Ins Gras gebissen - So sprechen wir vom Tod

70_r_by_harry-hautumm_pixelio.de.jpg"Kissing the dust": So stirbt man standesgemäß…

Der Gärtner beißt ins Gras.
Der Maurer springt von der Schippe.
Der Koch gibt den Löffel ab.
Den Elektriker trifft der Schlag.
Der Pfarrer segnet das Zeitliche.
Der Spachtelfabrikant kratzt ab.
Der Schaffner liegt in den letzten Zügen.
Der Beamte entschläft sanft.
Der Religiöse muss dran glauben.
Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
Der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an.
Der Fechter springt über die Klinge.
Die Putzfrau kehrt nie wieder.
Der Anwalt steht vor dem Jüngsten Gericht.
Der Autohändler kommt unter die Räder.
Der Kfz-Mechaniker schmiert ab.
Der Förster geht in die ewigen Jagdgründe ein.
Der Gynäkologe scheidet dahin.
Der Rabbi geht über den Jordan.
Der Optiker schließt für immer die Augen.
Der Tenor hört die Englein singen.

Und: Der Tischler zieht den Holzfrack an.


"Der, dessen Name nicht genannt werden darf" 

Üblicherweise ist unsere Beziehung zum Tod ja eine schwierige, weil wir den Tod als unseren Feind wahrnehmen. Und der Feind oder das Böse, darf nicht beim Namen genannt werden, sonst ruft man ihn etwa noch herbei oder man verleiht im Macht. „Verschrei’s nicht!“ oder „Mal den Teufel nicht an die Wand!“ oder „Nicht laut aussprechen!“ – das sind die Devisen! Das ist uraltes, archaisches, magisches Denken, aber wenn Menschen sich besonders hilflos und auch machtlos fühlen, dann verfallen sie auf archaische Denkmuster und magische Verhaltensweisen. Das gilt bis heute. Auch in Harry Potters Abenteuern lernen unsere Kinder (und auch wir abendliche Vorleser oder begeisterte Heimlich-Leser), dass der böse Zauberer "Lord Voldemort" nicht beim Namen genannt werden darf, er wird ängstlich mit "Der, dessen Name nicht genannt werden darf", (He, who must not be named) beflüstert. Und auch den Tod nennen wir nur ganz ungern beim Namen und umschreiben ihn lieber, dann wird er entweder harmloser oder schön oder eine Erleichterung oder aber etwas Lustiges.

Es gibt zwei Extreme: Entweder sprechen wir euphemistisch, d.h. „verschleiernd und beschönigend“ über den Tod oder aber wir nehmen es mit Schwarzem Humor.

Die Euphemismen haben die Aufgabe, die Realität zu beschönigen. Der Humor soll belastende Gefühle abwehren und uns somit emotional entlasten. Wenn man cool rüberkommen will und sich selbst nicht unnötig belasten will, dann sagt man eben: „Wenn ich einmal die Patschen aufstell, dann ….“ Das klingt doch lustig oder? Also wird’s wohl nicht so schlimm werden, das eigene Patschenaufstellen. Im Englischen heißt es übrigens ganz ähnlich: "When I kick up my heels …"

Diese beiden Sprachformen haben wir so verinnerlicht, dass wir erst lernen müssen, den Tod sachlich und klar beim Namen zu nennen, denn nur dann kommen wir seiner Realität näher. Nicht umsonst steht es explizit in den Lehrbüchern der Krisenintervention und der Notfallpsychologie, dass man beim „Überbringen von schlechten Nachrichten“ klare und eindeutige Worte ohne Beschönigung oder Verschleierung verwenden soll, da Betroffene oder Angehörige sonst nicht realisieren können, was geschehen ist. Und jeder, der in einem Berufsfeld arbeitet, das mit dem Sterben und dem Tod zu tun hat, weiß, wie schwer es gerade am Anfang von den Lippen kommt, wenn man die brutale Realität des Todes beim Namen nennen muss und sagen muss: „Ihr Mann, ihr Sohn, ihre Tochter, ihre Mutter ...  ist gestorben.“ „Er/sie ist tot.“ Sicher, man lernt das dann. Aber von vorne herein steckt es in den wenigsten von uns. Lieber drücken wir uns drum herum.

