Peggy Scott Adams ist eine in den USA berühmte Gospel-Sängerin und sie hat das Bestattungsunternehmen ihres mittlerweile verstorbenen Ehemannes Robert L. Adams übernommen. Noch zu seinen Lebzeiten gründete dieser vor 2 Jahren „The Drive-Thru Funeral Home of Compton“. Robert L. Adams machte die Erfahrung, dass Trauernde sich zwar von ihren Verstorbenen verabschieden wollen, es aber mitunter nur schwer in einem Raum mit dem Leichnam aushalten. Er gestaltete sein bestehendes Bestattungsunternehmen um und richtete eine Drive-Through-Fahrspur ein. Auf Wunsch der Familie bzw. der letztwilligen Verfügung des Verstorbenen wird der Leichnam hinter einer kugelsicheren Glasscheibe offen aufgebahrt. Wer den Verstorbenen sehen und sich verabschieden will, kann das quasi im Vorbeifahren machen. Natürlich kann man auch stehenbleiben, aussteigen und sich in ein Kondolenzbuch eintragen. Peggy Scott Adams führt das Unternehmen nun im Sinne ihres Mannes weiter und hat zudem ein wichtiges Motto für ihr berufliches Wirken: „I try to keep things bright!“
„Da waren so viele Tabus rund um den Tod und das ändert sich nun. Alles war so dunkel im Zusammenhang mit dem Tod. Und ich habe beschlossen: Ich versuche die Dinge hell zu belassen!“, erklärt Peggy Scott Adams ihren Zugang zum Tabu-Thema Tod.
Hell ist Robert L. Adams Funeral Home schon allein deshalb, weil die Farbe „weiß“ dominiert. Auch die Chefin trägt stolz weiße Kleidung. „Hell“ ist aber auch im Sinne von „transparent“ zu verstehen, denn der Tod und die Toten werden für die Öffentlichkeit sichtbar aufgebahrt.
Ein Schild in der Einfahrt lädt ein zum „DRIVE THRU VIEWING 6 – 8 PM“ und diese Einladung gilt nicht nur für Angehörige: Jeder, der möchte, kann vorbeikommen und die Verstorbenen sehen. Manchmal kommen auch Neugierige, die einfach nur schauen wollen, wie ein Toter aussieht, ... was von uns übrigbleibt – danach. Peggy Scott Adams hat nichts dagegen, solange sich diese Besucher respektvoll benehmen. Für sie gehört das zum offenen Umgang mit dem Tod dazu.
Viele finden das Drive-Thru grotesk - und zugegeben: Es kommt auch bei mir schnell die Phantasie hoch, für den Leichenschmaus in der Nachbarschaft gleich ein McDonald’s Drive In zu eröffnen. Peggy Scott bleibt ihren Kritikern gegenüber gelassen und argumentiert ruhig: Niemand wird ohne seine Einwilligung bzw. ohne die Einwilligung der Familie öffentlich im Drive-Thru aufgebahrt. Und auch sonst überwiegen die Vorteile: Jeder kann vorbeikommen, wenn er Zeit hat und kann solange bleiben, wie er möchte. Die Familie erspart sich, wenn sie das möchte, dadurch auch eine finanziell aufwendige Zeremonie. Und wer kann schon bewerten, ob ein „Auf Wiedersehen“ im Vorbeifahren aus dem Auto weniger aufrichtig ist als der direkte Kontakt am offenen Sarg?
Machen Sie sich selbst ein Bild. Über folgenden Link sehen Sie Eindrücke aus dem Drive-Thru Funeral Home of Compton und hören Peggy Scott Adams im Interview:
http://m.gawker.com/5793183/index.php?op=showcustomobject&postId=5793183&item=0
Quellen:




