Der Heilige Abend - alleine, aber nicht einsam

/551928_web_r_k_by_petra bork_pixelio.de.jpgDie meisten Österreicher feiern den Heiligen Abend im Kreis von 4 bis 6 Personen. 6 Prozent feiern zu zweit.  4 Prozent sind allerdings alleine. Und wer alleine ist, fühlt sich meist einsam. 4 Prozent - das sind rund 265.000 Menschen.

Darunter sind viele Menschen, die vor einem oder zwei Jahren noch zu jenen 6 Prozent gehört haben, die am Weihnachtsabend immerhin zu zweit waren. Dann plötzlich stirbt dieses letzte Familienmitglied, der Partner, die Partnerin beziehungsweise einfach jener Mensch, der für das eigene Leben und das „Fest der Liebe und Familie“ wichtig war. Und dann ist man plötzlich alleine.

Die Dunkelheit der Jahreszeit, das mangelnde Licht macht Trauernden das Leben um Weihnachten zusätzlich schwer. Trauernde ziehen sich oft noch mehr zurück in die Isolation, weil sie Weihnachten ausblenden wollen, um dem Trauerschmerz, der an Weihnachten besonders stark wird, auszuweichen und dadurch das Einsamkeitsgefühl zu reduzieren. Ein völliger Rückzug kann aber fatal sein, weil sich depressive Verstimmungen, Depressionen oder Angststörungen dadurch unter Umständen verstärken.

Das Bedürfnis allem Weihnachtlichen -  großen Ansammlungen von fröhlichen Menschen, Musik, Silvesterknallerei, johlenden Menschen in Feierlaune - ausweichen zu wollen, wenn man gerade einen Verlust erlitten hat, kann ich gut verstehen, denn es verletzt einfach, wenn die Welt feiert als wäre nichts passiert.

Ich kenne Angehörige, die sagen: „Ich lasse Weihnachten heuer ausfallen.“ Sie überlegen sich auch sehr gute Strategien: Am 24. abreisen – in ein Wellness-Hotel irgendwohin, sich dort in die Sauna legen und am Abend das Zimmer nicht verlassen. Essen vor dem Hotelfernseher, die Minibar plündern. Oder: Am 24. am späten Nachmittag die Rollländen runterlassen und – um dem Weihnachtsprogramm im Fernsehen auszuweichen – sich mit DVDs eindecken. Das Radio konsequent ausgeschaltet lassen.

Das alles ist – gerade wenn Trauer noch frisch und stark ist – in Ordnung, solange daraus nicht ein totaler Rückzug ins eigene Schneckenhaus wird und die Wohnung oder das Hotelzimmer gar nicht mehr verlassen wird. Wer diese Vermeidungsstrategie wählt, muss darauf achten, dass der Rückzug nicht „Programm“ wird. Wichtige Gegenmaßnahme, um gesund zu bleiben oder depressive Symptome nicht zu verstärken, ist der tägliche Spaziergang in der frischen Luft, am besten in der Mittagszeit bzw. am frühen Nachmittag, einfach, um das wenige Licht zu tanken, das da ist. Bewegung lindert die depressive Symptomatik zudem. Wer in einem nebligen Gebiet lebt oder wenn das Wetter schlecht ist, sollte trotzdem raus und ist gut beraten, sich zusätzlich eine Tageslicht-Lampe zuzulegen. Bei ebay gibt es Modelle zu einem erschwinglichen Preis. Es ist gut angelegtes Geld. Außerdem ist wichtig, dass Sie in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr doch auch Kontakt zu den wenigen Menschen halten, die ihnen gut tun. Rufen Sie sie an, kündigen Sie einen Besuch an. Oder laden Sie einfach zu sich selbst ein. Zögern Sie nicht, den ersten Schritt zu machen, denn oft ist es einfach die Unsicherheit, welche die anderen daran hindert den ersten Schritt zu machen und sie zu kontaktieren.

„Alleine-Sein“ am Hl. Abend oder an Silvester wird oft auch als „selbstverschuldeter Misserfolg“ bewertet. Wer Angst vor dem Alleine-Sein hat, sollte einen Strategieplan gegen die Einsamkeit entwerfen: Jede Region hat Veranstaltungen zu bieten. In den Landeshauptstädten gibt es Angebote für alleinstehende Menschen am Heiligen Abend. Es gibt auch Party-Angebote für die Feiertage. Gerade an Silvester kann man sich in die Menge stürzen. Einen Versuch ist es zumindest wert. Man könnte auch einmal versuchen bei Bekannten oder Freunden über diese Einsamkeit zu sprechen, vielleicht ist es diesen Menschen gerade nicht bewusst und vielleicht gibt es dann eine Einladung.

Es gibt kein Patentrezept für diese Tage, aber es ist wichtig, sich einen Plan zu machen, um nicht in ein schwarzes Loch zu stürzen. Und der Plan sollte sich an Ihren Bedürfnissen orientieren und nicht an dem, "was man an Weihnachten tun soll". Sollen und müssen tut man gar nichts!

Will ich alleine sein und Weihnachten ausfallen lassen?

Dann überlegen Sie sich ein Programm, das Ihnen „alleine“ gut tut, Sie aber trotzdem nicht einsam sein lässt.

