„Werden wir von Würmern gefressen?“ – Aufklärungsunterricht der anderen Art

Aufklärungsunterricht im Krematorium20 Kids einer 4. Klasse Volksschule besuchen unser Krematorium. Sie sind ein bisschen aufgeregt, aber vor allem neugierig. Bei weitem aufgeregter wirken die beiden Lehrerinnen. Sie haben sich entschlossen mit ihrer Klasse den Workshop „Was kommt danach?“ im TrauerHilfe Krematorium Kramsach zu besuchen. Mutig sind die beiden, das muss man ihnen lassen, denn sie wissen nicht genau, was jetzt auf sie zukommt.
Der Tod und die Toten wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr versteckt und tabuisiert. Vermeidung und Uninformiertheit sind aber ein guter Nährboden für Gerüchte, Ängste und Fehlinformationen rund um das Thema "Tod und Bestattung". In letzter Zeit kommen die Toten jedoch durch die Hintertür in die Wohnzimmer: Das Abendprogramm ist voller Leichen. Je reißerischer die Story, je entstellter die Verstorbenen und je skurriler die BestatterInnen, PathologInnen und GerichtsmedizinerInnen, desto erfolgreicher sind namhafte Serien und Bestatter- Soaps. Es scheint also ein dem Menschen natürliches Interesse an der Konfrontation mit seinem Ende zu geben. Nur, ob diese Art der Konfrontation hilfreich sind? Ob dadurch Fragen geklärt werden? Wohl kaum. Das Gegenteil ist der Fall. Denn die gezeigten Toten sind immer gewaltsam ums Leben gekommen und in eine gruslige Story verpackt, das Ganze wird dann zusätzlich mit packender Musik untermalt. Solche Filme sind zugegeben spannend! Aber wenn sie die alleinige Auseinandersetzung mit dem Thema „Tod“ bilden, dann steigern sie die Angst und nicht selten werden in ihnen alte Mythen und Fehlinformationen weitertransportiert.

Mehr sachliches Wissen bedeutet weniger angstbesetzte Phantasien. Das gilt gleichsam für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche. Und um das menschliche Bedürfnis nach Konfrontation mit dem eigenen Tod, um die sachliche Auseinandersetzung damit und um den Abbau von Angst geht es in unserem Workshop. Im Abschiednahmebereich des Krematoriums, der auch „Feuerhalle“ genannt wird, können sich Angehörige auf Wunsch noch einmal von ihren Verstorbenen verabschieden und sie können bei der Einfuhr des Sarges in den Kremationsofen mit dabei sein, um den Verstorbenen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Das nennt man „Termin-Kremation“. Für diesen Zweck wird die Feuerhalle für die Angehörigen gebucht.

Heute ist keine Termin-Kremation geplant, es steht ein Sarg vor der Einfuhröffnung vorbereitet. In der anderen Raumhälfte steht ein Sesselkreis mit einer Holzkiste in der Mitte, die ein bisschen wie ein kleiner Sarg aussieht. Die Kids suchen sich einen Platz und sind gespannt auf das, was da kommen mag. „Ist da ein echter Toter in dem Sarg?“, will ein Mädchen wissen, das direkt beim Sarg sitzt. „Ja“, sage ich und er bleibt jetzt noch ein bisschen bei uns. Später dürft ihr, wenn ihr wollt, dabei sein, wenn der Sarg in den Ofen eigeführt wird.“ Aber zuerst will ich von euch wissen, was in dieser Kiste hier drinnen sein könnte. Und nun beginnt das große Rätselraten: „Kerzen“, meint Lukas. „Und ein Kreuz“, meint Sabrina. „Nichts?“, fragt die Lehrerin. „Ein Skelett“, sagt Kevin. Und dann wird es grauslig, denn Simon legt eins drauf: „Erde mit Würmern drinnen!“. „Iiiiiiiiiiiiiigitt“, kichern die Mädchen. Die Lehrerinnen wollen eingreifen, ich verhindere das. Die Kinder sollen ruhig ihren Phantasien Lauf lassen, weil darum geht es ja unter anderem auch, dass wir diese Phantasien und Vorstellungen bearbeiten.

