In Österreich werden derzeit pro Jahr rund 1.300 Suizide registriert, die Dunkelziffer liegt aber höher, denn viele Suizide werden als Unfälle getarnt und nicht erkannt.
Auf Aspetos haben wir schon darüber berichtet, dass ausgerechnet im Frühling und Sommer die meisten Suizide verübt werden. In der bisher weltgrößten wissenschaftlichen Studie der MedUni Wien konnte nun eine Erklärung dafür gefunden werden: Die Suizidhäufigkeit steht im Zusammenhang mit der Anzahl der Sonnenstunden am Tag und einem niedrigen Serotoninspiegel.
In der Studie wurde die Zahl der Todesfälle durch Selbstmord nach Monaten und Methoden in den Jahren 1996 bis 2006 analysiert und mit den Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik verglichen. Die höchsten Suizidraten liegen laut Analyse zwischen März und Mai, im Juni und Juli sinkt die Anzahl leicht, einen Anstieg gibt es dann wieder im August. Die wenigsten Selbsttötungen werden zwischen November und Jänner verzeichnet.
Auffallend: Der Anstieg in den Frühlings- und Sommermonaten betrifft vor allem die aggressiven Methoden.
Der Serotoninhaushalt im Gehirn wird auch durch die Lichteinstrahlung über die Augen beeinflusst. Wenig Lichteinstrahlung im Herbst und Winter führt zu einer ungebremsten Ausschüttung von Melatonin, einem Hormon, das unter anderem für die Aufrechterhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich ist. Die Folge der übermäßigen Melatoninkonzentration im Gehirn ist, dass wir müde, schlapp und übellaunig werden und der Serotoninspiegel im Gehirn sinkt. Die Batterien, die wir im Sommer aufladen, werden immer schwächer.
Siegfried Kasper, Chef der Klinischen Abteilung für Biologische Psychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien erklärt, dass Suizide nicht gleich am Anfang der niedrigen Sonnenscheinstunden - das heißt im November - häufiger werden, sondern eher zu einem späteren Zeitpunkt, "wenn die Batterie verbraucht ist".
Niedrige Serotonin-Werte gelten seit einer Studie von Marie Asberg aus dem Jahr 1976 als Marker für impulsives und (auto)aggressives Verhalten. Folgeuntersuchungen zeigten, dass niedrige Serotoninwerte auch bei Patienten mit Borderline-Störung, Schizophrenie sowie bei Gewaltverbrechern und Brandstiftern zu messen waren. Das erklärt auch, warum ausgerechnet die gewaltsamen Methoden in der hellen Jahreszeit zunehmen.
Quellen: APA
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