  • Ein Last-Minute-Angebot buchen? Oder: Ein Wellness-Programm für Zuhause planen?
  • Was entspannt mich, was tut mir gut? Vielleicht gibt es für das Wellnessprogramm noch besondere Besorgungen zu machen?
  • Am 24. am Vormittag hat vielleicht noch die ein oder andere Sauna offen?
  • Einige Museen habe sogar bis am Nachmittag offen.
  • Oder Sie machen einen Waldspaziergang.
  • Vielleicht möchten Sie Ihre Verstorbenen am Friedhof besuchen?
  • Am Nachmittag lassen Sie Weihnachten einfach vor der Tür.
  • Sorgen Sie für ein gutes Essen, das Sie sich zubereiten können: Wenn Sie Weihnachten ausfallen lassen wollen, vielleicht aber kein typisches Weihnachtsmenü!
  • Decken Sie sich mit Filmen ein oder mit Romanen.
  • Lesen Sie bis Sie müde sind und gehen Sie nicht zu früh schlafen.
  • Am nächsten Tag: Wieder raus ans Sonnenlicht und auch hier: Ein Programmpunkt wäre wichtig: Vielleicht besuchen Sie jemanden?
  • Wen könnten Sie in den kommenden Tagen treffen oder zu sich einladen?
  • In unserem TrauerForum auf ASPETOS treffen Sie Menschen, die gerade Ähnliches durchstehen: http://www.aspetos.at/forum/


Will ich Weihnachten nicht ausfallen lassen und habe ich Angst vor dem Alleine-Sein? Auch hier ist ein Programm wichtig:

  • Sprechen Sie mit Freunden oder Bekannten über Ihre Einsamkeit, vielleicht ergibt sich eine Einladung, die Sie gerne annehmen. Wichtig ist: Alleine sein ist kein Misserfolg! Sie haben keine Schuld und Sie dürfen darüber sprechen, Sie müssen sich nicht schämen
  • Wenn Sie das nicht mögen: Schauen Sie in der Tageszeitung oder im Internet, welche Veranstaltungen angeboten werden.
  • Machen Sie am 24. untertags einen Programmpunkt: Einen Saunabesuch, einen Spaziergang, noch einkaufen gehen, einen Museumsbesuch? Vielleicht möchten Sie Ihre Verstorbenen am Friedhof besuchen?
  • Und auch für Sie gilt: Am nächsten Tag wieder raus an die frische Luft, Licht tanken und wieder: Ein Programmpunkt wäre wichtig: Vielleicht besuchen Sie jemanden?
  • Wen könnten Sie in den kommenden Tagen treffen oder zu sich einladen?
  • In unserem TrauerForum auf ASPETOS treffen Sie Menschen, die gerade Ähnliches durchstehen: http://www.aspetos.at/forum/


Familien mit Kindern

Familien mit Kindern sollten Weihnachten nicht ausfallen lassen. Dass das Fest nicht vergessen lassen kann, wenn einer fehlt, ist klar. Es geht auch nicht darum, Trauer auszusperren an diesem Weihnachtsabend. Aber für Kinder ist das ein tröstlicher Jahreshöhepunkt. Wenn das Christkind kommt, es einen Christbaum gibt, eine gemeinsame Feier und das ein oder andere Geschenk, dann spüren Kinder, dass es „trotzdem“ weitergeht. Sich wiederholende Rituale im Jahreskreis geben Halt. Und Kinder haben eine Gabe, die wir Erwachsene verloren haben: Sie schaffen es, dunkelste Stunden aufzuhellen und das tut gerade auch uns Erwachsenen in solchen Stunden gut!


Tipps für die Feiertage finden Sie in  folgenden Artikeln unseres Trauerratgebers:

Frohes Fest? Die Feiertage überleben

http://www.aspetos.at/news/index.php/ratgeber/religion/567-frohes-fest-die-feiertage-ueberleben

Trauer und Katerstimmung – Gedanken zum Silvester-Rausch

http://www.aspetos.at/news/index.php/trauerarbeit/568-trauer-und-katerstimmung-gedanken-zum-silvester-rausch-

Winterdepression: Ein Schlachtplan gegen Melancholie und inneren Schweinehund

http://www.aspetos.at/news/index.php/gesundheit/721-melancholie-schwarze-galle-im-advent


Termine Österreich

Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

Trauertänze sind eine Ausdrucksmöglichkeit bei Veränderungen, Trauer oder Verlust. Die fließenden Bewegungen dieser einfachen Kreistänze können in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung und Heilung beitragen..

Termine 2012: 19. April., 24. Mai., 28. Juni.

jeweils 19.30 - 20:30 Uhr Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

– keine tänzerischen Erfahrungen erforderlich –

Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag von € 6,--/Abend wird gebeten!

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

Feriencamps für Kinder in stürmischen Zeiten

RAINBOWS Feriencamp für trauernde Kinder im Sommer 2012:

Die Kosten von 310€ beinhalten Unterkunft mit Vollpension und „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“.

Anmeldungen und weitere Informationen:

RAINBOWS-Österreich, Theodor-Körner Straße 182, 8010 Graz, Tel: 0316/688670, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , www.rainbows.at


Niederösterreich

7. Trauerwandertag

von Altruppersdorf nach Poysdorf

Samstag 14. April. 2012, 15 Uhr, Treffpunkt: Lourdesgrotte in Altruppersdorf

Weitere Infos und Anmeldung zu diesem kostenlosen Angebot: Trauerwandertag Detailinfos (PDF)


Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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