„Na, dann macht die Kiste doch einfach auf und schaut mal rein. Jeder darf sich was rausnehmen und dann sehen wir, ob ihr wisst, für was diese einzelnen Gegenstände
gut sind“, sage ich. So beginnt typischerweise der Workshop „Was kommt danach?“ für Schulklassen. Begonnen hat alles im Jahr 2005, als die „Was-kommt-danach?-Box“ gepackt wurde. Damals hatte ich nur eine ungefähre Vorstellung, wo überall sie in Einsatz kommen würde. Und es gab natürlich auch Skeptiker, die meinten: „Wer wird sich dafür schon interessieren?" – Weit gefehlt, Skeptiker! Es hat sich herausgestellt, dass die WKD-Box bei SchülerInnen verschiedenster Altersstufen und Schultypen, bei LehrerInnen, bei medizinischem und Gesundheitspersonal, aber durchaus auch bei Seniorengruppen für Spannung sorgt: Zunächst weckt die Frage, was in der Was-kommt-danach?- Box wohl drinnen sein könnte, einfach Neugier. Beim Auspacken wird es zunächst schon etwas gruselig, aber es entstehen ganz konkrete Fragen zu den Themen „Tod, Leichnam, Trauer, Abschiednahme und Bestattung“, die mit Hilfe der Inhalte dem jeweiligen Alter der Teilnehmer altersgerecht bzw. auch berufsspezifisch beantwortet werden können. Dabei wird niemand überfordert, denn mit der Box holen wir Kinder und Erwachsene wirklich dort ab, wo sie gerade sind: Die Teilnehmer selbst entscheiden, welche Fragen sie beantwortet haben wollen. Kinder stellen wesentlich härtere Fragen als Erwachsene. Das hat zum einen damit zu tun, dass Kinder grundsätzlich tabuloser sind als Erwachsene. Zum anderen ist für sie der Tod meist noch weit entfernt und damit ist der Zugang zum Thema wesentlich weniger angstbesetzt als bei Erwachsenen. Und: Kinder sind einfach neugieriger. Das heißt: Wenn Lehrerinnen beim Auspacken der Box mit ihren Schulkindern mit dabei sind, dann brauchen sie starke Nerven, denn sie stellen fest, ihre Kids sind wesentlich härter im Nehmen als sie selbst.

Beim Auspacken der Box, die mit verschiedensten Alltagsmaterialen aus dem Bestattungsbereich gefüllt ist, entstehen Fragen, die dann sachlich und konkret beantwortet werden.

Da gibt es einfache Sachfragen:

  • Was zieht man einer verstorbenen Person an und was darf man ihr mitgeben?
  • Wie sieht ein Sarg von innen aus?
  • Wie entsteht die Leichenstarre?
  • Wie sieht ein toter Mensch aus?
  • Wann ist man überhaupt wirklich tot?
  • Wie sieht die Asche eines Verstorbenen aus?
  • Wie viel bleibt nach der Einäscherung von einem Menschen übrig?
  • Wie funktioniert der Verbrennungsofen?
  • Wie riechen Tote? – Stinken die?

Das sind Fragen, welche Erwachsene meist nicht beantworten können, weil sie es selbst nicht wissen. Wenn eine Schulklasse ein Bestattungsinstitut oder ein Krematorium besucht, dann kann man diese Fragen auch anschaulich beantworten, denn man ist vor Ort und bei Fachleuten. Es entstehen auch Fragen, die zum Teil im Zusammenhang mit Mythen und Irrtümern stehen, die seit Jahrzehnten in unserer Gesellschaft verbreitet werden und völliger Unsinn sind, dazu gehört der Mythos vom Leichengift und der Irrtum, dass man im Erdgrab von Würmern aufgefressen wird. Grade die Würmer machen vielen Menschen, die Angst vor dem Tod noch größer, denn die Vorstellung ist ja wirklich nicht schön. Weit verbreitet ist auch noch die Angst vor dem Scheintod, den man heute wirklich ausschließen kann, da der Arzt bei der Totenbeschau an den sicheren Todeszeichen auch den sicheren Tod feststellen kann. Wenn man mit den Kids über die Entstehung der sicheren Todeszeichen  das sind-
Totenstarre und Totenflecken - spricht, dann sind das sachlich-biologische Zusammenhänge, die den Tod weniger gruslig machen. Denn die Totenstarre ist halb so gruslig, wenn Kinder verstehen, dass sich dabei die Muskelfasern miteinander verkleben und somit unbeweglich werden, weil sich ein Stoff namens Adenosintriphosphat im Körper abbaut.

