Rinderwahn - 1. Satire zum Leichenschmaus

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Soll ich Ihnen verraten, wovor sich der ländliche Bestatter aus Ostösterreich am meisten fürchtet? – Ich sags Ihnen: Es ist das gekochte Rindfleisch mit Semmelkren. Denn wenn das Geschäft gut läuft und die Belegschaft zum Leichenschmaus geladen ist, dann gibt es das täglich.


Auf www.ostarrichi.org, einem Wörterbuch für österreichische Sprache, findet man unter „Leichenschmaus“ und „Totenmahl“ auch den Begriff „Rindfleischwandertag“:


Am Land war es zumindest früher üblich, anlässlich einer Leichenzehrung meistens Rindfleisch mit Semmelkren und einer deftigen Rindsuppe aufzutischen. Ein Begräbnis mit ein bis mehreren hundert geladenen Gästen war und ist dort keine Seltenheit, was diesem Anlaß den Beinamen *Rindfleischwandertag* einbrachte...


Als kürzlich unser Onkel Edi in Unterkärnten nach einem langen und erfüllten Leben morgens nicht mehr aufgestanden ist, freute ich mich sehr. Nein, nicht über den Tod von Onkel Edi – da war ich natürlich traurig. Aber gefreut hab ich mich, weil ich als Tirolerin das erste Mal die Gelegenheit hatte dem Unterkärntner Bestatterkollegen vor Ort auf die Finger bzw. in den Sarg zu schauen. Bei der Beerdigung stand ich dann am Friedhof und fühlte mich als Zuschauerin entspannt wie im Urlaub.

Ca. 600 Trauergäste gaben dem Onkel Edi die letzte Ehre und es war alles in Allem ein  traditioneller und sehr feierlicher Abgang: Jäger, Bauernbund, Abwehrkämpfer, Kärntnerchor, Hornbläser. Dem Onkel Edi hätte es gefallen! Und anschließend der Leichenschmaus: Echte(!) Rindssuppe mit hausgemachten Nudeln, gekochtes Rindfleisch mit Semmelkren und Röstkartoffeln und danach der „Kärntner Reindling“,

Exkurs über den „Kärntner Reindling“: ein Germkuchen in einem "Reindl" gebacken, gefüllt mit Zimt, Nüssen, Rosinen und Zucker. Jede Kärntner Hausfrau hat hier ihr Geheimrezept und reagiert extrem sensibel auf Kritik.

Grundnahrungsmittel Nr. 1 sind in Kärnten nicht etwa die Kasnudeln, es ist der "Reindling". Die Kärntner essen ihn praktisch jeden Tag von Montag bis Sonntag durchgängig zum Frühstück, nachmittags zum Kaffee und am Abend essen sie ihn mit Schinken oder Bauernsalami drauf. Zu Weihnachten steht er vor dem Keksteller und an Ostern wird er geweiht und wird mit geweihtem Osterschinken gegessen. Ganz fest sind die Kärntner davon überzeugt, dass er geweiht noch besser schmeckt. Am Kirchtag und am Nachkrichtag tunken sie ihn in die Kirchtagssuppe, den süßen Rosinenkuchen. Ich weiß, es klingt pervers, aber es ist so.

Vom Reindling etwas übersättigt, weil er es in meinen Tiroler Haushalt regelmäßig oft postalisch über schwiegermütterliche Fresspakete schafft (damit mein Mann nicht verhungert), war ich von den ersten beiden Gängen des Leichenschmauses aber schier begeistert. Auch wenn rein farblich der Hauptgang leichenhaft blass war – gräulich-bräunlich-gelblich –  so waren Fleisch und Beilagen geschmacklich sensationell.

In Tirol gibt es zur „Zehrung“ traditionell Nudelsuppe mit Würstel oder Gulasch (vom Rind natürlich!) mit Semmel oder Knödel. In den vergangenen Jahren hat sich aber mehr und mehr das Wiener Schnitzel durchgesetzt. Oder aber man bekommt eine „Kleine Karte“, die extra für die Trauergäste aufgesetzt wird, und auf der befindet sich dann alles von den Spaghetti Bolognese übers Wienerschnitzel bis hin zu den Kasspatzln. "Der Niedergang der guten österreichischen traditionellen Küche und Trauerkultur", stöhnte ich deshalb innerlich auf, als ich beim letzten Leichenschmaus im Tiroler Unterland saß und auf der Zehrungskarte doch glatt „Pangasius-Filet“ las. Der moderne Konsument hat gerne die Wahl, wie wir wissen, oder aber die „scheeene  Leich“ kommt als einheitliches Wiener Schnitzel mit Pommes „rotweiß“ auf den Teller, weil „des mag ajeder“. Und wer nicht, der wird mit einer Gemüseplatte bestraft.

Kurze Zeit nach dem Pangasius-Trauma saß ich wiederum mit Bestatter-Kollegen aus Ober- und Niederösterreich beim Mittagessen in einem Tiroler Wirtshaus und erzählte vom Begräbnis in Kärnten. Als ich dann bei der Schilderung des gekochten Rindfleischs ankam, geriet ich in schiere Verzückung und als ich schlussendlich über den Niedergang der Tiroler Leichenschmaustradition zu schwadronieren begann, erntete ich satte Verständnislosigkeit von den beiden  Kollegen, die doch soooo gerne ab und an ein Pangasius-Filet hätten, und mir dann von ihrem kulinarischen Albtraum berichteten, der mit „Und täglich grüßt das gekochte Rindfleisch mit Semmelkren“ auf den Punkt gebracht werden kann. Ja, immer dasselbe Futter, das ist auch eine Art Folter und nachdem ich nunmehr seit 10 Jahren vom Kärtner Reindling verfolgt werde, muss ich zugeben, so eine Kleine Karte ist für den Leichenschmaus das kleinere Übel.

Liebe Leser, wenn man  Zeit und Lust hat sich mit böser Zunge den Kopf darüber zu zerbrechen, was Österreich nach dem Begräbnis schmaust, kann es einem nicht schlecht gehen. Und ich gebe es ja zu: Es macht mir auch mordsmäßigen Spaß. Und deshalb geht es bald weiter mit dem Thema „Leichenschmaus“, denn es folgt bald ein zweiter Artikel, der genauer drauf eingeht, was man wo in Österreich genau gegessen hat, wo vielleicht die kulinarische Zukunft enden wird und welchen Sinn der Leichenschmaus überhaupt hat.

Für Aspetos: Christine Pernlochner-Kügler


Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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