Gemeinsam statt einsam durch die Trauer
In der Gruppe werden Strategien zum Bewältigen der Trauer entwickelt und umgesetzt.
trauer.jpg © WodickaGrößer Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Heilungsprozess. Deshalb brauchen Trauernde meist keine "Therapie". Trauer ist aber Arbeit. Ähnlich jeder anfallenden Arbeit muss auch die Trauerarbeit getan werden. Bleibt sie liegen, stolpert man irgendwann darüber und muss sie zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Oft führt verschleppte Trauer zu psychischen und körperlichen Erkrankungen. Für die gesunde Trauerarbeit gibt es Unterstützungsangebote: In Trauerberatung und Trauergruppen geht es darum, Angehörigen Informationen über den Trauerprozess und die zu bewältigenden Traueraufgaben zu geben. Gesunde Bewältigungsstrategien werden herausgearbeitet und gefördert. Betroffene lernen, ungesunde Strategien rechtzeitig zu erkennen und zu stoppen. Damit kann das Entgleisen in einen krankhaften Prozess verhindert werden oder pathologische Trauer wird frühzeitig erkannt und es kann rasch psychiatrische und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Alltag bewältigen
Unmittelbar nach einem Todesfall reagieren Angehörige mit Rückzug. In dieser Phase ist Einzel-, Paar- oder Familienberatung sinnvoll. In den ersten Wochen und Monaten ist es wichtig, dem Trauernden schützenden Rückzug zu gewähren, ihn andererseits aber dabei zu unterstützen, den Alltag allmählich wieder zu bewältigen. Aus dem Bedürfnis nach Rückzug darf keine Isolation werden und gerade Alltagsaktivitäten geben Struktur und Halt. In der Einzelberatung wird die Trauerarbeit individuell unterstützt. Der Besuch einer Trauergruppe ist in den ersten Monaten nicht sinnvoll, viel zu belastend ist es, die "Trauergeschichten" anderer mitzutragen. Einige Tage oder Wochen nach dem Todesfall kann aber ein Schritt ins "TrauerForum" getan werden.
"Trösten können wir nicht, aber für dich da sein!", ist das Motto des TrauerForums, auf das Trauernde kostenlos über die beiden Trauerportale www.aspetos.at und www.trauerhilfe.at Zugriff haben. Das Internet bietet eine gute Möglichkeit, die Einsamkeit aufzubrechen und sich mit Betroffenen in ähnlicher Lage zu vernetzen.
Die Trauernden bilden hier eine Gruppe, allerdings kann man selber entscheiden, ob man sich zunächst "nur einmal alles von der Seele schreiben will" oder auch die "Trauergeschichten" der anderen lesen will, um von den Beiträgen der anderen zu profitieren. So kann man selber steuern, wie weit man sich öffnet. Trauerexperten lesen mit und melden sich zu Wort, wenn Beratung notwendig ist. Hauptanliegen des Trauerforums ist, dass die eigene "Trauergeschichte" erzählt werden kann und sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen. Für die einen ist das Internet der geeignete Ort des Austauschs, für die anderen ist es das regelmäßige Treffen in einer Trauergruppe.
Kein Jammertopf
In der Gruppe darf getrauert werden, aber sie darf nicht als "Jammertopf" fungieren. Betroffene kommen häufig mit der Erwartung, dass sie hier hemmungslos "jammern und klagen" dürfen, und sind enttäuscht, wenn der Raum dafür absichtlich begrenzt ist. Eine Trauergruppe, in der nur das Wehklagen stattfindet, ist auf Dauer nicht hilfreich, sondern krankmachend. Wichtiger ist, dass man sich gegenseitig vermittelt, nicht alleine zu sein, dass man Informationen über den Trauerprozess erhält und sich gegenseitig im Entwickeln von hilfreichen Bewältigungsstrategien unterstützt. Auch gemeinsame Unternehmungen, bei denen der Verlust nur am Rande eine Rolle spielt, sind wichtig. Die Trauergruppe ist dann ein Art "Kaffeekränzchen": Man hat Unterhaltung, allerdings mit einem bitteren Beigeschmack. Auf diese Weise lernen Trauernde, dass es neben der Trauerarbeit auch Erholungsphasen braucht, in denen man sich etwas Gutes tut, um für die weitere Arbeit Kraft zu schöpfen.
Quelle: http://www.bauernzeitung.at/?id=2500%2C101333%2C%2C





