Billiger Trost - wahrer Trost? Wo liegt der Unterschied?

546348_web_r_by_damaris_pixelio.de.jpgHeute wirkt der Begriff „Trost“ fast veraltet und hat außerdem einen negativen Beigeschmack, denn wir kennen ihn umgangssprachlich vor allem aus Alltagsbegriffen wie Trostpreis, Trostpflaster, trostlos, vertrösten, nicht ganz bei Trost sein, über etwas hinwegtrösten …

Das klingt so, als ginge es beim Trösten darum, das Aufbrechen von schmerzhaften Gefühlen durch eine oberflächliche Behandlung zu verhindern: „Da hast du ein Trostpflaster und jetzt hör auf jammern.“

Jemanden von seinen Gefühlen wegzubringen, die trotzdem da sind, ist „billiger Trost“. Dieser hat trauerpsychologisch verheerende Konsequenzen, weil er die Entfaltung von an sich heilsamen Trauer-Gefühlen verhindern will. Wer billigen Trost schon am eigenen Leib erfahren hat, der weiß, dass er nicht tröstet. Das Gegenteil ist der Fall: Er wirkt verletzend, weil er über unsere Gefühle hinweggeht, sie wegwischen will und unser Bedürfnis nach Zuwendung und Einfühlsamkeit ignoriert.


Trauer ist der halbe Trost

„Lange saßen sie dort und hatten es schwer. Aber sie hatten es gemeinsam schwer und das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht.“ (Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter)

Trost wirkt hingegen dann positiv, also wirklich tröstend, wenn meine Haltung und meine Handlungen zum Ziel haben, einer Person in ihrem Leid beizustehen, für sie da zu sein, weil mein Dasein Gefühle von Niedergeschlagenheit, Einsamkeit und Hilflosigkeit reduziert, und wenn ich auch intensiven Gefühlen Raum lasse. Wenn ein Mensch Trauer und Schmerz rauslassen kann, dann ist der Ausdruck dieser Gefühle wirklich  schon „der halbe Trost“, wie es Marlene Mitscherlich treffend beschrieben hat. Was ist aber die andere Hälfte?


Aussagen von Betroffenen zufolge, hat wahrer Trost 3 Komponenten:

1. Begegnung mit echtem Interesse und Einfühlungsvermögen

Gerade unmittelbar nach einem Todesfall oder einem anderen erschütternden Ereignis, reagieren Betroffene mit Betäubung und Schock. Schock lässt einen Erstarren oder mechanisch aktiv werden: Man fühlt sich wie in einem Film, alles ist unwirklich, man spürt sich selbst nicht mehr. Durch hilfreiche Begegnungen können Betroffene leichter wieder in Kontakt zu sich selber kommen, sich wieder spüren. Dadurch kann sich die Schockstarre lösen, Gefühle können sich entfalten und Bedürfnisse können wieder wahrgenommen werden. Hilfreiche Begegnungen, das ist der Beistand von Menschen, die Betroffene beim Realisieren des Verlustes und des Trauerschmerzes begleiten und immer wieder nachfragen, welche Gefühle und Bedürfnisse der Betroffene gerade hat, sodass er sich wieder spüren kann. „Wie geht es dir?“, „Hast du einen Wunsch?“, „Kann ich etwas für dich tun, dass es dir besser geht?“, „Gibt es etwas, das jetzt wichtig ist zu tun?“, „Wie kann ich dir helfen?“ … das sind Fragen, die Menschen im Ausnahmezustand dabei helfen, sich in ihrer Bedürfnislage wieder wahrzunehmen.

2. Beziehung

Trauernde Menschen wollen sich meist zurückziehen. Rückzug ist verständlich. Man braucht ja auch Zeit für sich und der Wunsch nach Rückzug ist auch ein Schutz. Allerdings darf daraus keine Isolation werden. Wer in Beziehung zu anderen Menschen bleibt, vergrößert die Chance getröstet zu werden. Er wird sicher auch leicht verletzt, aber hier gilt es zu lernen, sich von denen abzugrenzen, die einem nicht (mehr) gut tun und jene zu suchen, die einem Unterstützung und wahren Trost bieten. Bei den meisten Trauernden ändert sich der Freundes- und Bekanntenkreis nach einem Verlust gravierend.

Beziehung zu anderen Menschen findet man in der Arbeit, durch Aktivitäten außer Haus, in Trauergruppen, beim Friedhofsbesuch, durch gemeinsames Essen und Trinken und auch indem man gemeinsame Rituale pflegt.

3. Berührung

Wenn wir ein Kind trösten, berühren wir es. Berührung ist oft auch die einzige Möglichkeit, um einen Kontakt zu einer Person im Ausnahmezustand herzustellen. Mit Körperkontakt muss man allerdings vorsichtig sein, da sie von Betroffenen leicht falsch bzw. übergriffig verstanden werden kann. Wenn Berührung eingesetzt wird, dann gilt es, sie möglichst kurz und statisch zu halten. Am unverfänglichsten ist eine kurze Initialberührung an Oberarm oder Schulter. Streichelnde Bewegungen sind tabu. Umarmungen sind nur passend, wenn eine entsprechend enge Beziehung zum Betroffenen gegeben ist.

