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Rezepte gegen das Sommerloch in der Trauer

Geschrieben von Dr. Christine Pernlochner-Kügler am . Veröffentlicht in Trauerarbeit

_by_heinz-dahlmanns_pixelio.de.jpgFür Trauernde stellt oft der Sommer ein kaum zu füllendes Loch dar. Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen sind im Urlaub und in der eigenen Freizeit merkt man noch deutlicher als sonst, wenn jemand fehlt. Eisamkeit stellt sich ein. Außerdem neigt man im Urlaub dazu, geregelte Tagesstrukturen zu lockern oder aufzulösen. Diese Tage lösen Angst aus und Betroffene haben oft keine Strategien parat, wie sie diese Zeit gestalten können. Es gibt auch kein Patentrezept für diese Tage, die Bewältigungsstrategien sind abhängig vom Sterbefall, vom jeweiligen sozialen Umfeld und natürlich vom Trauernden selbst.

 

Eine Hilfestellung  kann man aber geben: Gesunde Trauer verläuft in Wellen. Es gibt Wellen des Schmerzes, aber auch „gute Tage“. Wenn man also einmal nicht traurig ist, vielleicht sogar lachen kann, braucht man keine Schuldgefühle zu haben: Der Körper hat in den Erholungsmodus geschalten, er rüstet sich für die nächste Welle und schöpft Kraft für die weitere Trauerarbeit.

Hilfreich für die Sommerzeit ist aber, Strukturen aufrechtzuerhalten beziehungsweise die Urlaubswochen zu strukturieren und zu planen. Wer sich planlos hineinfallen lässt und wartet, was geschieht, kann leicht in einen emotionalen Sog geraten, der nur mehr hinunter und ins Negative führt. Wer für jede Woche „einen Plan“ hat und diesen auch einhält, kann dieses Risiko reduzieren. Planen sollte man einerseits die alltäglichen Dinge des Lebens - die Mahlzeiten, Spaziergänge oder Hausarbeiten: An diese Regelmäßigkeiten sollte man sich unbedingt halten, denn Struktur vermittelt Sicherheit und reduziert das Gefühl von Verlorenheit und Haltlosigkeit.

Auch die Anbindung an das soziale Netz sollte bewusst gestaltet werden: Wer ist wann nicht im Urlaub? Wann könnte man wen treffen oder einladen? Welche Veranstaltungen kann ich besuchen? Welches Konzert oder Open-Air-Kino sind für mich erreichbar? Mit wem könnte ich dort hingehen?

Planen kann man aber auch die Zeiträume für bewusste Trauer und auch bewusste Erholung von der Trauer. Eine betroffene Mutter hat im Laufe der letzten Jahre ihre eigene Strategie gefunden: „Ich fahre im Sommer zwei Wochen ganz bewusst weg und mache Urlaub von der Trauer. Ich flüchte nicht, ich trauere ja, gehe regelmäßig in eine Trauergruppe. Aber ich gönne mir auch Verschnaufpausen. Zu meiner verstorbenen Tochter sage ich dann: Tschüss, ich mach Urlaub, wir treffen uns dann danach wieder. Das sagen zu können, das geht nicht von heute auf morgen, ich habe das über die Jahre gelernt und inzwischen funktioniert es.“

In diesem Sinne wünscht das Aspetos-Team allen Trauernden erholsame Tage und dass neben der wichtigen Trauerarbeit auch ein bisschen Urlaub von der Trauer gelingen mag! 

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