So wurde mir als Kind einmal mit ganz ernster Miene mitgeteilt: „Heut in der Nacht ist der alte Ferdl eingeschlafen.“ Ein paar Tage später – als sich die Großen vom ersten Schrecken erholt haben - wurden sie etwas salopper, denn im Gespräch hieß es dann: „Zwei Wochen ist es her, dass der Ferdl-Onkel seinen letzten Schnaufer getan hat.“ Und nach einem Jahr oder vielleicht war es länger, sagte meine Oma schmunzelnd zu mir: „Ja mei, früher oder später schaun wir die Radieschen alle von unten an, so wie der Ferdl.“ Das hab ich mir dann vorgestellt, wie das ist, wenn man da liegt und die Radieschen sieht und man kann sie nicht essen, weil man ja tot ist. Tot sein muss sehr langweilig sein, hab ich mir als Kind damals gedacht.

Wie auch immer: Niemals, niemals wurde gesagt, dass der Ferdl "gestorben" oder "tot" ist. In der Zeitung stand dann: „Ein gutes Herz hat aufgehört zu schlagen“ oder so ähnlich. Und wenn wir die Sprüche und die Texte der Todesanzeigen lesen, dann werden eindeutige Begriffe noch immer vermieden und über die Todesart und Ursache breitet man auch gerne einen Schleier. Nur Insider wissen dann zwischen den Zeilen zu lesen und können Vermutungen anstellen, ob es nun ein Unfall oder ein Suizid war oder aber eine Erkrankung.

Neulich war es einem Bekannten offensichtlich nicht möglich, über „die Verstorbenen“ zu sprechen und so hat er über „die Verblichenen“ gesprochen, ein Begriff von dem ich ganz vergessen hatte, dass es ihn gibt. Und sofort sind mir ganz bleiche käseweise Gestalten in meiner Phantasie erschienen. Eine grausliche Vorstellung. Mindestens so grauslich wie die Radieschen, die man von unten ansehen muss ...

Ich bin ein Fan vom Schwarzen Humor. Wer keinen Humor hat, ist auch ein Mensch. Aber er ist ein Mensch, der es mitunter schwerer hat, denn Humor und auch Schwarzer Humor sind als Abwehrmechanismen gute Bewältigungsstrategien, mit denen man extreme Belastungen regulieren kann. Natürlich darf Schwarzer Humor nicht die einzige Bewältigungstrategie sein und natürlich darf er eine bestimmte ethische Grenze – „die Grenze des guten Geschmacks“ nicht überschreiten. Wohl dosiert eingesetzt "ja", aber Patent-Rezept "nein".

Wenn man mit Kindern über den Tod spricht, sollte man mit schwarzhumorigen Phrasen sehr vorsichtig sein, denn Kinder nehmen solche Formulierungen wörtlich und daraus können krasse Phantasien entstehen. Weil, "wer die Radieschen von unten sieht", der ist nicht ganz tot und wenn er sie dann zwar sehen darf, während er bewegungslos (weil halt eben doch halb tot) unter der Erde liegt, der ist ein ganz armer Hund! Und da wird das Totsein dann noch mehr zum Fürchten als es eh schon ist.

Das Problem mit den Verschleierungen:

Wir verwenden Euphemismen, weil wir glauben, dass wir uns, besonders aber auch Kinder, damit schützen können. Das ist aber ein Irrglaube. Euphemismen können genauso krasse und angstbesetzte Phantasien verursachen wie Schwarzer Humor. Wer eingeschlafen ist, kann wieder aufwachen. Und dann bekommt das Kind Angst vor dem Einschlafen, weil da könnte man ja sterben und es bekommt Angst im Sarg wieder aufzuwachen.