Berührung kann ich als Betroffener aber auch selbst suchen: bei meinem Partner (Kuscheln) oder wenn ich alleine bin durch ein warmes Bad, kuschelige Kleidung und kuscheliges Sofa, mich mit einer guten Creme oder einem Öl eincremen oder sogar massieren lassen. All das empfinden wir Menschen als tröstend.


Billiger Trost und wahrer Trost lassen sich eigentlich leicht unterscheiden, denn Betroffene spüren intuitiv ganz genau, wer ihnen gut tut und wer nicht. Wichtig ist, dass sie lernen, diesem Gefühl zu trauen und sich gegebenenfalls abzugrenzen. Menschen, die nicht gut tun, werden von Betroffenen übrigens genau charakterisiert:

Sie können nicht zuhören, sondern reden auf die Betroffenen ein, sie geben „gute“ Ratschläge und „psychologisieren“ bzw. „analysieren“, wirken dadurch besserwisserisch. Ihre eigene Unsicherheit, ihr Unwissen oder fehlende Worte überbrücken sie meist durch so genannte „Killerphrasen“, wie „Das wird schon wieder!“ oder „Du hast ja noch andere Kinder!“, „Du bist ja noch jung!“, „Wer weiß, was ihm durch seinen Tod noch erspart geblieben ist …“ etc. Killerphrasen sind Phrasen, denen jegliches Einfühlungsvermögen fehlt, die an der Oberfläche bleiben und Betroffene sehr verletzen.

Quellen:

Mitscherlich, M./ Schmidt-Degenhard, M.: Trauer ist der halbe Trost. Margarete Mitscherlich im Gespräch mit Meinhard Schmidt-Degenhard. Pendo-Verlag 1995.

Flieder, M./ Jansen, H.-P.: Praxishandbuch Palliativpflege und Schmerzmanagement. Feber 2012.

Termine

Allgemein

Basisseminar Trauerumwandlung

21. bis 23. Juni 2013

im Tagungshaus Brixen

Nähere Infos: 

http://www.aspetos.at/news/index.php/allgemein/675-basisseminar-trauerumwandlung


Tirol

Zurückgelassen - nach Suizid?

Selbsthilfegruppe-Treffen: jeden 1. Donnerstag im Monat jeweils um 19.30 Uhr im Selbsthilfetreff Rechter Iselweg 5a, 9900 Lienz (Eingang neben Feinkost Zuegg)

Kontakt: Barbara Kunzer  0650 / 950 60 60

SELBSTHILFE TIROL –Zweigverein Osttirol

c/o BKH-Lienz, 4. Stock/Süd, E. v. Hiblerstraße 5, 9900 Lienz,

Tel. u. Fax: +43 (0)4852/606-290;  Mobil: +43 (0)664/3856606

Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.  Homepage: www.selbsthilfe-tirol.at/osttirol



Wien

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2013:

Samstag 16. März. Prater
Samstag 27. April Lobau Kräuterwanderung
Samstag 22. Juni Neusiedler See
Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

Caritas - Kontaktstelle Trauer


Wien

Gesprächsgruppe für trauerende Angehörige

"In der Trauer nicht alleine"

Gesprächsgruppe für trauernde Angehörige

Termine 2013: 20.2., 6.3., 20.3., 3.4., 17.4., 24.4.

jeweils 17:00 bis 18:30 Uhr, Stephansplatz 6/1. 6. Stock Raum 638, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 6,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas - Kontaktstelle Trauer


Wien

Trauer Spaziergänge

Trauer-Spaziergänge sind für Menschen, die einen geliebten Angehörigen durch Tod verloren haben und ihre Trauer mit anderen teilen möchten und gemütlich unterwegs sein wollen.

Termine Frühjahr 2013:

Freitag, 15. Februar 2013 Donaupark
Freitag, 22. März 2013 Steinhofgründe
Freitag, 3. Mai 2013 Lainzer Tiergarten
Freitag, 7. Juni 2013 Kalksburg „Wiener Hütte“
Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauer Speziergänge Details (PDF)

Caritas - Kontaktstelle Trauer


Allgemein

LEBEN UND TOD

Forum und Messe zu Hospiz, Palliative Care, Spiritual Care, Sterbebegleitung, Trauerforschung

16.05.2013 - 17.05.2013

Ort:

Messe Bremen, Halle 6


Findorffstraße 101
28215 Bremen

Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag: 10-18 Uhr

Eintrittspreise:
Offene Vorträge ab 7,-

Fachkongress ab 25,-


Wien

Trauergruppe für Eltern

"...ich sehe dich nicht älter werden..."

Trauergruppe für Mütter und Väter, die einen erwachsenen Sohn/eine erwachsene Tochter durch Tod verloren haben

Treffen jeden 2. Montag im Monat

jeweils 19 bis 21 Uhr, Stephansplatz 6, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 6,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas - Kontaktstelle Trauer


Tirol

Trauer für verwaiste Eltern (Osttirol)

jeden 4. Donnerstag/Monat,19.30 Uhr, Eltern-Kind- Zentrum Lienz


Tirol

Tirol: „Trau dich zu trauern, Mann!“ - Wochenende für Männer im November

Infos: http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=7&detail=50008456&portal=60


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