Der Tod eines geliebten Menschen ist ein tiefer Einschnitt, eine schmerzende Wunde. Die Zeit der Heilung nach einem Verlust nennen wir „Trauer“. Trauer ist keine Krankheit, sie ist ein Bewältigungsprozess. Heute wissen wir: Wer Trauer unterdrückt, läuft Gefahr, dass keine Bewältigung stattfindet und Krankheit die Folge ist.
Gerade am Beginn des Trauerprozesses fehlen Bewältigungsstrategien und Angehörige haben den Eindruck, von chaotischen und unkontrollierbaren Gefühlen überrollt zu werden. Dass man auch Einfluss auf die eigene Trauer haben kann und welche Strategien hilfreich sind, muss man sich erst erarbeiten. In der Trauerarbeit sind unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Mit jeder bewältigten Aufgabe kommen Angehörige einen Schritt weiter. Da Trauer Schwerstarbeit ist, müssen aber immer auch Erholungsphasen stattfinden. Es gilt – wie im Alltag auch - eine gesunde Balance zwischen „Arbeits- und Erholungsmodus“ zu finden.
Da Trauer keine Krankheit ist, ist auch keine „Therapie“ nötig. Psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung werden erst dann wichtig und unumgänglich, wenn die Trauer in einen krankhaften Prozess entgleist.
Für die verschiedenen Phasen der gesunden Trauerarbeit gibt es unterschiedliche Unterstützungsangebote: In Trauerberatung- oder in Trauergruppen geht es darum, Angehörigen über den Trauerprozess- und die zu bewältigenden Aufgaben Orientierung zu geben, gesunde Bewältigungsstrategien herauszuarbeiten und zu fördern und dabei zu helfen, ungesunde Strategien zu erkennen und rechtzeitig zu stoppen. Damit kann meistens das Entgleisen in einen krankhaften Prozess verhindert werden oder aber das Kippen in eine Krankheit wird frühzeitig erkannt und dann kann rasch psychiatrische und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Einzelberatung oder Trauergruppe?
Am Beginn der Trauer reagieren Angehörige mit dem Wunsch nach Rückzug. In dieser Phase ist eine Einzel,- Paar- oder Familienberatung sinnvoll, die ganz auf den spezifischen Trauerfall eingeht und die Situation des Trauernden bzw. der Trauerfamilie. Es ist einerseits wichtig, dem Trauernden einerseits den schützenden Rückzug zu gewähren, andererseits ihn dabei zu unterstützen, allmählich den normalen Alltag wieder zu bewältigen, - aus dem Rückzug in einen Schutzraum darf keine Isolation werden, denn gerade die alltäglichen Dinge des Lebens geben Struktur und Halt. Der Besuch einer Trauergruppe ist zu Beginn des Trauerprozesses viel zu früh. Die „Trauergeschichten“ anderer zu hören und mitzutragen, ist zu viel an Belastung und blockiert die Bewältigungsarbeit eher. Einige Tage oder Wochen nach dem Todesfall kann aber bereits ein Schritt ins „TrauerForum“ getan werden.
TrauerForum im Internet
Das Internet bietet eine gute Möglichkeit sich mit Betroffenen in ähnlicher Lage zu vernetzen, die Einsamkeit aufzubrechen und das Leid miteinander zu teilen. „Trösten können wir nicht, aber für dich da sein!“, ist das Motto des TrauerForums, auf welches Trauernde kostenlos über unser Trauerportal www.aspetos.at Zugriff haben. Sinn des Trauerforums ist, dass Trauernde einen Raum haben, sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen. Die Trauernden bilden hier zwar eine Gruppe, man spürt, dass man nicht alleine ist und wird gut aufgefangen, allerdings kann man selber entscheiden, ob man sich zunächst „nur einmal alles von der Seele schreiben will“ oder auch die „Trauergeschichten“ der anderen lesen will. Es ist auch möglich „nur“ als stiller Mitleser von den Beiträgen und Tipps der anderen zu profitieren. Man kann also selber steuern, wie weit man sich öffnet. Damit bleibt der Trauernde in einem für ihn angemessenen Schutzraum. Begleitet wird das Forum von Trauer-Experten. Alle Beiträge werden mitgelesen, die Experten melden sich aber nur dann zu Wort, wenn trauerpsychologische Beratung notwendig wird oder einfach mal um 'Hallo' zu sagen. Wichtiger ist vor allem, dass Tränen fließen dürfen und dass sich die Mitglieder gegenseitig Tipps geben und ihre Bewältigungsstrategien diskutieren, denn sie sind ja selbst Trauerexperten.
Begleitete Trauergruppe
Bedürfnisse von trauernden Menschn sind unterschiedlich und in den verschiedenen Phasen der Trauerarbeit können sich Bedürfnisse auch ändern. Für die einen mag das TrauerForum im Internet der geeignete Ort des Austauschs in einer Gruppe sein, für die anderen ist es der Kontakt in einer Trauergruppe, die sich regelmäßig trifft.
Welche Form des Austauschs gewählt wird, hängt nicht nur vom Alter ab und ob der Betroffene einen Internetzugang hat. Auch die jeweilige Trauerphase, in der sich ein Mensch gerade befindet, beieinflusst die Wahl. Nach einer Phase des schützenden Rückzugs ist der Schritt in die Welt hinaus wieder wichtig. Für so manchen Trauernde ist das dann der Zeitpunkt sich auch in eine Gruppe zu begeben, die sich regelmäßig trifft. Auch in der Gruppe geht es darum, wichtige Informationen über den Prozess der Trauer weiterzugeben und sich gegenseitig im Entwickeln von hilfreichen Bewältigungsstrategien zu unterstützen. In der Trauergruppe darf natürlich geweint und geklagt werden, aber – und das ist wichtig – sie darf nicht als „Jammertopf“ missbraucht werden. Trauernde kommen häufig mit der Erwartung in eine Trauergruppe, dass sie hier endlich hemmungslos „jammern und klagen“ dürfen und sind dann enttäuscht, wenn der Raum dafür absichtlich begrenzt ist. Eine Gruppe, in der nur das Wehklagen stattfindet, hält kein Betroffener aus. Vielmehr geht es darum, dass man sich gegenseitig vermittelt, dass man nicht alleine ist in seiner Trauer und dass man sich gegenseitig im Finden von gesunden Bewältigungsstrategien unterstützt oder dass man gemeinsam einfach einmal etwas unternimmt, wobei der Verlust nur am Rande eine Rolle spielt. Die Trauergruppe ist dann ein Art „Kaffeekränzchen“ unter Gleichgesinnten, man hat Unterhaltung, allerdings mit einem bitteren Beigeschmack. Auf diese Weise lernen Trauernde, dass es neben der Trauerarbeit auch Erholungsphasen braucht, in denen man sich was Gutes tut, um für die weitere Arbeit Kraft zu schöpfen.







