Der Tod eines nahestehenden Menschen setzt einen Trauerprozess in Gange. Trauer ist eine natürliche, angeborene und gesunde Reaktion auf einen Verlust. Sehr häufig werden aber Depression und Trauer miteinander verwechselt. Trauernde werden als depressiv bezeichnet und bei tatsächlich depressiven Menschen wird die Depression als Krankheit oft jahrelang nicht erkannt.
Natürlich kann aus Trauer Depression werden. Trauer und Depression sind aber unterschiedliche Phänomene: Das eine ist gesund, auch wenn eine depressive Grundstimmung da ist, das andere ist pathologisch und muss vom Facharzt behandelt werden.
Depression
Eine Depression zu erkennen und von einem gesunden Trauerprozess zu unterscheiden, ist für den Laien meist gar nicht möglich. Eine Abklärung durch den Facharzt für Psychiatrie ist daher angeraten, wenn man unsicher ist und mehrere der folgenden Symptome andauern oder immer wiederkehren:
- Gefühlsabflachung oder Gefühlstaubheit (Verlust der Fähigkeit zu Freude oder Trauer)
- Schlafstörungen
- Antriebslosigkeit
- Morgentief (Antriebslosigkeit vor allem am Morgen)
- Unruhe
- kleine Erledigungen werden als unmöglich zu bewältigen erlebt
- übertriebene Sorge um die Zukunft
- Hypochondrie
- Ängstlichkeit
- Infektionsanfälligkeit
- häufige körperliche Symptome, Schmerzen
- Müdigkeit
- Erschöpfung
- Atemnot, Druck auf der Brust, Beklemmungsgefühle
- Interesselosigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeit, Hilflosigkeit
- soziale Selbstisolation
- Selbstentwertung und übersteigerte Schuldgefühle
- Appetitlosigkeit
Wichtig ist, dass bereits der Hausarzt eine Depression erkennt und zum Facharzt weitervermittelt. Wenn eine Depression nicht erkannt wird, dann werden Schlafstörungen und körperliche Symptome behandelt, nicht aber ursächlich die Depression. Dem Patienten kommt das zwar meist sehr entgegen, weil er sich eine psychische Störung nicht eingestehen mag. Die gedrückte Stimmung, die Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit erklärt sich der Patient meist nicht als typische Symptome für eine Depression, sondern als verständliche Folge seiner Schlafstörungen, körperlichen Symptome und Krankheiten. Das Krankheitsbewusstsein fehlt oft auch deshalb, da der Depressive seine gedrückte Stimmung, seine negativen Gedanken als „normal“ erlebt, weil er die Welt als enttäuschend und belastend wahrnimmt. Dass seine Mitmenschen rund um ihn herum „gut drauf“ sind, kann er nicht verstehen. Er findet sie oberflächlich. Er pathologisiert die Umwelt, nicht sich selbst. Daraus ergibt sich eine für Depressive nicht untypische Wahrnehmungsverzerrung: Negatives Denken, Katastrophendenken, Schwarzmalerei, das Gefühl nicht verstanden zu werden, das Gefühl dauernd zu versagen. Die Folge von all dem ist der soziale Rückzug. Mit ihm verschlimmern sich die Symptome, auch die gedrückte Stimmung.
Wichtig ist auch zu wissen, dass an einer Depression erkrankte Menschen sich nicht „zusammenreißen“ können, deshalb sind Aussagen wie „Reiß dich zusammen!“ oder ähnliche Ratschläge kontraproduktiv. Depressive ziehen sich nur noch mehr zurück.
Zur Unterscheidung zwischen Trauer und Depression
Die depressive Symptomatik tritt im normalen Trauerprozess zwar häufig auch auf, die Symptome halten aber nicht ununterbrochen an bzw. dauern nicht an. So können in beiden Fällen Schlaflosigkeit auftreten, bei der gesunden Trauer legen sich die Schlafstörungen aber nach ein paar Wochen, während bei der Depression Schlafstörungen andauern oder in kurzen Abständen immer wieder auftreten. Während der Trauer spricht man daher nicht von Depression, sondern eher von einer depressiven Verstimmung, welche keine Erkrankung im pathologischen Sinn ist. Die depressive Verstimmung tritt im gesunden Trauerprozess in Phasen auf, dazwischen gibt es auch gute Zeiten, außerdem ist die depressive Verstimmung beeinflussbar: Wenn man einem Trauernden zuhört und ihm zuspricht, wird das als hilfreich empfunden. Bei einem Depressiven dagegen zeigt sich keine Wirkung, seine Stimmung ist durch Zuspruch nicht aufhellbar. Das gleiche gilt für das Weinen. Bei einem Trauernden führt es zur emotionalen Entlastung, dem Depressiven verschafft es keine Erleichterung.
Der Depressive jammert und entwertet sich selbst. Beim Trauernden gibt es diese Selbstentwertung („Keiner mag mich.“ „Ich kann das nicht.“ „Ich bin unfähig.“ Etc.) nicht. Auch Grübeleien, Schuldgefühle und Selbstbezichtigungen legen sich beim Trauernden in der Regel mit der Zeit und durch aktive Bewältigungsarbeit. Depressive bleiben in einem Teufelskreis von Selbstbezichtigungen und Grübeleien („Ich bin schuld!“, „Hätte ich x getan, dann wäre das alles nicht passiert!“ hängen.
