Serie: Wie verstehen Kinder Körper und Krankheit? 3 bis 12 Jahre

Foto: Andreas Morlok3 bis 6 Jahre – Magisches Verständnis von Zusammenhängen
Im 3. Lebensjahr beginnen Kinder uns mit „Warum-Fragen“ löchern. Eine Warum-Frage ist eine Frage nach der Ursache von etwas. Die Kinder beginnen die Welt in ihren kausalen Zusammenhängen verstehen zu wollen. Sie sind nun in der Lage in Ursache-Wirkungs-Ketten zu denken.

Leon hatte sich im Kindergarten starken Durchfall geholt und musste einige Tage Diät halten. Seine Mutter erklärte ihm seine Diät immer wieder mit etwa folgenden Sätzen: „Du darfst kein Honigbrot und keinen Kakao (keine Kekse, keine Schokolade, keine Sauce auf die Nudeln, keinen Apfelsaft, ...) haben, wegen dem Darm ... Dass du Durchfall hast, das liegt am Darm ... Wir müssen schauen, dass der Darm wieder gut wird, dann darfst du wieder alles essen und trinken.“ Auf Leons Frage, was denn der Darm sei, gab sie ihm folgende Antwort: Der Darm, der ist in deinem Bauch drinnen, er ist ein langer Schlauch, wo alles, was du isst hindurch muss. Das Popoloch ist der Ausgang und da kommt dann alles als Kacka  wieder raus. Die Vorstellung vom als „Kacka“ verkleideten Wienerschnitzel hat ihm sehr gefallen.

Einige Zeit später beim Doktorspielen:
Leon ist der Doktor, die Mutter die Patientin:

Leon:     Grüß Gott. Wo sind Sie denn krank?
Mutter:    Ich habe Fieber und Kopfweh.

Leon kramt in seinem Doktorkoffer nach dem Stethoskop und horcht ab, dann wird Blutdruck gemessen und in Mund und Ohren geschaut. Abschließend erhält die Patientin folgende Diagnose:

Leon:     Ja, du hast einen Darm im Bauch. Der macht dich krank. Du darfst jetzt hundert Tage nur Sachen essen, die dir nicht schmecken. Das mag der Darm nicht. Dann geht er beim Popoloch verkleidet heraus und dann bist du wieder gesund.

1.    Magisches Denken

Was in dem Beispiel sehr gut zum Ausdruck kommt, ist, dass Kinder zwar verstehen, dass es zwischen einzelnen Phänomenen Zusammenhänge gibt. Allerdings verstehen sie diese oft nicht richtig und so kommt es, dass sie sich Zusammenhänge zwar erklären, allerdings falsch. Hier wurde der Darm fälschlicherweise als etwas Böses und als Fremdkörper verstanden, den man loswerden muss.

Man nennt dieses Phänomen magisches Denken. Magisches Denken bedeutet, dass Kinder irrationale Konzepte entwickeln. Solche Vorstellungen können durchaus „nett“ sein: In diesem Alter meinen Kinder oft, dass die Sonne untergeht und es dunkel wird, damit die Menschen und Tiere schlafen können oder dass der Mond scheint, damit der Zeitungsausträger doch ein bisschen etwas sieht.

Gerade bei Krankheiten und Verletzungen oder wenn sich Kinder die Funktionen ihres Körpers vorstellen, dann können solche falschen Vorstellungen aber auch Angst erzeugen. Der 4-jährige Lukas hatte zum Beispiel plötzlich Angst vor dem Vollmond, da er einmal bei Vollmond aufgrund einer Virusinfektion mehrmals in der Nacht erbrechen musste. Die Ursache sah er im Vollmond, weil in dieser Familie auch ein „Mondkalender“ eine große Rolle spielte. Bei jedem Vollmond wurde ihm dann übel.

Typisch für das magische Denken ist auch, dass Kinder unsere metaphorische (=bildliche) Sprache über den Körper für real halten: Wenn erschrockene Erwachsene davon sprechen, dass ihnen das Herz in die Hose gerutscht ist oder dass ihnen vor Schreck das Herz stehen geblieben ist, dann sind Kinder nicht in der Lage den bildlichen Charakter dieser Aussagen zu verstehen. Sie nehmen diese Sätze wörtlich. Viele Kinder wissen nicht, dass die Organe im Körper ihren fixen Platz haben. Diese Vorstellung wird durch unsere bildhafte Sprache begünstigt. Wenn ein Kind der Meinung ist, dass die Organe im Körper wandern, dann kann es vor einer Operation ganz schön Angst kriegen: Woher soll denn der Doktor wissen, wo er hinein schneiden soll, wenn die Dinge keinen fixen Platz haben?

