Trauer und Trost zum Weihnachtsfest 2010

images/stories/News/weihnachten 07 300x300.jpgWeihnachten und Neujahr stehen wieder vor der Tür. Was für die einen das Fest der Freude und Familie ist, ist für diejenigen, die ein Familienmitglied, einen Partner oder Freund verloren haben, kein Frohes Fest mehr, im Gegenteil – es sind schlimme Tage, an denen das Fehlen der Verstorbenen besonders schmerzhaft bewusst wird.

Vergangene Woche haben wir in unserer Trauergruppe für trauernde Eltern über die Bedeutung von Weihnachten nach dem Verlust eines Kindes gesprochen. Zwar gehen die betroffenen Eltern ganz unterschiedlich an diese Tage heran, aber mir ist wieder einmal aufgefallen, dass Trauernde diesen Tagen zwar mit großer Angst entgegenblicken, die wenigsten überlegen sich aber Strukturen und Strategien, wie sie diese Tage verbringen können. Die Angst vor Weihnachten und Silvester ist lähmend: Man hofft, dass sie „irgendwie vorbeigehen“. Dennoch möchte ich alle Betroffenen erinnern: Plant, strukturiert, überlegt euch, was ihr wann machen wollt und was nicht! Struktur verhindert am ehesten, dass ihr gänzlich in das schwarze Loch fallt, vor dem ihr euch so fürchtet. Plan und Struktur helfen, verplant aber eure Trauer nicht gänzlich! Gebt ihr bewusst auch Raum und Zeit, denn ihr könnt sie nicht verhindern. Beziehungsweise: Ihr könnt sie schon verdrängen, die Trauer, aber dann holt sie euch eben später umso heftiger ein:

„Gefühle sind im Grunde genommen wie eine Grippe. Wenn du sie verschleppst, bekommst du sie nach einer Weile umso härter vor die Rübe geknallt.“ Das ist ein Vergleich, der mir sehr gut gefällt, er stammt aus dem niederländischen Roman-Zweiteiler von Kluun.[1]

Für eine  Bekannte von mir, deren Tochter vor Jahren gestorben ist, ist Weihnachten seither nur mehr ein Krampf und ein Kampf. Jedes Jahr lädt sie die gesamte Familie über die Feiertage zu sich ein. Sie beschreibt es so: „Die Hektik und die Arbeit, die durch diesen Besuch entstehen, lassen mich funktionieren, da bin ich abgelenkt, weil ich den ganzen Tag auf Trab bin und dann abends völlig erschöpft ins Bett kippe. Aber mir graut schon wieder so davor! Mir ist überhaupt nicht danach zumute! Ich möchte sie alle  jedes Jahr ausladen, irgendwo hinfahren, aber es ist halt so Tradition und ich trau mich nicht, denen abzusagen.“

Liebe Trauernde: Ich möchte euch ermutigen, aus alten Traditionen auszubrechen, wenn sie euch nicht mehr gut tun. Traditionen geben an sich Halt, aber manchmal können sie unglaublich belastend sein – vor allem dann, wenn Trauernde um des lieben Familienfestes Willen glauben, schauspielern zu müssen. Ihr müsst nicht schauspielern und schon gar nicht müsst ihr dauernd auf andere Rücksicht nehmen, um ihren Feiertagsfrieden nicht zu stören. Es ist weder gut, sich von Emotionen völlig überwältigt in ein Loch fallen zu lassen, es ist aber auch nicht gut, Trauer völlig zu verdrängen. Es geht auch an diesen Tagen darum, den Balance-Akt zwischen dem „Zulassen von Trauer“ und der  „Ablenkung/Erholung von der Trauer“ zu schaffen:

Ein paar Gedanken zur Gestaltung der Weihnachtsfeiertage habe ich im Ratgeber unter Frohes Fest? - die Feiertage "überleben" zusammengefasst. Hier gehts zum TrauerRatgeber:

http://www.aspetos.at/news/index.php/ratgeber/religion/567-frohes-fest-die-feiertage-ueberleben

http://www.aspetos.at/news/index.php/ratgeber/religion/567-frohes-fest-die-feiertage-ueberleben

Für Tröstende: "Was wirklich tröstet und hilft ..."

Ein weiteres Thema ist mir noch wichtig und zwar: Wie sollen sich denn Freunde und Angehörige verhalten? Wie können sie  Trost und Halt geben, wo es scheinbar keinen Trost gibt, wo Trösten-Wollen sogar völlig in die Hose gehen kann?

Im TrauerForum haben Betroffene selbst formuliert, was ihnen hilft und was nicht. Ich möchte alle Menschen, die mit trauernden Angehörigen und Freunden zu tun haben und hilfreich sein wollen, ermutigen, diese Zeilen zu lesen, denn es sind wertvolle Tipps und Erfahrungen von den Betroffenen selbst:

Was mir geholfen hat:

