vielleicht wird es ja noch hipp, anstatt auf Pferde auf Todgeweihte zu setzen ... Hoffen wollen wir das nicht!
Quellen:




