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Kirche 2.0 – Überschätzter Hype oder letzte Chance?

Geschrieben von Jörn Brien am . Veröffentlicht in Kurioses

Sonntags 10 Uhr überall in Europa: Die Kirchenglocken läuten zum Gebet. Doch immer weniger Jugendliche finden den Weg in die Gotteshäuser. Darauf reagiert die Kirche jetzt, indem sie dem Zeitalter des Internets folgt. So wurde in Österreich, in der Diözese Linz, erstmals eine Social-Media-Expertin eingestellt. Andrea Meyer-Edoloeyi erkennt, dass auch engagierte Christen online kommunizieren und dass es eine Aufgabe der Kirche ist, in diesem neuen medialen Raum Freude, Hoffnung, Trauer und Ängste der Menschen wahrzunehmen.

Diesem Schritt in Richtung Web 2.0 folgen natürlich auch andere kirchliche Gemeinden. Facebook- und Youtube-Profile entstehen wie Sand am Meer, Social-Media-Strategien werden gebastelt und umgesetzt.

Ein Vorreiter für solche Strategien ist die Plattform kirche20.at. Die Webseite gibt Online-Strategien entsprechende Tricks und Kniffe an die Hand – beispielsweise, wie die technische Optimierung der Webseiten für Smartphones funktioniert.

Twitter-Gottesdienst

Auch in Deutschland ist man experimentierfreudig. In einer Frankfurter Kirchengemeinde wird der Gottesdienst getwittert. Der Mitveranstalter evangelisch.de fordert etwa alle Twitter-User auf, das Lied 432 mitzusingen und schickt per nächstem Tweet den Link zum Lied gleich mit.

Aber nicht nur die Veranstalter selbst können Nachrichten twittern, auch die Kirchengemeinde an den Smartphones geben Reaktionen, Fragen und Anregungen. So wird aus dem Frontalgottesdienst ein gemeinsames Erlebnis. Nicht nur ein Gottesdienst per Twitter wurde veranstaltet. Im April 2012 veranstaltete ein Kölner Priester einen Facebook-Gottesdienst.

Auch in der Schweiz wird dem Ziel nachgegangen, mit den neuen Online-Kanälen die Menschen zu erreichen, die man mit den bisherigen Angeboten nicht überzeugen konnte. Seelsorgende haben vor allem Facebook für sich entdeckt und können nun direkt auf Anfragen und Nachrichten reagieren, sie geben der Kirche ein Gesicht, so Christian Kelter, Diakon von Hünenberg im Kanton Zug.

Kritiker trüben Euphorie der Web-2.0-Anhänger

Wo Sonnenschein ist, ist aber auch immer Schatten. So folgen nicht alle kirchliche Gemeinden dem Social-Media-Hype. Einzelne Personen haben es leichter, so die Kritik, Aufmerksamkeit zu erlangen. Twittern oder arbeiten jedoch Körperschaften im Web 2.0, so ist die Reaktion sehr spärlich und die Kommunikation mühsam.

Ein anderer Bremspunkt in Richtung Social-Media-Kirche ist die Meinung, dass die Probleme der Kirche nicht mit Facebook und Co. gelöst werden. Wenn eine regionale Kirchengemeinde überregional im Netz arbeitet, könnte das zur Verstärkung der bedenklichen Erosion in den Gemeinden führen.

Die Frage ist, ob solche Kritik nur Angst vor dem Neuen widerspiegelt oder sich solche Prognosen bewahrheiten. Medienkenner sind sich jedenfalls einig: Facebook, Twitter, Youtube und andere Kanäle auszublenden, würde der Kirche auf Dauer schaden. Offenbar darf sich die Kirche den neuen Trends nicht widersetzen, sondern muss neue Wege gehen und wagen.

Weiterführende Links:

Andrea Meyer-Edoloeyi über Chancen der Kirche im Social Web
http://www.dersonntag.at/news/articles/2011/12/06/a5972/detailinfo

Twittergottesdienst: "Die sitzen alle mit Laptops da"
http://aktuell.evangelisch.de/artikel/2205/twittergottesdienst-die-sitzen-alle-mit-laptops-da?destination=node/2205

Unser täglich Twitter
http://www.jesus.ch/magazin/lifestyle/214447-unser_taeglich_twitter.html

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