Der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel starb heute in den frühen Morgenstunden in seinem Wochenendhaus im Norden Tschechiens im Schlaf. Er wurde 75 Jahre alt.
Havels Tod löste große Betroffenheit in den Reihen österreichischer Politiker aus. Mit dem Tod des tschechischen Altpräsidenten hat der eindrucksvolle Lebensweg eines großen Europäers, Schriftstellers und Humanisten ein Ende gefunden, sagte heute Bundespräsident Dr. Heinz Fischer: „Vaclav Havel hat sich in der Diktatur als deren Gegner und in der Demokratie als deren Unterstützer bewährt. Er war Künstler und Politiker, Dissident und Staatsmann und hatte immer ein waches Gewissen. Jedes Gespräch mit Vaclav Havel war ein Vergnügen. Havel ist in Österreich in höchstem Maße geschätzt und anerkannt worden. Ich drücke der Familie des Verstorbenen und der tschechischen Republik meine tief empfundene Anteilnahme zum Tod des ehemaligen Dissidenten und ehemaligen Staatspräsidenten Vaclav Havel aus“, so Fischer.
Tief betroffen zeigte sich auch Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann: "Vaclav Havel war eine der wesentlichen politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit, ein Wegbereiter und Vorkämpfer der Demokratisierung in Osteuropa und damit der politischen und wirtschaftlichen Integration des Kontinents. Er war ein großer Europäer. Er hat sich auch von Verfolgung durch das kommunistische Regime nicht daran hindern lassen, für Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte einzutreten."
Die von ihm mitinitiierte Gründung der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 in der damaligen CSSR sei eine der wesentlichen Beiträge zur Demokratisierung jener Staaten gewesen, die bis 1989 kommunistisch regiert wurden. Auch nach 1989 habe Vaclav Havel stets Verantwortung übernommen - als erster demokratisch legitimierter Präsident der Tschechoslowakei und ab 1993 zehn Jahre lang als Präsident der Tschechischen Republik. "Mit Vaclav Havel verlieren wir eine Symbolfigur für ein friedliches, demokratisches und geeintes Europa", so Faymann.
Auch Außenminister Michael Spindelegger würdigt vor allem Havels Einsatz im Zuge der "samtenen Revolution": "Vaclav Havel war Zeit seines Lebens eine moralische Autorität weit über die tschechischen Grenzen hinaus, die politischen Weitblick mit der Sensibilität des Künstlers verband. Durch seinen Einsatz und seine Courage hat er Tschechien aus dem Kommunismus und nach Europa geführt. Durch Vaclav Havel ist Tschechien innerhalb relativ kurzer Zeit zu einem wichtigen und stimmgewaltigen Mitglied der europäischen Union geworden." Spindelegger verweist in diesem Zusammenhang auch auf das künstlerische Schaffen von Havel: "Seine Texte waren kritisch und weltoffen. Durch diese Werke, für die er auch in Österreich ausgezeichnet wurde, bleibt uns sein Streben nach Freiheit und Demokratie erhalten."
Kulturministerin Claudia Schmied streicht Havels Bedeutung für Kunst und Kultur noch deutlicher hervor: "Mit Václav Havel verliert Europa einen leidenschaftlichen Theatermacher, einen unerschrocken kritischen Schriftsteller und einen weitsichtigen Politiker, der als moralische Instanz galt. Havel forderte stets dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten und dabei gemäß den simplen Prinzipien: Anstand, Vernunft, Ehrlichkeit und Toleranz zu agieren. Václav Havel wird uns als großer Europäer, als Symbolfigur des demokratischen Aufbruchs und als unbeugsamer Humanist, der sich mit kraftvoller Überzeugung für Frieden und Freiheit einsetzte, in Erinnerung bleiben.“
„Havel habe als Schriftsteller wie später als Dissident und Politiker wesentlich dazu
beigetragen, dass die Teilung Europas in West und Ost überwunden wurde, betont auch Nationalrats-Präsidentin Barbara Prammer. Er habe sich aus tiefster Überzeugung gegen Totalitarismus und für Demokratie stark gemacht, sagte Prammer und zitierte den früheren Präsidenten: Der Nachteil der Demokratie, so Havel, bestehe darin, dass sie denjenigen, die es ehrlich mit ihr meinten, die Hände binde. Hingegen ermöglich sie jene, die es nicht ehrlich meinten, fast alles.
Sie habe dieses Zitat schon häufig verwendet, erklärt die Nationalratspräsidentin: "Ich werde es weiterhin verwenden, um vor der Verwundbarkeit der Demokratie zu warnen sowie die Erinnerung an Vaclav Havel und dessen politisches Vermächtnis hochzuhalten." Nicht zuletzt sei Vaclav Havel ein verlässlicher Nachbar und guter Freund Österreichs gewesen. „Unser Mitgefühl gilt der Familie und der tschechischen Bevölkerung."
Quelle: Presseaussendungen des Bundespräsidenten, des Bundeskanzleramtes, der Ministerien und des Nationalrates über APA/OTS






