Derzeit umfasst das Hospiz Österreich über 200 ambulante und stationäre Einrichtungen, in denen sterbenskranke Menschen und deren Angehörige medizinische, pflegerische aber auch psychologische und seelsorgliche Begleitung und Unterstützung bekommen.
Betreut werden Menschen nicht nur in ihrer allerletzten Lebensphase, sondern oft über einen langen Zeitraum, denn auch mit einer unheilbaren Krankheit können Menschen heute lange leben. Der Hospizbewegung geht es dabei um den Erhalt von Lebensqualität bis zuletzt, wenn Heilung nicht mehr möglich ist.
Dabei sind optimale Schmerztherapie und die Linderung anderer belastender Symptome wichtig, aber auch die Förderung der Kommunikation zwischen PatientInnen und ihren Angehörigen und deren Begleitung beim Abschiednehmen voneinander.
Rund 3000 ehrenamtliche und 1000 hauptamtliche MitarbeiterInnen betreuen PatientInnenen und deren Familien nach Bedarf in verschiedenen Betreuungskontexten. Ziel ist es, dass der Patient bis zu letzt zuhause leben kann, wenn er das möchte. Die Betreuung übernehmen hier die mobilen Pallitivteams und die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Hospizteams. Wenn die Versorgung zuhause zwischenzeitlich oder aber am Ende des Lebens nicht mehr möglich ist, wird ein Platz in einer stationären Einrichtung gesucht.
Das Versorgungsnetz ist in den Bundesländern unterschiedlich ausgebaut
Im Wesentlichen bilden mobile Palliativ- und Hospizteams, in bestehende Krankenhäuser und Pflegeheime integrierte Palliativstationen und Palliativbetten aber auch Palliativ-Konsiliardienste das österreichische Versorgungsnetz. Eigenständige stationäre Hospize gibt es bislang nur 2 in Salzburg und in der Steiermark. In Wien, Salzburg und Graz gibt es 3 Tageshospize.
Der Bedarf nach palliativer Versorgung ist in den Bundesländern unterschiedlich gut abgedeckt. In Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark und Wien ist das Netz sehr gut ausgebaut.
Tirol ist Schlusslicht
„Tirol ist Schlusslicht und weit hinter den anderen Bundesländern her!“, so Mag. Elisabeth Draxl, Pflegedienstleiterin der Hospiz- und Palliativstation und des Mobilen Hospiz-und Palliativteams Innsbruck.
„Derzeit haben wir lediglich Palliativbetten in unserer Station, die dem Landeskrankenhaus angegliedert ist. Wir haben gar kein eigenständiges stationäres Hospiz. Ein mobiles Hospiz- und Palliativteam gibt es überhaupt nur für Innsbruck und Umgebung.“
Das mobile Hospiz- und Palliativteam finanziert sich in Tirol derzeit zur Hälfte aus Spendengeldern und durch Zuschüsse vom Land Tirol. Das heißt, dass die Finanzierung in Tirol überhaupt nicht gesichert ist. Für eine öffentliche Anerkennung und für den Ausbau des mobilen Hospiz- und Palliaivteams, das Menschen in der allerletzen Lebensphase zu Hause betreut, müsste die Finanzierung zur Gänze aus der öffentlichen Hand erfolgen.
Der Rest der Tiroler Bezirke wird durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen betreut, die wichtige Stützen sind, aber nicht Arbeit von diplomierten PflegerInnen und MedizinerInnen übernehmen können und dürfen. Ein Ausbau der Tiroler Hospiz- und Palliativversorgung ist aber in Planung. Dr. Elisabeth Medicus führt als Landespalliativbeauftrage derzeit eine Bedarfprüfung durch. Ziel ist es, in den unterschiedlichen Regionen die Hospiz- und Palliativversorgung in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Kranken- und Pflegeheimen zu verankern und zu sichern. Modellregionen sind die Randbezirke Reutte und Lienz.
„Es gibt viele Baustellen“, meint Elisabeth Draxl und so hat sie auf die Frage, was ihr dringenster Wunsch für die Tiroler Hospizgemeinschaft ist, gleich eine ganze Wunschliste: „Wir brauchen mehr mobile Teams, die gesichert finanziert werden, mehr Palliativbetten, der Palliativ-Konsiliardienst muss so ausgebaut werden, dass er auch funktuoniert. Und was in Tirol gänzlich fehlt, ist ein stationäres Hospiz.“
Die Finanzierung der Hospiz- und Paliativversorgung ist in gesamt Österreich nicht gesichert und unklar
In einer Pressemitteilung vom 31. Juli 2008 vom Dachverband Hospiz Österreich wird die Versorgungssituation in gesamt Österreich als unzureichend beschrieben: „Die derzeitige Versorgung von unheilbar kranken, sterbenden und trauernden Menschen ist unzureichend und lässt Versorgungslücken offen. Auch im Bildungsbereich für haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen sind weitere Maßnahmen erforderlich. Im Rahmen des Pflege-Pakets, das noch im Ministerrat am 12. August 2008 abgesegnet werden soll, werden Verbesserungen im Bereich der Hospiz- und Palliativversorgung angekündigt.“
Dass die Hospiz- und Palliativbewegung allen Schwerkranken, Sterbenden, Trauernden und Angehörigen eine leistbare Versorgung ermöglichen kann und die Unterstützung, die sie in ihrer jeweiligen Situation brauchen, ist der dringendste Wunsch von Frau Mag. Leena Pelttari-Stachl, Geschäftsführerin vom Dachverband Hospiz Österreich. Die Unsicherheiten in punkto Finanzierung gibt es nicht nur in Tirol, sie gilt für Gesamt-Österreich: "Zwar ist das Versorgungsnetz bis auf Tirol gut ausgebaut, die Finanzierung ist aber in ganz Österreich sehr kompliziert und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Finanzierung läuft derzeit zum Großteil über Spenden, Projektgelder und Sozialtöpfe. Wichtig wäre eine Klärung der Zuständigkeit, denn derzeit wird die Frage der Zuständigkeit zwischen dem Sozialversicherungsbereich und dem Gesundheitsbereich hin- und hergeschoben; und zusätzlich auch zwischen Bund und Land", so Pelttari-Stachl. Eine Regelfinanzierung gibt es derzeit nur bei den Hospiz-Stationen, alles andere ist unsicher! Daher müssen wir die Regelfinanzierung für die gesamte Hospiz- und Pallitaiversorgung in allen Betreuungskontexten erreichen und unbedingt von den Projektfinanzierungen und den befristeten Finanzierungen wegkommen. Einzig in der Steiermark werden seit Anfang 2009 Schritte in Richtung Regelfinanzierung gesetzt, das muss aber auch für die anderen Bundesländer erreicht werden."
Dr. Christine Pernlochner-Kügler hat für Aspetos recherchiert.