Wer grübelt, stellt sich Fragen, die nicht beantwortbar sind und immer mehr in einen Sog von Sinn- und Auswegslosigkeit und Schuldgefühlen führen. Der gesunde Trauernde klagt zwar, wenn er eine schlechte Phase hat, er ist in seinem Denken und Handeln aber aktiv und lösungsorientiert. Der Depressive fällt durch ununterbrochenes vor allem problemorientiertes "Jammern" auf und verhält sich passiv ("Ich kann nicht.", "Ich will nicht.", "Ich mag nicht.") Im Alltag fällt auf, dass er häufig unbewusst und „grundlos“ seufzt, was für die Umwelt meist nicht nachvollziehbar ist. Der gesunde Trauernde sieht keine Lösung im Suizid, beim Depressiven ist das Risiko erhöht.
Einfachste alltägliche Aufgaben sind für depressive Menschen sehr schwer oder gar nicht mehr zu bewältigen, Trauernde kehren bald wieder zu alltäglichen Tätigkeiten zurück, was natürlich nicht heißt, dass sie zu 100% belastbar sind, denn Trauerarbeit braucht Energie. Auch Trauernde ziehen sich anfänglich zurück oder treten leisen. Es ist ihnen aber gleichzeitig ein Bedürfnis, den Sozialkontakt nicht zu verlieren und sie suchen mit der Zeit wieder Kontakt bzw. versuchen auch am gesellschaftlichen Leben wieder teilzunehmen.
Arten von Depressionen:
- Depressive Reaktion: taucht als Folge von Krisen oder belastenden Lebensereignissen auf.
- rezidivierende Depressionen: kommen und gehen und kommen wieder, z.B. saisonal bedingte Depressionen (Winterdepression)
- bipolare Störungen: Wechsel zwischen depressiver Lähmung und unnatürlich manischer Erregtheit
- Dysthymie: chronische, anhaltende Depression, die meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter beginnt
Eine Depression ist immer mit einer biochemischen Störung des Hirnstoffwechsels verbunden: Das System der Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin ist gestört, das heißt, der Spiegel dieser Transmitter ist zu hoch oder zu niedrig, daher ist bei einer Depression auch immer eine medikamentöse Behandlung durch antidepressive Medikamente wichtig, um die Störung des Stoffwechsels im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Ob die Veränderung des Serotoninspiegels eine Ursache oder eine Folge der depressiven Erkrankung ist, ist nicht geklärt. Chronischer Stress und traumatische Erlebnisse können Depressionen auslösen. Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien belegen aber auch eine genetische Disposition für Depression.
Im Einzelfall kann man von einem Zusammenwirken mehrerer Ursachen ausgehen: Wenn eine genetische Anlage zu Depressionen gegeben ist, dann ist das Risiko sehr hoch, dass belastende Ereignisse, Krisen, Stress oder hormonelle Veränderungen durch Pubertät, Schwangerschaft oder Altersprozesse eine Depression auslösen.
Wichtig ist, dass ein Facharzt für Psychiatrie zur Abklärung aufgesucht wird, der dann die passenden Medikamente verschreibt und dass die medikamentöse Behandlung konsequent und längerfristig (wie lange entscheidet der Facharzt) durchgeführt wird. Da Antidepressiva erst nach einigen Wochen ihre Wirkung zeigen, dürfen sie nicht abgesetzt werden, wenn der Patient sich nicht sofort besser fühlt. Wie lange das Medikament genommen werden soll, hängt von der Art der Depression und der Symptomatik ab: Der Zeitraum kann zwischen wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren andauern. Antidepressiva „machen“ übrigens nicht süchtig, wie irrtümlicherweise oft geglaubt wird. Zur raschen Abhängigkeit führen dagegen Schlafmittel oder Beruhigungsmittel, welche häufig verschrieben werden, um die Schlafstörungen, die Ängste und andere Symptome depressiver Patienten zu lindern.
Begleitend zur medikamentösen Behandlung ist eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll, da auch abgeklärt werden muss, ob belastende Lebensumstände oder Ereignisse Ursache der Depression sind und mit therapeutischer Unterstützung bearbeitet werden müssen.
Zur therapeutischen Behandlung werden unterschiedliche psychotherapeutische Behandlungsmethoden angeboten, die vor allem auch von der Art der Depression abhängen. Es ist also nicht ratsam, sich einen „Therapeuten“ aus dem Telefonbuch herauszusuchen, sondern eine Beratungsstelle aufzusuchen, welche den Patienten „richtig“ zuweisen kann. Diese Funktion kann auch der Psychiater, die psychiatrische oder eine psychologische Ambulanz erfüllen.
Viele hilfreiche Informationen und vor allem einen Wegweiser zu Beratungsstellen und Ärzten in Ihrer Umgebung finden Sie unter: http://www.depression.at/
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