Trauma-Arbeit nach Terror in Norwegen

images/stories/News/422543_r_k_by_ernst-rose_pixelio.de.jpgImmer mehr schreckliche Details wurden in den vergangenen Tagen nach dem Terrorakt von Anders Breivik in Norwegen bekannt. Die sogenannte „Akutphase“ ist vorbei, Norwegen und der Rest der Welt befinden sich im Spannungsfeld zwischen „Reaktionsphase“ und „Bearbeitungsphase“ nach dieser Katastrophe. Der Weg zurück in den Alltag und eine "neue Normalität" hat begonnen.

Da Terrorakte immer das Ziel haben, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu schädigen, bedrohen sie die psychische Stabilität einer großen Gruppe von Menschen, einer Region oder – wie im aktuellen Fall – eines ganzen Landes. Nicht nur unmittelbar Betroffene – also  überlebende Zeugen und Angehörige – reagieren mit Belastungsreaktionen, sondern auch an sich unbeteiligte Personen, da durch diesen – ohne Vorwarnung in eine „heile Welt“ hereinbrechenden – Gewaltakt unser Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt wird. Die Annahme „Terror gibt es nur in fremden Ländern, weit weg von uns, wir hier sind sicher“, entpuppt sich als Illusion. Das Entscheidende an einer Traumatisierung nach einer solchen Katastrophe ist der Verlust der Sicherheit, es kommt zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer existentiellen Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.

Phasen der Traumatisierung:

Die Akutphase beginnt sofort, unmittelbar im und anschließend an das traumatische Ereignis und äußert sich durch den Zustand des Schocks. Er ist gekennzeichnet durch Betäubung oder durch chaotisch-ungesteuerte Aktivitäten.

Die psychologische Erste Hilfe beginnt noch am Ort des Geschehens durch so genannte  Kriseninterventions-Teams. Ihr Ziel ist es, den Betroffenen und Angehörigen Sicherheit zu vermitteln und sie zu stabilisieren. Die Helfer stellen eine Kommunikationsbasis für gesicherte Informationen her, planen die nächsten Schritte und bleiben bei den traumatisierten Personen bis die Schock-Reaktionen abklingen und weitere Auffangnetze gesichert sind.

In der Reaktionsphase kommt es durch die erste Konfrontation mit der Realität häufig zu Belastungsreaktionen. Belastungsreaktionen sind normale Reaktionen auf ein nicht-normales Ereignis. Sie zeigen an, dass sich die Psyche des Menschen mit  dem Geschehenen auseinandersetzt. Belastungsreaktionen wie unkontrollierbare belastenden Gedanken und Erinnerungen oder Albträume, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsstörungen, das Vermeiden von Orten und Personen, die an das Ereignis erinnern, treten bei Opfern, Angehörigen, unter Umständen auch bei „an sich“ unbeteiligten Personen auf und sind in den ersten 4 bis 6 Wochen normal. Bei den allermeisten Menschen klingen diese Reaktionen nach wenigen Wochen ab.

Hilfreich ist es, Betroffene in dieser Phase so viel über das Erlebte, die Gefühle, Gedanken, Sorgen, Hoffnungen berichten zu lassen, ihnen einfach zuzuhören, sie ernst zu nehmen, allerdings ohne Ratschläge aufzudrängen. Man kann vorsichtige Orientierungshilfen zur realistischen Einschätzung der Lage geben, sollte aber irreale Hoffnungen und Wünsche nicht zerstören. Zur rationalen Klärung der Ereignisse dürfen Betroffene niemals gedrängt werden, sie signalisieren selbst, wann sie soweit sind: Die Realität soll langsam bewusst werden, zu schnelle Konfrontation kann schaden, weil sie die angeborenen natürlichen Schutzmechanismen der Psyche außer Kraft setzt.

Der Tagesablauf in den ersten Tagen nach dem Trauma sollte strukturiert werden, das heißt, Betroffene sollten so viel selbst erledigen wie sie verkraften. Unterstützung tut gut, aber es sollte nicht alles abgenommen werden: Die Strukturierung der ersten Tage danach und auch die Selbstständigkeit verhelfen dazu, erste Schritte in die neue Zukunft zu gehen und vermitteln das Gefühl, selbst etwas dazu beizutragen, Kontrolle bzw. Boden unter den Füßen zu gewinnen. Wichtig ist auch, das soziale Netzwerk, also Familie, Freunde, Arbeitskollegen rund um die Betroffenen zu aktivieren.

Die Bearbeitungsphase beginnt Tage bis Wochen nach dem Ereignis: Erst jetzt können die Ereignisse nach und nach verstanden werden, erst jetzt ist eine realistische Einordnung des Geschehenen und der Folgen möglich. Fragen nach Ursachen und Schuld können nun rational geklärt werden. Der Blick wendet sich langsam von der Vergangenheit auf die Zukunft.

Neuorientierung bedeutet, dass das Trauma als Teil des eigenen Lebens akzeptiert wird. Es kann der Vergangenheit zugeordnet werden, die Orientierung richtet sich auf die Zukunft, ein neuer Abschnitt, eine neue Normalität beginnt. Die 3 „Ls“: "Leben, Lachen und Leisten" werden wieder möglich.

Trauma- und Trauerarbeit brauchen Zeit und Geduld. Wie lange die Bearbeitung dauert ist individuell sehr unterschiedlich. Sie kann Monate oder Jahre dauern.

Von Posttraumatischen Belastungsstörungen spricht man, wenn die Symptome länger als 6 Wochen andauern oder zeitverzögert (Monate oder Jahre nach dem Ereignis) auftreten. Sie sind auch noch keine „Krankheit“, man sollte hier aber präventiv professionelle Unterstützung suchen, da die Gefahr der Chronifizierung gegeben ist.

Als Grundregel gilt: Die Auseinandersetzung mit den belastenden Ereignissen ist besser als die Verdrängung,  die Verleugnung  oder die Bagatellisierung, auch wenn dies ein schmerzhafter Prozess ist. Allerdings ist es auch wichtig, zwischendurch immer wieder Ablenkung,  Erholung und Entspannung zu suchen, weil Trauma-Arbeit Schwerstarbeit ist und enorm viel Energie kostet.

Das Ziel von Terroristen ist, Schrecken und Panik zu verbreiten, das Gefühl der Sicherheit zu untergraben, die Bevölkerung und ein Land in eine Krise zu stürzen. Dieses Ziel wird meist nicht erreicht. Im Gegenteil: Gerade Breiviks Wahnsinnstat zeigt, dass unmittelbar nach den Ereignissen eine unglaubliche Welle von Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst wird, welche ein unglaublich wichtiges stabilisierendes Auffangnetz für die Betroffenen darstellen und welche es der Bevölkerung ermöglicht, ihr Sicherheitsempfinden wieder zu stärken. Damit erreichen Terroristen eigentlich das Gegenteil von dem, was sie bezwecken, nämlich Toleranz, Mitgefühl und Liebe.

Verwandte Artikel:

http://www.aspetos.at/news/index.php/ratgeber/religion/776-qfrozen-statesq-gefahren-der-traumatisierung

Quelle:

Hausmann, C.: Handbuch Notfallpsychologie und Traumabewältigung. Wien (facultas) 2003.


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Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

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Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


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Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


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Termine 2012:

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Samstag 28. April Kreuttal
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Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


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In der Trauer lebt die Liebe weiter...

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Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

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Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


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Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

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Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


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Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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