Virtuell trauern
Auf einer österreichischen Website lassen sich digitale Gedenkkerzen entzünden.
Wer einen Sterbefall in der Familie hatte, kann auch virtuell trauern: Die Website www.aspetos.at ermöglicht, Todesanzeigen online zu stellen. Angehörige können die Anzeigen dann nicht nur sehen, sondern auch virtuelle Gedenkkerzen anzünden oder in einem Forum über ihre Situation des Trauerns diskutieren.
Klingt nach einem Nischenprodukt für exzentrische Technik-Freaks? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Pro Monat hat die Website laut Google Analytics mehr als 500.000 Besuche; jeden Monat werden 30.000 virtuelle Kerzen entzündet. "Wir waren in den letzten eineinhalb Jahren die schnellstwachsende Community Österreichs", sagt Jörg Bauer, Gesellschafter bei 11media communications GmbH, die die Website entwickelt hat. Die Idee kam Bauer durch den Tod seiner Mutter.
Derzeit ist Aspetos noch ein Verlustgeschäft. Unter anderem muss das Forum mit seinen 8000 mitlesenden Mitgliedern betreut werden; die Kosten belaufen sich laut Bauer auf 500.000 € pro Jahr. "Unser Ziel ist, dass viele Bestatter mitmachen und sich die Seite somit finanziert", sagt er. Für die Trauernden selbst ist die Nutzung kostenlos; gezahlt wird von den jeweiligen Bestattungsunternehmen, die auf der Seitenleiste neben der jeweiligen Todesanzeige erwähnt werden - laut Bauer konnte ein Bestatter so die Zugriffe auf seine Website von 1000 auf 15.000 steigern.
Google Maps. Ideen rund um das virtuelle Trauern hat Bauer noch viele. So wurde eine Partnerschaft mit der Caritas gestartet: Für neun € kann eine "Jahreskerze" entzündet werden, die ein Jahr online zu sehen ist. Zwei € des Erlöses gehen an eine von der Caritas betreute Familie, deren Vater gestorben ist.
Zudem soll das virtuelle Trauern wieder zurück ans echte Grab gebracht werden. Beispielsweise soll es möglich sein, online das Aufstellen von Blumen und Kerzen am Grab zu beauftragen. Eine andere Idee beinhaltet, einen in Edelmetall eingerahmten QR-Code auf dem Grab aufzustellen - mit dem Handy abfotografiert, gibt dieser Informationen über den Verstorbenen preis. Und über eine Integration von GPS und Google Maps soll es möglich sein, sich künftig auf dem Weg zum Grab nicht mehr zu verlaufen.





