Vergessen wir einmal all die netten Start-ups und all die tollen Applikationen. Will man nämlich wirklich herausfinden, welches Ausmass der digitale Wandel mittlerweile angenommen hat, muss man sich ganz anderen Services und Branchen zuwenden. Exemplarisch will ich das heute anhand der Branche der Bestattungsunternehmen demonstrieren. Eine Dienstleistung, die immer nachgefragt wird. Gestorben wird schliesslich immer. Entsprechend hoch ist denn meist auch die Regulationsdichte. Anders in Österreich. Hier wurde die Branche 2002 in den freien Wettbewerb entlassen.
Angespornt von dynamischen Jungunternehmern und aufgeschreckt durch erhebliche Verluste von Marktanteilen entwickeln die meisten Betriebe nun Strategien und modernisieren sich. Profitieren von dieser Entwicklung werden vor allem die Kunden. Aber es bieten sich auch Chancen für Unternehmer: Gerade in diesem sensiblen Bereich ist Service und Qualität wichtig. Längst sind bei Bestattern Fähigkeiten psychologischer und medizinischer Natur gefragt. Professionelle Trauerhilfe ist da nur ein Beispiel unter vielen. Mehr Wettbewerb bringt auch neue Formen der Bestattungen hervor. Statt den traditionellen Erd- und Feuerbestattungen werden nun vermehrt auch alternative Angebote wie See- oder Naturbeisetzungen angeboten und nachgefragt.
Eine Branche entdeckt das Web
Die Parallelen zu manch anderen, vom Wandel arg gebeutelten Branchen liegen also auf der Hand. Auch die Bestatter drängen ins Netz. Seit Juni betreibt ein österreichisches Softwarehaus mit ASPETOS das erste soziale Netzwerk für Bestatter und deren Kunden. Während die Unternehmen von der Präsenz des Portals profitieren und modernste Services anbieten können, stehen deren Kunden psychologische Betreuung, Kontakt zu anderen Trauernden und eine Reihe an möglichen Trauerritualen (Gedenk-Kerzen und Kondolation online zum Beispiel) zur Verfügung.
ASPETOS Screenshot
Die Nachfrage ist da: Seit dem Launch im Juni haben bereits mehr als zwei Millionen Österreicher und Österreicherinnen den Weg zu ASPETOS gefunden. Derzeit verzeichnet das Portal mehr als 700'000 Zugriffe pro Monat. Mehr als 13'000 Gedenk-Kerzen brennen und es wurde bereits 20'000 Mal elektronisch kondoliert. In Zukunft sollen auch mobile Endgeräte angesprochen und ein Österreich-weites Angebot an Trauerfloristik angeboten werden.
Das Internet und Social Media sind also in der Tat schon längst kein Medium der Geeks mehr.