Es gibt auch Fragen, die entstehen, weil Kinder lange Zeit den Tod nicht als etwas Endgültiges und auch nicht als den totalen Ausfall der Lebensfunktionen verstehen können. Sie haben dann auch Fragen wie

  • Kann man im Sarg wieder aufwachen?
  • Kann man auch mit offenen Augen tot sein?
  • Wie gehen Tote im Sarg aufs Klo?
  • Ist ihnen nicht zu kalt?
  • Ist den Toten langweilig? Sind sie einsam?

Die Kids beim ProbeliegenWenn die WKD?-Box fertig ausgepackt und alle Fragen beantwortet sind, gibt es eine Führung durchs Krematorium: Es wird die Kühlung mit den Särgen besichtigt, denn wer da einmal durchgeht, weiß, wie kalt es zuhause im Kühlschrank ist. „Jetzt weiß ich, wie sich das tote Hendl im Kühlschrank bei mir zuhause fühlt“, sagt Vanessa. Gekicher, strenge Blicke der Lehreinnen. Ist das nicht pietätlos, so etwas neben den Särgen, in denen Tote liegen, zu sagen? Nein, meine ich und sage zu Vanessa: „Jetzt weißt du, wie du dich bei 4 Grad fühlst, das tote Hendl im Kühlschrank fühlt ja nichts mehr.“ „Ach ja!“, sagt Vanessa, „das hab ich ganz vergessen“. Der Ofenraum wird betreten, hier dürfen die Kids Asche sehen. „Das ist ja gar keine Asche, das sieht ja aus wie Katzenstreu!“, meint Oliver verblüfft und klar: Alle müssen lachen. „Da hast du recht“, sagt Betriebsleiter Alex, der gerade eine Aschenkapsel befüllt. Es bleibt nämlich am Ende gar keine Asche über, das sagt man nur so. Es bleibt ein grobkörniges Knochengranulat über und zwar so viel, wie ein Mensch in etwa wiegt, wenn er auf die Welt kommt, – also 2,5 bis 4 kg.“ Und alle staunen, dass es so viel ist. Bleibt noch der Sarg, in den man hineinschauen kann. Nein, da liegt kein Toter drinnen, aber die Kinder sollen ja sehen, wie so ein Sarg von innen aussieht. Zwei Buben und zwei Mädels machen sich an den Sargschrauben zu schaffen, die anderen warten gespannt. „Das ist ja wie in einem Bett!“, stellt Vroni nüchtern fest und fragt, ob sie mal Probeliegen darf. „Ja, cool“, schreien vier andere und nun verlieren die Lehrerinnen ein bisschen die Nerven, denn geht es jetzt nicht wirklich zu weit? „Warum geht das zu weit?“ frage ich. Was ist so schlimm daran, wenn wir wissen wollen, wie man am Ende gebettet wird? Die Kinder jedenfalls finden das ganz normal und also steigen sie einer nach dem anderen in den Sarg „wie in die Badewanne“ hinein. Na gut, sagt am Ende die eine Lehrerin, wenn ich da so zuschaue, dann will ich mich jetzt auch mal da reinlegen und es einfach ausprobieren. „Aber nur, wenn wir den Deckel auch zumachen dürfen, Frau Lehrerin“, meint Kevin. Und dann sind wir alle wirklich verblüfft: Denn die Lehrerin erlaubt das tatsächlich. Der Nachmittag ist vorbei. Aufgeregt sind sie gekommen und haben sich auf ein Abenteuer eingelassen, bei dem vieles was offen und unklar war, beantwortet und geklärt wurde. Alle merken, dass die sachliche und lockere Konfrontation mit der Frage „Was kommt denn wirklich danach?“ Orientierung und Erleichterung bringen und dass die Angst weniger geworden ist. Und es hat sogar Spaß gemacht hat.

Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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