Die 5-jährige Christine wünscht sich Ohrringe zum Geburtstag und fragt ihre Mutter, wie das denn gemacht wird. Darauf antwortet ihre Mutter: Als sie ein Kind war, hat man  Ohrringe wirklich noch mit der Nadel gestochen und das hat sehr weh getan, heute sticht man Ohrringe nicht mehr, man schießt sie ins Ohr und das tut kaum mehr weh. Christines Mutter wollte eine Angst reduzierende Erklärung geben. Bewirkt hat sie allerdings das Gegenteil, denn in der Phantasie des Kindes spielte sich Folgendes ab: Christine stellte sich vor, dass sie beim Arzt auf  einem Sessel sitzt. Der Arzt steht in einiger Entfernung mit einem Gewehr, zielt auf ihr Ohr und versucht richtig zu treffen. Christine hatte weniger Angst vor dem Versagen des Arztes (sie kannte ja viele, die es überlebt hatten und die Ohrringe saßen auch alle richtig), sie hatte viel mehr Angst vor ihrem eigenen Versagen, weil man ihr nämlich dauernd sagte, dass sie nicht still sitzen könne. Aus diesem Grund hatte sie Angst, dass der Arzt ihr Herz treffen könnte.
Auch wenn wir  auf die Fragen unserer Kinder angemessene und sachlich richtige Antworten geben, – ganz verhindern kann man das magische Denken nicht und das ist auch nicht notwendig. Wenn wir aber bemerken, dass etwas unseren Kindern Angst macht, dann kann man einfach einmal fragen: Wie stellst du dir vor, dass das funktioniert? Wie stellst du dir das vor, was der Arzt mit dir macht? Woher glaubst du, kommt diese Krankheit? Wie stellst du dir vor, was gerade in deinem Körper passiert? Wenn wir dann durch die Erzählung der Kinder erfahren, dass sie Zusammenhänge falsch hergestellt haben, dann können wir auch im Nachhinein noch Angst reduzierend eingreifen Irrationales richtig stellen.

2.    Egozentrismus:

Egozentrismus bedeutet Ich-Bezogenheit. Kinder beziehen bis zum 6. Lebensjahr alles, was um sie geschieht auf sich. Egozentrismus bedeutet aber auch, dass Kinder sich nicht in andere Menschen hineinversetzen und die Absichten anderer Personen nicht verstehen können. Als Erwachsener kann ich nachvollziehen, dass diese Eingriffe nötig sind und dass sie letztlich helfen, dass ÄrztInnen und PflegerInnen keine bösen, hinterhältigen und gefährlichen Geschöpfe sind. Eine Ärztin, die ein Kind „zwingt“, bittere Medizin zu schlucken oder die eine Spritze gibt, kann nicht erkannt werden als jemand, der helfen will.

3.    Krankheit als Strafe

Kinder neigen dazu, Erkrankungen mit Strafe in Verbindung zu bringen: Ich bin krank, weil ich nicht gefolgt habe, weil ich böse war. Das magische Denken und die Unfähigkeit die Krankheit zu verstehen, begünstigen Strafphantasien natürlich. Dazu kommt, dass Eltern diese Assoziation häufig unbewusst unterstützen: Mit dem Satz: „Pass auf, dass du da nicht runterfällst und dir den Arm brichst, sonst müssen wir ins Krankenhaus“, wird das Krankenhaus nicht zur Hilfe oder Rettung, sondern zur Strafandrohung, um die sich jede Menge beängstigende Phantasien ranken werden.

7-11 Jahre – Verständnis für Prozesse
Erst mit dem Beginn des Schulalters können Kinder den Körper und seine Funktionen allmählich halbwegs verstehen. Trotz zunehmend realistischem Verständnis für einfache Zusammenhänge und Prozesshaftigkeit von Erkrankungen, bleiben aber weiterhin symbolische, magische und unrealistische Vorstellungen bestehen.

Krankheit wird in diesem Alter erstmals als Prozess erkannt, als etwas, das nicht nur ein Symptom ist. Es ist nun verständlich, dass Krankheit beginnen kann lange bevor sich die ersten Anzeichen bemerkbar machen und das Abklingen der Symptome nicht heißen muss, dass man wieder gesund ist. Hier liegt bereits die Gefahr von  hypochondrischen Ängsten: Wenn man auch ohne Symptome krank sein kann, dann kann man immer etwas haben. Solche Ängste sollten sehr ernst genommen werden und auch ernsthaft angesprochen werden. Darüber hinaus können Therapien nun auch verstanden werden. Nicht nur ein wohlschmeckendes, sondern auch ein bitteres Medikament kann helfen. Auch wie es wirkt, wird für Kinder jetzt nachvollziehbar.
Kinder sind nun fähig, sich in andere Personen hineinzuversetzen und begreifen die helfenden Absichten auch bei schmerzhaften Behandlungen, da der Egozentrismus im Denken allmählich in den Hintergrund tritt.