Wer "von uns gegangen" oder "hinüber gegangen" ist oder wer "seine Letzte Reise angetreten hat", der kann wiederkommen. Das erzeugt falsche Hoffnungen oder aber Angst vor Wiedergängern, Gespenstern, Untoten ...

Wenn jemand „aus unsrer Mitte gerissen“ wurde, dann spiegelt das die Plötzlichkeit und Brutalität des Todes wieder, ohne dass aber klar gesagt wird, was genau geschehen ist. Und damit schaffen wir eine große Leinwand, auf die Menschen ihre Phantasien projezieren können und dann entstehen die aberwitzigsten oder entsetzlichsten Gerüchte.

Unklarheit, offene Stellen, Verschleierungen bilden Lücken, die wir nicht als Lücken oder offene Stellen stehen lassen. Wir alle – Erwachsene und Kinder – füllen diese Lücken mit unseren Phantasien und im Zusammenhang mit dem Thema „Tod“ sind diese Phantasien selten schön und meist gar nicht beruhigend.

Es wäre besser, den Tod klar und eindeutig zu benennen und ehrlicher zu werden, denn wir können ihn am Ende ja doch nicht verhindern. Und vielleicht ist es sogar so, wie beim "Rumpelstilzchen": Sobald wir seinen Namen nennen, merken wir, dass er nicht an Macht gewinnt, sondern an Macht verliert.

Termine Österreich

Kärnten

Trauerseminar: Wohin mit meiner Trauer

mit Hans Kopeinig

Lebenshindernde Trauer in lebensfördernde Trauer umwandeln.
(Was nicht wahrgenommen wird, kann auch nicht geheilt werden)
Termin: 10.02.2012 bis 12.02.2012 in Köstenberg/Wurzen - Landhof Schöfmann (Nähe Velden am Wörthersee

Infos und Anmeldung:

Hans Kopeinig (Myroagoge/Trauerbegleiter/Diplomierter Lebens und Sozialberater)

0664/3420206

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

www.hanskopeinig.com



Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Tirol

STerben & erben! Vom Tod in Tirol

Mögen die Menschen auch im Tod gleich sein, spätestens mit dem Erbe beginnen sie sich wieder zu unterscheiden.

Termin: 8. November 2011, 19 Uhr,

Bibliothek des Ferdinandeums, Museumstraße 15, Innsbruck

Durch den Abend führen Christoph W. Bauer und Hansjörg Rabanser.

Infos:http://www.tiroler-landesmuseen.at/html.php/de/ferdinandeum/bibliothek/veranstaltungen


Tirol

Nacht der spirituellen Lieder

Gemeinsam singen - Herzenslieder aus aller Welt

Termin: Freitag, 11. NOVEMBER 2011
19.00 – ca. 22.30 UHR

OEZ Offenes Evangelisches Zentrum
Innsbruck-Christuskirche, Martin-Lutherplatz 1

Infos:http://www.aspetos.at/news/index.php/allgemein/700-lange-nacht-der-spirituellen-lieder


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

für Betroffene und Menschen, die Trauernde begleiten

Termine: 23. Feb. 2012, 8. Mrz. 2012, 29. Mrz. 2012

jeweils Dienstag 18:30-20:00 Uhr, Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

Freiwilliger Unkostenbeitrag EUR 5,-/Abend

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Wien

Trauergruppe für jüngere Menschen

"... Ich bin noch zu jung, um schon verwitwet zu sein..."

Trauergruppe für jüngere Menschen, die den Partner, die Partnerin verloren haben.

Termine 2012: 10. Jän., 24. Jän.

jeweils Dienstag 16:30-18:30 Uhr, Stephansplatz 6/6. Stock, Zimmer 638, 1010 Wien

Freiwilliger Unkostenbeitrag EUR 5,-/Abend

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


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