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Kondolieren per SMS – pietätlos?

Geschrieben von Jörn Brien am . Veröffentlicht in Trauerarbeit

Fotograf: Joachim KirchnerWenn ein Verwandter oder guter Bekannter stirbt, trifft uns die Nachricht über seinen oder ihren Tod meist ziemlich unvorbereitet. Entweder lesen wir eine Traueranzeige in der Zeitung, bekommen einen Anruf, in dem man uns über das Ableben der Person informiert, oder wir erfahren die traurige Nachricht durch Zufall – etwa in einem Gespräch.

Heutzutage kommt es außerdem immer öfter vor, dass Todesfälle im Freundes- oder Bekanntenkreis über soziale Netzwerke – wie Facebook – kommuniziert werden. Aber ist das alles nicht ziemlich pietätlos? Auch E-Mail oder SMS, mit denen uns eine solche Nachricht überbracht wird, fühlen sich irgendwie falsch an. Der Bestattermeister Karl Albert Denk sagt: Nein! „Traditionen und Rituale ändern sich“, betont Denk im Interview mit Jetzt.de. Und weiter: „Trauerbewältigung im Web 2.0 ist absolute Geschmackssache“. Denk selbst allerdings würde die Nachricht über den Tod eines geliebten Menschen nicht via Facebook mitteilen.

„Todesnachricht à la Social Network“


Wie bei allen Dingen kommt es natürlich auch bei der „Todesnachricht à la Social Network“ darauf an, wie diese ausschaut und wem man sie mitteilt. Sicherlich muss nicht jeder Facebook-„Freund“ über ein – im übertragenen Sinne – laut herausgebrülltes Posting an das gesamte Kontaktnetzwerk involviert werden. Aber eine Mitteilung, die nur an enge Freunde geht, erfüllt sicherlich denselben Zweck und ist bestimmt nicht pietätloser als ein Rundruf via Handy.

Dass die Beschäftigung mit dem Tod auf Facebook kein Tabu ist, zeigt z.B. die neue Facebook-App „If I die“, mit der User ihre letzten Worte aufnehmen und hinterlassen können. Diese Nachricht wird erst nach dem Tod veröffentlicht. Ein vielleicht etwas makabrer, aber durchaus spielerischer Umgang mit der eigenen Sterblichkeit.

Knigge: E-Mail, Fax und SMS tabu

Die Nachricht über den Tod ist die eine Sache, aber wie sieht es mit dem Kondolieren aus? Während Online-Kondolenzbücher wie bei ASPETOS mittlerweile zum Traueralltag gehören, ist die Unsicherheit beim Kondolieren via SMS und E-Mail noch immer groß – und das, obwohl ein Großteil unserer heutigen Kommunikation über diese Kanäle läuft. Der Knigge jedenfalls sagt: „E-Mail, Fax und SMS sind selbstverständlich tabu!“ Stattdessen gehörten die Beileidsbekundungen auf Karte oder Brief und dann ab in den Briefkasten. Schließlich würde die schriftliche Beileidsbekundung den Trauernden auch Wochen und Monate nach dem Begräbnis Trost spenden.

Aber gilt das nicht auch für eine E-Mail oder eine SMS? Auch wenn die meisten Ratgeber von digitalem Kondolieren abraten, Experten sehen kein Problem darin. Für Bestattermeister Karl Albert Denk zählt die Art des Mediums, auf dem kondoliert wird, jedenfalls nicht – Hauptsache aufrichtig und persönlich. „Warum soll es also schlechter sein, einem Trauernden eine persönliche Mail oder SMS zu schreiben, als einen Brief auf Büttenpapier zu verfassen?“

Weiterführende Links:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/539200/Persoenliche-Worte-statt-Konfuzius-gerne-auch-per-SMS
http://www.stil.de/themenschwerpunkt/beileid.html
http://www.aspetos.at/news/index.php/trauerarbeit/872--neues-facebook-app-wenn-ich-sterbe

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