Ab dem 12. Lebensjahr – realistisches Verständnis von Körper und Psyche

Das richtige Verstehen von Körperfunktionen und Krankheitsverläufen setzt ein hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit  und die Fähigkeit zu komplexem und abstraktem Denken voraus.
Mit einem realistischen Verständnis von Krankheit und mit einem realistischen Verständnis von Körperfunktionen kann frühestens ab dem 12. Lebensjahr gerechnet werden. Erst hier sind Kinder geistig dazu in der Lage die komplexen Zusammenhänge und auch die Multikausalität von Erkrankungen realistische nachzuvollziehen.  Auch das Wechselspiel von Körper und Psyche und einen Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, wird nun möglich.

Für Aspetos
Dr. Christine Pernlochner-Kügler


Termine Österreich

Kärnten

Trauerseminar: Wohin mit meiner Trauer

mit Hans Kopeinig

Lebenshindernde Trauer in lebensfördernde Trauer umwandeln.
(Was nicht wahrgenommen wird, kann auch nicht geheilt werden)
Termin: 10.02.2012 bis 12.02.2012 in Köstenberg/Wurzen - Landhof Schöfmann (Nähe Velden am Wörthersee

Infos und Anmeldung:

Hans Kopeinig (Myroagoge/Trauerbegleiter/Diplomierter Lebens und Sozialberater)

0664/3420206

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

www.hanskopeinig.com



Niederösterreich

Wandertage für trauernde Menschen

Termine 2012:

Samstag 25. Feb. Lobau
Samstag 24. März Stockerauer Au
Samstag 28. April Kreuttal
Samstag 2. Juli Lainzer Tiergarten

Treffpunkte, Uhrzeiten und weitere Infos: Trauerwandertage Detailinfos (PDF)

http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/pfarr-caritas/kontaktstelle-trauer


Tirol

STerben & erben! Vom Tod in Tirol

Mögen die Menschen auch im Tod gleich sein, spätestens mit dem Erbe beginnen sie sich wieder zu unterscheiden.

Termin: 8. November 2011, 19 Uhr,

Bibliothek des Ferdinandeums, Museumstraße 15, Innsbruck

Durch den Abend führen Christoph W. Bauer und Hansjörg Rabanser.

Infos:http://www.tiroler-landesmuseen.at/html.php/de/ferdinandeum/bibliothek/veranstaltungen


Tirol

Nacht der spirituellen Lieder

Gemeinsam singen - Herzenslieder aus aller Welt

Termin: Freitag, 11. NOVEMBER 2011
19.00 – ca. 22.30 UHR

OEZ Offenes Evangelisches Zentrum
Innsbruck-Christuskirche, Martin-Lutherplatz 1

Infos:http://www.aspetos.at/news/index.php/allgemein/700-lange-nacht-der-spirituellen-lieder


Wien

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen

"...die Zeit heilt nicht alle Wunden..."

Gesprächsgruppe für junge erwachsene Menschen, die den Vater, die Mutter, eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben durch Tod verloren haben

Termine im 1. Halbjahr 2012: 29. Feb. 2012, 28. Mrz. 2012, 25. Apr. 2012, 30. Mai 2012

jeweils 1830 bis 2030 Uhr, Blutgasse 1, 1010 Wien

ein freiwilliger Unkostenbeitrag von € 5,- wird erbeten

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Raum und Zeit für meine Trauer

In der Trauer lebt die Liebe weiter...

Offene Trauergruppe für das Weinviertel

Termine 2012: 12. Jän., 2. Feb., 8. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 14. Jun. 2012

jeweils Donnerstag 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Freiwilliger Unkostenbeitrag von EUR 10,- pro Abend erbeten.

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Niederösterreich

Begleitende Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid

Die Trauer der Hinterbliebenen.

Termine 2012: 16. Feb., 15. Mrz., 12. Apr., 10. Mai, 28. Juni, 27 Sep.

jeweils 19.30 - 21:00 Uhr Bildungshaus Schloss Großrußbach, 2114 Großrußbach, Schlossbergstrasse 8

Teilnahmebeitrag EUR 5,- bis EUR 7,- pro Abend in Selbsteinschätzung (Ermäßigung auf Anfrage möglich)

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Wien

Meditative Tänze der Trauer und des Trostes

für Betroffene und Menschen, die Trauernde begleiten

Termine: 23. Feb. 2012, 8. Mrz. 2012, 29. Mrz. 2012

jeweils Dienstag 18:30-20:00 Uhr, Stephansplatz 6, Stiege 1/6. Stock, 1010 Wien

Freiwilliger Unkostenbeitrag EUR 5,-/Abend

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


Wien

Trauergruppe für jüngere Menschen

"... Ich bin noch zu jung, um schon verwitwet zu sein..."

Trauergruppe für jüngere Menschen, die den Partner, die Partnerin verloren haben.

Termine 2012: 10. Jän., 24. Jän.

jeweils Dienstag 16:30-18:30 Uhr, Stephansplatz 6/6. Stock, Zimmer 638, 1010 Wien

Freiwilliger Unkostenbeitrag EUR 5,-/Abend

Alle Infos: Caritas Wien - Kontaktstelle Trauer


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