  • Das Zusammenstehen eines Dorfes -  die vielen guten Kuchen, die wir in dieser Zeit bekommen haben
  • Stille Umarmungen, wortlose Begegnungen
  • Die vielen Jugendlichen, die so einfach, ungkünstelt und ungehemmt mit ihrer Trauer umgegangen sind
  • Die Anteilnahme beim Beten, zu den offiziellen Zeiten und einfach so zwischendurch - bei uns wars im Haus, da war richtig viel los
  • Am meisten getröstet haben mich Menschen, die mich einfach ohne Worte umarmt haben.
  • Menschen, die mir ehrlich gesagt haben, sie finden einfach keine Worte für das Geschehene.
  • Menschen die mir gesagt haben, wie sehr sie ihn gemocht haben, bevor ich über ihn zu reden angefangen habe.
  • Jedes kleine Wort - eben auch nach längerer Zeit - es ist nichts vorbei!
  • Einfach angesprochen werden
  • Über den Verstorbenen sprechen - keine Angst, man reißt keine Wunden auf, sie sind meist noch nicht mal verheilt...
  • Anrufen und Nachfragen, auch wenn die Beerdigung schon lange vorbei ist -  denn das "Loch" kommt meist später, wie wir wissen, und man hat selbst nicht die Kraft jemanden anzurufen...
  • Praktische Hilfe (zb. Wäsche bügeln und Blumen gießen, Babysitten, Einkaufen, Haushaltserledigungen, mal den Hund abnehmen, etc...) - das hilft sicher auch gegen die Hilflosigkeit
  • Die Anrufe meiner Freundin - macht man selber nicht mehr
  • Blumen, Kerzen, Zeichen am Grab, an der Unfallstelle
  • Gemeinsame Besuche auf dem Friedhof oder Hilfe bei der Grabpflege
  • Den Betroffenen mit Unternehmungen etwas aus der Trauer locken, aber auch Verständnis haben, wenn die Person für Ablenkung noch oder gerade nicht bereit ist...
  • Den Betroffenen immer mal anstupsen, dass er sich was gutes Tun soll - dass er auf die eigenen Bedürfnisse nicht vergisst - trotz all der Trauer
  • Auch wenn es schwer fällt, weil man selbst keinen großen Verlust erlitten hat, einfach versuchen, sich in die Person hineinzufühlen, zuhören und auch mal wortlos dasein.
  • Toleranz für den individuellen Trauerweg des Betroffenen - jeder Mensch geht anders damit um!
  • Dem Verstorbenen den Platz geben, den er auch weiterhin in der Trauerfamilie haben wird

Was überhaupt nicht tröstet oder sogar sehr kränken kann:

  • Den Jahrestag übergehen aus Angst vor was auch immer...
  • Den Betroffenen dazu drängen, z.B. das Zimmer oder persönliche Erinnerungsstücke um- oder wegzuräumen. - Den Zeitpunkt dafür muss der Betroffene selbst wählen!
  • Den Schmerz des Betroffenen zu bewerten, indem man z.B. seine eigenen Erfahrungen mit dem Tod als schlimmer darstellt...
  • Floskeln wie "Alles geht vorbei!" oder "Die Zeit heilt alle Wunden!"
    • Worte wie: Es ist besser so... jetzt habt ihr einen Engel
    • Die Guten holt der liebe Gott zuerst – (sind alle anderen schlechter????????)
    • Hast ja noch Kinder
      Wer weiß, wofür es gut ist
      Geht dir eh ganz gut, schaust gut aus............
  • Krampfhafte Versuche irgendwie Hoffnung zu schenken in einer Zeit, wo die Hoffnung für den Betroffenen einfach nicht greifbar ist...
  • Gefühlsausbrüche des Betroffenen stoppen - mit "Er oder sie möchte sicher nicht, dass Du weinst..." o. ä. Die Trauer zeitlich eingrenzen - zb. Fragen, ob der Betroffene nach 6 Monaten schon drüber weg ist, o. ä.
  • Verlangen, dass der Trauernde nach kurzer Zeit schon zu funktionieren hat (egal ob für Beruf oder die Familie)
  • "Du bist eh immer so stark, dass schaffst du auch noch, sicher, bestimmt, wer, wenn nicht du...."
  • Unüberlegtheit bei manchen Sätzen: Wieso geht es dir schlecht---- nach 3-4 Monaten --- immer noch?


Alle „Does and Don’ts“  im Umgang mit Trauernden könnt ihr unter folgendem Link nachlesen:

http://www.aspetos.at/forum/index.php?page=Thread&threadID=547

In jedem Fall ist es aber immer gut nach der Devise "Fragen nicht Vermuten" vorzugehen. Fragt einfach nach, was ihr tun könnt, um zu helfen, und akzeptiert bzw. seid nicht gekränkt, wenn eure Hilfe im Moment nicht gebraucht wird. Vielleicht werdet ihr zu einem späteren Zeitpunkt gebraucht. Signalisiert einfach Gesprächs- und Hilfsbereitschaft.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren LeserInnen, dass diese Tage gelingen mögen, wenn sie für viele unter euch auch eine Herausforderung und schwer sind!

Christine und das ASPETOS-Team



[1] Kluun erzählt in den beiden Romanen die Geschichte einer jungen Familie, in der eine junge Mutter an Brustkrebs erkrankt (1. Teil „Mitten ins Gesicht“) und  schließlich stirbt (2.Teil „Ohne sie“). Der Zweiteiler ist harte Lesekost, ein moderner Pop-Roman in der Sprache der Jungen und ohne geheuchelte Moral, denn nachdem sich die junge Frau für das Beenden ihrer Qualen durch aktive Sterbehilfe entschlossen hat, neigt der junge verwitwete Mann zunächst zu recht krassen Strategien, um den Tod seiner Frau zu „vergessen“. Dennoch -  er findet schließlich einen guten Weg der Trauerarbeit für sich und seine kleine Tochter.


Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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